Monatsarchiv: November 2011

Rückbau ist Fortschritt

Aus dem FALTER 48/2011

Bericht: Joseph Gepp
Fotos: Heribert Corn

Nach einem Jahr in der Regierung nehmen sich Wiens Grüne ein Thema vor, an das sich noch keiner wagte: die Zurückdrängung des Autoverkehrs. Protokoll eines Platzkampfes

Den Autolärm der nahen Triester Straße nimmt man hier nur noch als konstantes Hintergrunddröhnen wahr. Der Belgradplatz ist ein klassischer Wiener Beserlpark in Favoriten, ein Fleck Grün im dichtverbauten Gründerzeitviertel. Parkbänke, Kinderspielplatz, Hundezone. Und eine Hütte mit zylindrischen Metallteilen auf dem Dach. Das ist jene Feinstaubmessstelle, die alljährlich eine der höchsten Belastungen im deutschen Sprachraum verzeichnet.

Wenn es kalt und grau wird, sorgt der Staub regelmäßig für Verstörung. Asthma, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann er auslösen; trockene und windstille Witterung fördert seine Verbreitung. Rund die Hälfte des Feinstaubs stammt laut Verkehrsclub Österreich aus Autoabgasen, vor allem Dieselruß. Kritisch wird die Belastung ab 50 Mikrogramm Staub pro Kubikmeter Luft. Dieser Grenzwert darf laut EU an nicht mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Am Belgradplatz unweit der stark befahrenen Triester Straße sind es seit Jahresbeginn 58 Tage.

Ärzte warnen nun vor zu viel Betätigung im Freien. Lisa Rücker, grüne Vizebürgermeisterin von Graz, fordert Fahrverbote. Ihre Wiener Amtskollegin Maria Vassilakou denkt über sogenannte Umweltzonen nach, in die nur schadstoffarme Fahrzeuge einfahren dürfen.

Jeden Winterbeginn aufs Neue führt die Feinstaubdebatte die Schädlichkeit von Autoabgasen vor Augen – und führt zur Frage, wie Städte der Belastung durch den Individualverkehr begegnen sollen.

Zylindrische Metallteile auf dem Dach: Nahe der Triester Straße steht die Feinstaub-Messanlage Belgradplatz (Corn)

Verkehrspolitik ist einer der letzten Bereiche, den Kommunen noch weitgehend autonom gestalten können. Soll es sich für den Bürger rechnen, in der Stadt das Auto zu nehmen? Die Grünen, die Ende 2010 in die Wiener Stadtregierung eintraten, haben darauf stets eine klare Antwort gegeben: Nein.

Jetzt, nach über einem Jahr, macht Wiens rot-grüne Koalition ernst. Öffi-Tarifreform, Straßensperren, Verteuerung der Parkscheine, Ausweitung kostenpflichtiger Parkzonen – in Verkehrsdingen geht sie Vorhaben an, die absolut rote Stadtregierungen früher lieber vermieden. Von einem Drittel soll der Anteil der Autos am Gesamtverkehrsaufkommen auf weniger als ein Viertel sinken, diese Steilvorlage steht im Koalitionsübereinkommen.

Können solche Ziele tatsächlich erreicht werden? Setzen die Maßnahmen an den richtigen Stellen an? Und vor allem: Können sie Widerstände von Autofahrern und Pendlern überwinden, die in Politik und Boulevardmedien mächtige Unterstützer haben? Schon laufen die Autofahrerclubs Arbö und ÖAMTC Sturm gegen die „einfallslose Abkassiererei“.

An solchen Fragen wird sich der Erfolg der Stadtregierung messen, die Reformkraft der Grünen und die Veränderungsbereitschaft der SPÖ. Verkehr in Wien, das ist mehr als Planungsagenden für Fachleute und Gesundheitsfürsorge für das Volk. Verkehr ist auch zur Prestigeangelegenheit zweier Regierungsparteien geworden.

Es gibt, wenn man so will, drei Orte, an denen sich zeigt, ob die rot-grüne Strategie erfolgreich sein wird: das Rathaus, wo Entscheidungen fallen. Die Mariahilfer Straße, wo die größte der baulichen Veränderungen stattfinden soll. Und die städtischen Bezirksämter, wo die Visionen der Stadtplaner auf die Wünsche der Bürger treffen.

Eines davon steht am Richard-Wagner-Platz in Ottakring. In einem repräsentativen Büro residiert Franz Prokop, seit 2004 SPÖ-Bezirksvorsteher. Prokop gilt als hemdsärmeliger Typ, der manch grüner Idee aus dem Rathaus eher skeptisch begegnet. Als Vassilakou im September im Falter verkündete, das Parkpickerl sei für Ottakring fixiert, korrigierte Prokop sie prompt öffentlich: Gar nix sei fix.

