Politische Propaganda an den Schulen? Ja, unbedingt!

Aus dem FALTER 4/2012

Kommentar Bildung

Politiker werben für sich und ihre Parteien, wenn sie an Schulen Vorträge halten, fürchtet der Wiener Stadtschulrat. Deshalb verlangt er, dass künftig die hohen Besuche von amtlichen Aufpassern begleitet werden. Das nimmt dem Lehrer die Autonomie und kommt angesichts der nächstjährigen Nationalratswahl einem Besuchsverbot gleich.

Selbstverständlich treten die Politiker nicht aus Altruismus vor die Schüler. Aber sie deshalb fernzuhalten, ist eine denkbar schlechte Reaktion. Schließlich kommen die Jugendlichen mit der Politik so oder so in Kontakt. Und diese besteht eben über weite Strecken aus Populismus und mehr oder weniger subtilen Beeinflussungsversuchen.

Man sollte die Schüler also immunisieren und ihre Kritikfähigkeit herausbilden, statt sie im geschlossenen schulischen Rahmen vor Propaganda zu bewahren. Sonst läuft man Gefahr, dass sie später im echten Leben umso härter zuschlägt.

Zielführender als Restriktionen bei Besuchen wäre also ausreichend politische Bildung. Zum Beispiel könnte man sich nach dem Besuch ja genug Zeit nehmen, um über Methoden, Taktiken und Wortwahl des Politikers zu diskutieren. Wer an seinen Schulalltag zurückdenkt, weiß, wie befruchtend eine gute, interdisziplinäre Diskussion sein kann, solange ein guter Lehrer dafür sorgt, dass sie nicht ins Chaos abgleitet.

Dieser Gedanke geht über Politik hinaus und betrifft etwa auch die Themen Konsum und Medien: All die Herausforderungen der modernen Gesellschaft, all ihre Verführungen und Beeinflussungen sollten breitestmöglich Thema sein an der Schule. Denn vor dem Leben beschützen kann sie ihre Schüler ja doch nicht.

Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Soziales, Wien

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