Zwischen Staat und Privat: 6000 Wohnungen mit Rathauskrediten

Aus dem FALTER 35/2011

Joseph Gepp
Foto von Heribert Corn

Sechzig Millionen Euro weniger für den Wohnbau, eine Kürzung von zehn Prozent – im Herbst 2010 schienen die Aussichten für Wohnungssuchende in Wien trist. Ausgerechnet in einer Zeit von Bevölkerungswachstum und rasant steigender Immobilienpreise am Privatmarkt musste das Rathaus bei der Wohnbauförderung sparen: Statt der üblichen rund 6000 Wohnungen könnten 2011 nur etwa 4500 errichtet werden, hieß es.

Ludwig (Foto: Corn)

Im folgenden März präsentierte SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig eine eilig zusammengezimmerte Aktion, um die Lage zu entschärfen: die „Wohnbauinitiative“. Zu günstigen Konditionen, wie sie nur das Rathaus als Top-Schuldner bekommt, nahm es eine halbe Milliarde Euro an Krediten auf. Wirtschaftskrisenbedingt war das Zinsniveau gerade äußerst niedrig. Das Geld wird nun – ebenfalls günstig – an Baukonsortien weiterverliehen. Diese verpflichten sich dafür zum Bau von Wohnungen, deren Mieten kaum höher als im geförderten Wohnbau sind.

6250 Wohnungen werden solcherart ab 2012 entstehen, verkündete Ludwig vergangenen Mittwoch. Die Zahl liegt etwas unter den 7500 Wohnungen, die man sich zu finanzieren vorgenommen hat. Sie entstehen vor allem am ehemaligen Südbahnhofgelände und am Flugfeld Aspern.

Kritiker befürchten, dass die Qualität der Wohnbauinitiative nicht jener entspreche, die der – streng reglementierte – geförderte Wohnbau in Wien aufweist. Ludwig besänftigte sie, indem er einen Fachbeirat einberief, in dem bekannte Experten die Projekte bewerten.

Den Stadtrat freut nun das „ausgezeichnete“ Ergebnis seiner Aktion. Allerdings: Sie wird wohl einmalig bleiben. Denn realisieren ließ sich die Wohnbauinitiative vor allem wegen der historisch niedrigen Zinsen. Steigen sie, erhöhen sich auch die Kosten für Kredite. Dann muss man wieder mit der klassischen Form städtischer Wohnraumfinanzierung auskommen: dem im Budget beschlossenen geförderten Wohnbau.

SPÖ-Stadtrat Michael Ludwig gleicht Budgetkürzung mit Krediten
aus

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Eingeordnet unter Das Rote Wien, Soziales, Stadtplanung

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