Prokop weiß, wie sensibel das Thema ist. Er sagt, seine Schrebergartler und Häuslbauer am Bezirksrand würden rebellieren, wären ihre Vorgärten plötzlich von Pendlern zugeparkt, weil diese weiter innerhalb der Stadt neuerdings Gebühren zahlen müssten.

Folgt in Sachen Parkpickerl anderen Bezirken: Franz Prokop, SPÖ-Vorsteher des Bezirks Ottakring (Corn)

Zwar könnte Prokop die Ausweitung des Parkpickerls einfach vom Tisch wischen – denn sie muss „jedenfalls mit Zustimmung der Bezirksvertretungen“ erfolgen, steht als Konzession an SPÖ-Bezirkskaiser im Koalitionspapier. Dennoch ist der Vorsteher in Zugzwang geraten.

Das liegt an einer Studie, die die städtische MA 18 im November präsentierte. Darin analysierten Vassilakous Planer nicht nur, dass in Ottakring mit 85 Prozent verparkter Flächen praktisch jede Lücke besetzt ist. Sie berechneten auch gleich mit, was passiert, wenn sich einer der Bezirke der Parkraumbewirtschaftung verweigert.

Der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch, einer der Köpfe der rot-grünen Parkstrategie, sitzt in seinem Rathausbüro und blättert die Studie durch. Auf jeder Seite ist ein anderer Bezirk tiefrot gefärbt. „Zieht ein Bezirk nicht mit, hätte das dort die totale Überparkung zur Folge“, sagt Maresch. Er glaubt an einen bezirksweisen Dominoeffekt. „Autofahrer weichen dorthin aus, wo sie keine Gebühren zahlen müssen.“

Prokops Nachbarbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, ebenfalls SPÖ-regiert und noch ein bisschen stärker zugeparkt als Ottakring, votierte bereits für die Ausweitung. Das lässt Prokop für den 16. nun ebenfalls nachdenken. Die Sache gehe jetzt in die „gremiale Arbeit“, sagt er. Zwar seien bedeutende Fragen offen, vor allem, wie man außerhalb der Pickerlzone den Parkkollaps verhindern könne. „Aber wenn die Nachbarbezirke dem Pickerl zustimmen, gehen wir mit“, sagt Prokop.

Bis September 2012 wollen die Grünen die Parkraumbewirtschaftung in den Außenbezirken eingeführt haben. Um rund 15 Prozent soll der Autoverkehr in Wien dadurch zurückgehen – vor allem, weil Pendler auf Öffis umsteigen. Rund eine Viertelmillion von ihnen fährt täglich nach Wien, zwei Drittel davon im Auto. Auf die Pendler zielt auch eine zweite aktuelle Maßnahme der rot-grünen Regierung ab: die Verteuerung von Parkscheinen um rund 60 Prozent ab März 2012. Indes wird das Parkpickerl, das nur gemeldete Wiener benutzen dürfen, geringfügig billiger.

Diese Maßnahmen könnten sich auch auf den Belgradplatz auswirken, den feinstaubbelasteten Beserlpark im Arbeiterbezirk Favoriten. 31 Autos pro Minute fahren hier Tag und Nacht über die Triester Straße. Einige Ecken vom Belgradplatz entfernt, dient sie als Zubringer für die Südautobahn. Die Folgen für Anrainer sind mehr als nur Feinstaubbelastung. Das legt zumindest eine aktuelle Studie des Umweltministeriums von Nordrhein-Westfalen nahe.

Dort wurden an 5000 Frauen, die näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsader wohnen, erstmals Langzeitfolgen erhoben. Ergebnis: Die allgemeine Sterblichkeit – also die Häufigkeit von Todesfällen in einem bestimmten Zeitraum – lag 40 Prozent über dem Schnitt; das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben, gar 80 Prozent darüber. Zudem belegt die deutsche Studie einen Zusammenhang von starker Verkehrsbelastung und niedrigen Mieten in einem Viertel – und damit schlechten Wohnverhältnissen und einkommensschwacher Bevölkerung. Zwar seien solche Daten für Österreich nie erhoben worden, sagt die Stadtforscherin Betül Bretschneider von der TU Wien, „aber die Zahlen lassen sich durchaus auf Wiener Verhältnisse umlegen“.

Eine Reduktion des Autoverkehrs hätte neben gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen auch solche auf die Lebensqualität, sagen Stadtsoziologen. Ihr Schlagwort lautet „Stadt der kurzen Wege“: Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsorte sollen kleinräumig ineinandergreifen, statt, wie in der Nachkriegszeit, durch lange Autostrecken voneinander getrennt zu sein. Als Vorbilder für Wien gelten etwa München, wo von Bürgermeister Christian Ude abwärts 14 Prozent der Bewohner das Fahrrad nehmen, oder London, das E-Mobilität fördert und mittels Citymaut den innerstädtischen Verkehr einschränkt.

In Wien hingegen nehmen immer noch nur sechs Prozent der Leute das Rad. Über vielspurige Straßen gelangt man im Auto durch dichtverbautes Gebiet relativ rasch ins Stadtzentrum. An der Donau schneiden Schnellstraßen attraktive Uferzonen vom Rest der Stadt ab. Über den Parkring, betonen die Grünen gern, fahren mehr Autos als über den Brennerpass.

Gelingt es der rot-grünen Koalition, den Verkehr mittels Parkpickerl Bezirk für Bezirk einzudämmen, werden die Straßen frei für Rückbaumaßnahmen. Dann hätte man etwa Platz für Radwege und Fußgängerzonen, ohne fürchten zu müssen, dass es deshalb anderswo zum Verkehrskollaps kommt. Infolge solcher Maßnahmen würden, auf der Triester Straße wie anderswo, immer weniger Autos in die Stadt fahren.

Die größte und prominenteste Rückbaumaßnahme in Wien hat bereits begonnen, obwohl die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung erst am Anfang steht. Sie findet allerdings nicht am Belgradplatz statt, sondern ein gutes Stück stadteinwärts.

Vergangenen Donnerstag, Hofmobiliendepot, Neubau. Wo sonst kaiserliche Möbel ausgestellt werden, klagt heute ein Mann einem Stadtplaner seine Sorge um die Garageneinfahrt. „Dialog Mariahilfer Straße“ heißt die Veranstaltung. Schautafeln klären darüber auf, dass nur neun Prozent der Kunden der Einkaufsstraße im eigenen Fahrzeug anreisen. Menschen kritzeln Vorschläge auf Zettel. „Schleichwege für Autos sperren“ steht da auf eine Tafel gepinnt. Daneben: „Keine Demonstrationen!“ und „Freiräume ohne Konsumzwang“.

Autosperre oder Shared Space? Interessierte Bürger bei der Info-Veranstaltung zur Mariahilfer Straße (Corn)

Die Umgestaltung der Mariahilfer Straße gilt als das grüne Prestigeprojekt. Hier will die Partei vorführen, wie sie sich die postautomobile Stadt vorstellt. Die 2-Kilometer-Shopping-Meile soll bis November 2014 entweder komplett für Autos gesperrt oder zum sogenannten Shared Space werden, den Autos nur im Schritttempo durchqueren dürfen. Welche Variante realisiert wird, sollen die Bürger entscheiden. Ihre Ideen in Katalogform werden Planern als verbindliche Vorgaben dienen. Ob dies nur Kosmetik ist und ob es kritische Stimmen überzeugen kann, werden die kommenden Jahre zeigen.

Für die umliegenden Bezirke Mariahilf und Neubau jedenfalls soll ein „Verkehrskonzept“ dafür sorgen, dass die Grätzel nicht in jenem Verkehr ersticken, der sonst über die Mariahilfer Straße geflossen wäre. Einbahnregelungen könnten hier viel bewirken, sagt der Grüne Maresch. Doch wer garantiert, dass Autofahrer nicht darüber hinaus auf Straßen ausweichen, die weiter entfernt liegen? „Damit das Projekt Mariahilfer Straße wie gewünscht funktioniert, muss sich durch die Parkraumbewirtschaftung auch das gesamte Verkehrsaufkommen verringern“, antwortet Maresch.

Marion Litschke, 59, lässt sich von solchen
Argumenten nicht überzeugen. Seit 40 Jahren betreibt sie das kleine Juweliergeschäft M. Gotsch dort, wo sich Mariahilfer Straße und Neubaugasse kreuzen. „Fürs Geschäft wird die Umgestaltung per saldo wurscht“, glaubt sie. Es werde nur „alles komplizierter“, vor allem wegen der erschwerten Lieferantenzufahrt. Hat Litschke dies im Hofmobiliendepot vorgebracht? Nein, sagt sie, „ich brauch mir doch nicht von irgendeinem kleinen grünen Studenten erklären lassen, wie gut alles ist“.

Litschke selbst pendelt täglich mit dem Auto vom 23. Bezirk auf die Mariahilfer Straße, wo sie einen billigen Garagenplatz hat. „Wenn die Menschen spazieren gehen wollen, dann sollen sie nach Schönbrunn“, sagt sie. „Und einkaufen können sie auf der Mariahilfer Straße ja jetzt auch schon. Die Trottoirs sind ja breit genug.“

Fürs Geschäft sei "die Umgestaltung per saldo wurscht“: Marion Litschke, Juwelierin auf der Mariahilfer Straße (Corn)

Dass die Trottoirs so breit sind, verdankt die Straße einer ersten Umgestaltung im Jahr 1993. Damals wurden im Zuge der Errichtung der U3 die Fahrspuren schmäler und die Gehsteige breiter gemacht. In den folgenden Jahren stieg die Kundenfrequenz enorm; die zuvor leicht schmuddelige Straße wurde zu einer der wichtigsten Einkaufsmeilen Mitteleuropas. Zugleich sank die Zahl der Autos um rund die Hälfte, sagt Werner Rosinak, Architekt der ersten Umgestaltung. Selbst Juwelierin Litschke gesteht heute ein, dass es „früher weniger angenehm war, als die Autos noch direkt am Schaufenster vorbeigefahren sind“.

Ob man statt breiterer Gehsteige nicht lieber gleich eine Fußgängerzone errichten sollte, diese Frage kam auch 1993 schon auf. Schließlich verwarf man sie aber. Die Gegenargumente waren ähnlich wie heute, sagt Rosinak: „die Zufahrten, der Lieferverkehr und vor allem die Angst vor der Verdrängung der Wägen in den sechsten und siebten Bezirk“.

Heute, 20 Jahre später, beginnt der nächste Versuch. Nur sollen diesmal auch abseits der Mariahilfer Straße die Autos weniger werden.


Carsharing in Wien

Weil ein Carsharing-Auto bis zu acht Pkws ersetzt, will Maria Vassilakou Carsharing nach dem Prinzip City Bike „in jedem Bahnhof und Bezirk“. Eben davor warnt jedoch Christian Gratzer vom VCÖ: Carsharing sei zwar zu begrüßen und zahle sich aus, wenn man unter 12.000 Kilometer im Jahr fährt. „Wenn es allerdings ohne die übliche Voranmeldung zur Verfügung steht, macht es den Öffis Konkurrenz“, so Gratzer

Politik persönlich
Dem Druck auf die Tränendrüse widerstehen (auch) Grüne nicht. Feinstaub-Maßnahmen forderte Bundeschefin Eva Glawischnig in der Zeitung Österreich. Grund: Auch ihr Sohn habe „einen Allergieschock“ erlitten

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Behörden, Das Rote Wien, Stadtplanung, Verkehr

Jelinek: „Systematisch geschlagen und schlimme verbale Demütigungen“

Aus dem FALTER 47/2011

Wie alltäglich Gewalt an Kindern in den 50er-Jahren war, zeigen die Erfahrungen der Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Dem Falter stand die Literaturnobelpreisträgerin schriftlich Rede und Antwort. Als Fünfjährige erlebte sie im Sankt-Anna-Kinderspital Dinge, die sie nicht vergessen hat. Jelineks Ausführungen zeigen einen Aspekt der Missbrauchsdebatte, der bisher nicht thematisiert worden ist: jenen der Gewalt im Spitalswesen.

Falter: Frau Jelinek, was ist Ihnen im Sankt-Anna-Kinderspital geschehen?

Elfriede Jelinek: Als fünfjähriges Kindergartenkind bin ich mit Scharlach auf der Isolierstation des Sankt-Anna-Kinderspitals gelegen und wurde dort mit systematischer Gewalt vonseiten der älteren Krankenschwestern behandelt, vielleicht weil mir das gesundheitlich hätte nützen sollen.

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek wurde in den 50er-Jahren Opfer von Gewalt im Kinderspital (Wikipedia)

Wie sah diese systematische Gewalt aus?
Jelinek: Ich bin systematisch geschlagen worden, weil ich einmal Durchfall gehabt und ins Bett gemacht hatte. Ich habe schlimme verbale Demütigungen und andere schöne Sachen erlebt. Ich kann mich heute noch an jedes Wort erinnern, sage aber keins davon hier weiter. Achtung: Es war aber kein sexueller Missbrauch!

Wie kann man sich den Kinderspitalsalltag zu jener Zeit vorstellen?

Jelinek: Ich weiß zum Beispiel noch, dass sie mir Spielzeug, das mir meine Eltern geschickt hatten, nicht gegeben haben, es wurde ihren Lieblingen ausgehändigt. Das war ein Specht, der laut gepeckt hat, aus Blech, und ich habe ihn aus dem Nachbarzimmer gehört und wusste genau, dass es meiner war, meine Mutter hatte ihn mir mitgebracht. Es war mir damals schon klar, dass das eine Strafaktion gegen mich war. Das sind Sachen, die ein fünfjähriges Kind nicht vergisst, das können Sie mir glauben.

Wie soll man heute mit solchen Vorfällen umgehen?

Jelinek: Auch Kinderspitäler sollten ihre oft brutale Vergangenheit, die zum Glück wirklich und endgültig vergangen ist, aufarbeiten. Ich will die Sache nicht aufbauschen, aber es wäre schon interessant, ob man aus Spitälern aus den 50er-Jahren ähnliche Geschichten wie die meine hört.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Wien

Mies: Missbrauchsvorwürfe und politisches Kleingeld

Aus dem FALTER 47/2011

Kommentar Missbrauch

Jede Woche wird offensichtlicher, wie alltäglich Gewalt im Umgang mit Kindern jahrzehntelang war. Was man 2010 noch mit den Besonderheiten der katholischen Kirche erklärte, hat sich nun auf Kinderheime und andere Institute ausgeweitet. In Behindertenheimen, in Kinderspitälern – überall werden Zustände publik, die heute als gewalttätig und unmenschlich gelten.

Das fordert Psychologen, Historiker und Juristen heraus: Inwiefern kann man heute als Verbrechen behandeln, was vor 40 Jahren jedem egal war? Soll man nur Fakten aufarbeiten oder auch nachträglich strafen? Wie kann man Berichte von Opfern auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen, ohne ihnen jene Empathie und jenes Verständnis zu verwehren, die ihnen schon so lange verwehrt blieben? Es ist gut, wenn, wie derzeit, eine breite Öffentlichkeit über solche Fragen diskutiert.

Allerdings müssten sich alle Beteiligten auch ihrer Verantwortung bewusst sein. Und genau hier setzt die FPÖ noch mehr aus, als man es bei anderen Themen ohnehin von ihr gewohnt ist. Vor allem in Wien werden Missbrauchsvorwürfe auf billigste Weise instrumentalisiert.

Beispiele? FP-Klubchef Johann Gudenus unterstellt Barbara Helige, die die Wilhelminenberg-Kommission leitet, „Verbindungen in die Pädophilen-Szene“. Ein ORF-Mitarbeiter wird zum „Peiniger und Sadisten“. Eine Gudenus-Aussendung trägt gar den Titel „Gutmenschin Ute Bock misshandelte Zöglinge“.

Noch gehen solche miesen Unterstellungen in der Breite der Berichte eher unter. Längerfristig jedoch können sie eine Debatte über Schuld und Aufarbeitung zerstören, die wahres Potenzial gehabt hätte.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wien

Kafkaeskes in der Krabbelstube: wie die Gemeinde Wien das Materialgeld ihrer Kindergärten zentralisiert

Aus dem FALTER 47/2011

Bericht: Joseph Gepp

Blumen, Krepppapier, Bilderbücher, zählt Raphaela Keller vom Verband der Kindergartenpädagoginnen auf. Geschirrspülmittel, Taschentücher, Dekoreisig für den Advent und ein neuer Klobesen.

Für derlei Anschaffungen stand bisher in städtischen Kindergärten das sogenannte Materialgeld zur Verfügung – 184 Euro pro Monat und 25-köpfiger Kindergruppe. Es scheint nicht viel, aber es handelt sich eben um eine Art Haushaltsgeld für kleine Besorgungen des Alltags.

Nun orten Oppositionspolitiker wie die Stadträtin Isabella Leeb von der ÖVP „absurde Sparmaßnahmen auf Kosten der Kleinsten“. Wiens Kindergärtnerinnen sind laut Raphaela Keller „erbost“. Denn bis auf einen Restbetrag von monatlich 35 Euro wird die Gemeinde das Geld künftig nicht mehr auszahlen.

Stattdessen soll die Materialbeschaffung zentral erledigt werden. Das sei „unflexibel, autoritär und bürokratisch“, kritisiert Keller – und mit ihr Kindergärtnerinnen, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. Diese regt auch auf, dass die Gemeinde gleichzeitig mit der Zentralisierung auch sämtliche Materialgeldrücklagen von Kindergartenkonten eingezogen hat. Zwar erhält nun jede Gruppe zum Trost 120 Euro für Weihnachtsausgaben – dennoch „fällt das Nikolosackerl heuer dürftig aus“, wie eine Kindergärtnerin sagt.

Warum macht das Rathaus das? Insider munkeln schon von kurzfristigen magistratsamtlichen Liquiditätsproblemen – immerhin lagern auf allen Kindergartenkonten zusammen rund drei Millionen Euro.

Unsinn, entgegnet die Sprecherin von SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch. Auch wenn die Maßnahme zwar „schlecht kommuniziert“ worden sei, erspare man sich durch Mengenrabatte bei zentralem Einkauf je zehntausende Euro im Jahr. Spielzeug etwa könne „schon allein aus Sicherheitsgründen“ heutzutage nicht jeder Kindergarten autonom kaufen, meint die Sprecherin.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Das Rote Wien, Soziales

Kriege ich den Augustin auf Adventmärkten, Herr Keskin?

Aus dem FALTER 47/2011

Telefonkolumne

Ein „Missverständnis“ nennt Akan Keskin, Chef der Wiener Marktfahrer und Organisator großer städtischer Christkindlmärkte, das angebliche Platzverbot für Verkäufer der Obdachlosenzeitung Augustin. Der Falter fragte nach.

Herr Keskin, dürfen Augustin-Verkäufer jetzt auf Christkindlmärkten ihre Zeitung verkaufen oder nicht?

Auf den Märkten, die wir veranstalten, dürfen sie es. Der Verkauf des Augustin war niemals verboten und wird es auch jetzt nicht sein.

Es handelt sich also um ein Missverständnis. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe einer Dame vom Augustin angeboten, sie solle eine karitative Hütte buchen, die wir zur Verfügung stellen. Dort wäre es nicht so kalt und man könnte auch andere Produkte verkaufen. Andere karitative Organisationen wie die Kinderkrebshilfe und das Rote Kreuz machen das auch.

Und wo war das Problem?

Es gibt laut Marktordnung einen Bescheid, wonach wir keine Fremdwerbung machen dürfen. Das habe ich der Dame ebenfalls gesagt. Ich habe geglaubt, das gilt auch für den Augustin. Das war ein Missverständnis von mir. Sie hat es interpretiert, als gäbe es ein Augustin-Verbot am Christkindlmarkt.

Warum gibt es eine Ausnahme für den Augustin?

Das Marktamt sagt es. Der Augustin ist nicht wie ein kommerzieller Unternehmer zu betrachten, also wie unsere anderen Werbe- und Kooperationspartner.

Wer dürfte ein solches Augustin-Verbot überhaupt verhängen?

Zuständig ist die Magistratsabteilung 59 (das Marktamt, Anm.).

Welche Christkindlmärkte organisieren Sie als Chef der Marktfahrer in Wien?

Ich mache den Rathausplatz, die Fußgängerzonen in Favoriten und Meidling und den Platz an der Mariahilfer Straße vor der Kirche.

Und für die anderen Adventmärkte in Wien können Sie nicht sprechen?

Nein, das kann ich nicht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Das Rote Wien, Soziales, Stadtleben

Akademie der Wissenschaften: totales Sparen an der Forschung

Aus dem FALTER 47/2011

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Foto: Heribert Corn

Mit „dramatischen Auswirkungen“ rechnet Bedanna Bapuly, wenn tatsächlich realisiert wird, was das Wissenschaftsministerium und die Akademie der Wissenschaften bis 2014 planen: den Abbau eines Drittels der Planstellen der Institution. „Die Langfristigkeit für Grundlagenforschung kann nur eine außeruniversitäre Einrichtung wie wir garantieren“, ergänzt Kollege Hans Peter Hye.

Machen gegen den radikalen Sparkurs in ihrer Wissenschaftsinstitution mobil: Betriebsräte Hans Peter Hye und Bedanne Bapuly auf der Dachterrasse der altehrwürdigen Akademie der Wissenschaften

Hye und Bapuly sind Betriebsräte an der Akademie. Die radikalen Sparmaßnahmen, die die Bundesregierung außeruniversitären Institutionen auferlegt, trifft ihren Arbeitsplatz besonders hart. Mit einer Petition soll nun dagegen mobil gemacht werden, dass 300 von 900 fixen Planstellen abgebaut werden, durch Kündigung und Personaltransfer zu Universitäten.

Von der Notwendigkeit eines „Sozialplans“ spricht Bapuly. Hye sagt, dass selbst langjährige Anstellungen zur Disposition stünden. „Das ist eine Katastrophe für den Wissenschaftsstandort Österreich.“

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitswelten

„Wir waren junge Dinger“

Aus dem FALTER 46/2011

Was geschah vor 35 Jahren am Wilhelminenberg? Zwei mutmaßliche Täterinnen erzählen

Bericht: Joseph Gepp
Foto: Heribert Corn

Ein einziges Mal, erzählt Inge Krasonek*, habe sie etwas getan, das sie nicht tun hätte sollen. Das war bereits Jahre nach ihrer Zeit als Betreuerin am Wilhelminenberg, in einem anderen Heim, beim Erdäpfelschneiden mit einem Zögling in der Küche. Das Mädchen ließ ein scharfes Messer fallen, „einen halben Zentimeter neben meinem Zechen“, sagt Krasonek. „Vor Schreck hab ich sie weggestoßen, dann haben wir uns ganz geschockt angeschaut.“

Inge Krasonek und ihre Kollegin Elfriede Walmayr*, heute beide knapp 60, waren jahrzehntelang für die Stadt Wien als diplomierte Sozialpädagoginnen tätig. Nun werden ihnen Taten von fast unvorstellbarer Grausamkeit vorgeworfen.

Sie sollen vor 35 Jahren begangen worden sein, im Kinderheim am Wilheminenberg. „Wir waren junge Dinger“, sagt Walmayr. Mit 19 Jahren, im September 1972, versetzte sie das städtische Jugendamt MA 11 auf den Wilhelminenberg. 1975 folgte Kollegin Krasonek. Beide blieben bis 1977, als das unzeitgemäße Kinderheim geschlossen wurde.

Mit schlimmen Vorwürfen traten Mitte Oktober die beiden ehemaligen Heimkinder Eva L. und Julia K. im ORF und Kurier an die Öffentlichkeit. Sie beschrieben ein System organisierter Grausamkeit am Wilhelminenberg, das weit über die berüchtigten Methoden der „schwarzen Pädagogik“ hinausging – also über jene „gsunde Watschn“, die in den 70er-Jahren als legitimes Erziehungsmittel galt.

Schreckliche Dinge sollen im Schloss Wilheminenberg geschehen sein (Foto: Heribert Corn)

Laut L. und K. waren Massenvergewaltigungen und Zwangsprostitution alltäglich. Sie sprachen von Demütigungen, exzessiven Schlägen, Messerstichen. Einmal wöchentlich seien Rettungswagen vorgefahren, um misshandelte Kinder ins Spital zu bringen, manche von ihnen könnten sogar gestorben sein.

All dies erfolgte „jedenfalls mit Wissen und Billigung“ von Inge Krasonek, Elfriede Walmayr und einer Handvoll weiterer Erzieherinnen, heißt es in einer Klagsdrohung, die dem Falter vorliegt. Während Walmayr fremde Männer in die Schlafsäle ihrer Schützlinge gelassen haben soll, habe Krasonek darüber hinaus auch „Mädchen gezwungen, bei ihr im Bett zu schlafen, und diese vergewaltigt“.

„Wir wehren uns gegen diese Vorwürfe“, sagt Walmayr. „In über 40 Berufsjahren haben wir solche Verbrechen weder begangen noch gebilligt.“

Diese Geschichte zeigt die Sichtweise zweier mutmaßlicher Täterinnen. Ihre Namen sind dem Falter bekannt, doch wurde ihnen Anonymität zugesagt, um sie vor Anfeindungen zu schützen. Krasonek und Walmayr sehen sich als Opfer einer medialen Hysterisierung, die ständig schaurige Enthüllungen einer genauen Prüfung von Fakten vorzieht.

Durchaus hätten die beiden Gewalt am Wilheminenberg mitbekommen, erzählen sie. Aber sie habe in einem Rahmen stattgefunden, der damals – wenn auch schwer vorstellbar – als normal galt. „Vor allem bei älteren Erzieherinnen ist die Hand oft locker gesessen“, sagt Walmayr.

Die jungen Kolleginnen hätten wenig sagen können, wenn wieder einmal ein Zögling mit blauen Flecken auftauchte. „Dazu war das autoritäre Denken der Alten zu stark verankert. Erst ab Mitte der 70er sind Leute nachgerückt, die solche Methoden nicht mehr angewandt haben.“ Die Vorwürfe, die L. und K. gegen sie erheben, seien „aus der Luft gegriffen“ und würden sie „absolut fassungslos“ machen, sagt Inge Krasonek.

In der Öffentlichkeit lösten sie eine Lawine aus. 772 weitere Opfer haben sich seitdem bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring gemeldet, um von Gewalt in Kinderheimen zu berichten. Bis zu den ORF-Abendnachrichten präsentieren Medien dies als Beweis dafür, dass die Schilderungen von L. und K. wahr sind.

Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden ersten Opfern und den 772 weiteren: Kein einziges bestätige bislang Missbräuche in der Organisiertheit und Systematik, wie sie L. und K. beschreiben, sagt Erika Bettstein, Sprecherin des Weißen Ring. Von Massenvergewaltigungen und Zwangsprostitution berichten auch keine weiteren Zeugen wie Sanitäter und Ärzte.

In der Berichterstattung verschwimmt die Grenze zwischen seinerzeit weithin akzeptierten harten Methoden und Schwerverbrechen, die auch schon damals als solche gegolten hätten. Opferanwälte und Psychologen warnen, dass alle Opfer unglaubwürdig wirken könnten, wenn Berichte über Missbrauch zu Skandalen aufgebauscht oder gar politisch instrumentalisiert würden.

Nun soll eine Kommission der Juristin Barbara Helige herausfinden, was am Wilhelminenberg wirklich geschah. Berichte von Krasonek und Walmayr werden für sie von großer Wichtigkeit sein.

Der Falter trifft die Erzieherinnen in einem Innenstadtcafé. Je länger sie reden, desto mehr tritt der Heimalltag vor vier Jahrzehnten zutage. Wenn sie selbst unschuldig sind – könnten ihnen Gewalttaten anderer entgangen sein? „Massenvergewaltigungen müsste man doch hören“, antwortet Krasonek. „Außerdem gab es ja die Direktorin, die auf allem die Hand hatte.“

In Krasoneks und Walmayrs Schilderungen erscheint der Wilhelminenberg und dessen Chefin Hildegard Müller als altbacken, bieder und verstaubt. Manchmal lachen sie sogar über die kleinen Absurditäten des einstigen Alltags; schließlich begegnen sich hier auch zwei Arbeitskolleginnen nach langer Zeit wieder. Der schrullige Magazineur im Kleiderdepot zum Beispiel. Und, immer wieder, Direktorin Müller, die „wie der Zerberus alles bewachte“.

Müller sei „altmodisch, autoritär und tiernarrisch“ gewesen, sagt Walmayr. Pudel Murlimuck war immer dabei. An junge Erzieherinnen appellierte die längst verstorbene Frau Direktor, „Zucht und Ordnung“ zu wahren und „sich mit den Mädchen nicht zu fraternisieren“. Dass ab den 70ern eine Reformgruppe am Wilheminenberg antiautoritäre Erziehung praktizierte, sah Müller skeptisch. „Sie fürchtete schlechten Einfluss“, sagt Walmayr. Glaubt man L. und K., sollen auch Erzieher der Reformgruppe vergewaltigt haben.

„Der Wilhelminenberg war schon ein Kindergefängnis“, sagt Walmayr. Mit einem großen Schlüsselbund sei man durch lange Gänge gelaufen. Die Heimuniform für Kinder war „fürchterlich altmodisch, pure 50er“. Insgesamt war es ein Erziehungssystem mit kaum Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse. Jeden Morgen etwa, erzählt Krasonek, gab es für kleine Kinder den Klogang. „Dann sind wir alle runter zu den Toiletten und jeder bekam zwei Stück Klopapier. Ob er überhaupt musste, spielte keine Rolle. Das war einfach der vorgesehene Zeitpunkt dafür.“

Und Gewalt? Hin und wieder bemerkten die Erzieherinnen „ordentliche blaue Flecken“. Meist stammten sie von Wochenenden, die die Mädchen zuhause bei ihren Problemfamilien verbrachten. Manchmal waren sie aber auch „heim- und nicht hausgemacht“, sagt Krasonek. „Wir wussten schon, dass manche von den Alten mitunter zuschlugen.“

Systematischere Gewalt jedoch will Krasonek und Walmayr nicht untergekommen sein, ebenso wenig wie schlimme Demütigungen. Von sechs Erzieherinnen, die inklusive ihnen selbst in der Klagsschrift vorkommen, habe es lediglich eine einzige gegeben, „bei der die Hand wohl locker saß“, sagt Walmayr. Es ist die berüchtigte „Schwester Linda“, die in Berichten als die große Sadistin vorkommt.

Wie also kommt es zu den Vorwürfen, wenn diese nicht stimmen? Psychologen erklären sie mit kindlichen Traumaerlebnissen, die später auf andere Personen übertragen werden. „In diesem Sinn kann man sie gar nicht als erlogen bezeichnen“, sagt eine Psychologin, die in der erhitzten Stimmung ungenannt bleiben möchte. Auch Krasonek und Walmayr vermuten, dass L. und K. möglicherweise die Gewalt der eigenen Familie auf Erzieher im Heim projizieren.

Der Sozialpädagoge Hans Feigelfeld erklärt das Phänomen anhand eines nachvollziehbaren Beispiels: „Stellen Sie sich vor, Sie sehen immer wieder ein Foto von sich selbst, wie sie als Kind Fußball spielen. Irgendwann wissen Sie nicht mehr, ob Sie sich tatsächlich an das Kicken erinnern und nur das Foto zu oft gesehen haben.“ Auch Feigelfeld arbeitete in den 70ern am Wilhelminenberg, als Leiter der Reformgruppe, von der auch Krasonek und Walmayr erzählen. Auch er glaubt nicht, dass diese Verbrechen möglich waren.

Eva L. und Julia K. selbst erlebten Krasonek und Walmayr als „liebe Mädchen“. Krasonek hat sogar Fotos von einer der beiden dabei, sie habe sie damals von ihr geschenkt bekommen.

Es sind alte Polaroids, die ein Mädchen mit langen, dunklen Haaren zeigen. Auf einem macht sie einen Pflug beim Schulskikurs, auf einem zweiten sitzt sie vor dem Stockbett in ihrem Schlafsaal und zupft an einer Gitarre. „Wenn ich sie vergewaltigt hätte“, sagt Krasonek, „hätte Sie mir dann wirklich Fotos von sich geschenkt?“

*Namen von der Redaktion geändert

2 Kommentare

Eingeordnet unter Das Rote Wien, Medien, Wien