Herr Walter, wie kommen Stechäpfel in kommunale Beete?

Aus dem FALTER 32/11

Telefonkolumne

ÖVP-Gemeinderat Norbert Walter schlägt Alarm: Auf einem Grünstreifen vor dem Westbahnhof entdeckte der Politiker den Gemeinen Stechapfel, eine hochgiftige und halluzinogen wirkende Pflanze. Damit hat Wien nach der Hanfplantage auf der Ringstraße bereits die zweite botanische Affäre in kurzer Zeit.

Herr Walter, wie kommen Stechäpfel in kommunale Blumenbeete?

Der ständige Wechsel von warm zu kalt und trocken zu nass stellt natürlich ideale Wachstumsbedingungen für Unkräuter dar. Ich gehe davon aus, dass der Samen mit Blumenerde eingeschleppt wurde oder mit dem Wind von irgendwoher geflogen kam und nicht bewusst angepflanzt wurde.

Passiert das öfter?

Es gibt etwa auch den Eisenhut, der noch giftiger als der Gemeine Stechapfel ist. Diese Pflanze wächst am Stadtrand oder in Niederösterreich.

Wie haben Sie den Stechapfel überhaupt erkannt?

Ich stand auf der Mariahilfer Straße und habe eine Zigarette geraucht, da habe ich ihn gesehen. Der Gemeine Stechapfel ist eigentlich nicht schwer zu erkennen: Die charakteristischen Früchte erinnern an Rosskastanien, sind auch fast so groß, und die Blüten sind trompetenartig, groß und weiß.

Und wie giftig ist er?

Gemeiner Stechapfel (Wikipedia)

Es kann einem durchaus übel davon werden bis hin zu Sehstörungen – vor allem für Kinder ist das problematisch, die greifen ja schnell einmal etwas an. Beim giftigeren Eisenhut bekommt man schon Vergiftungserscheinungen, wenn man ihn auch nur berührt. Aber den habe ich innerhalb des Gürtels noch nicht entdeckt.

Haben Sie den Stechapfel vorsorglich selbst abgeerntet – oder wird das vom Stadtgartenamt erledigt?

Das wird von der Stadt erledigt werden – und nachdem die Reaktion auf meine Entdeckung ziemlich groß war, wird das sehr schnell passieren. Solche gefährlichen Unkräuter sollten nicht in Reichweite von Kindern wachsen.

Gespräch: Joseph Gepp

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kurioses, Wien

Eine Antwort zu “Herr Walter, wie kommen Stechäpfel in kommunale Beete?

  1. also bitte

    Vor zwei Jahren gedieh in der Praterstraße herrlicher Papaver Somniferum – Schlafmohn. Ja, ja, DER Mohn, aus dem die (Opium)Träume sind !
    Stramonium Datura am Westbahnhof ist nichts Neues, Stechapfel fiel mir dort schon vor etlichen Jahren auf. Und zwar in der Mitte eines Rundbeetes, schwer vorstellbar, daß das Zufall war.
    Zum Glück kennt’s kaum jemand.
    Übrigens, die sehr weit verbreitete Dieffenbachia ist auch giftig, Ebenso wie viele andere Topf- und Gartenpflanzen.
    Vielleicht ist es besser, nicht zu viel Wind zu machen und Kindern generell mit liebevollem Nachdruck nahezulegen, nicht alles zu kosten bzw in den Mund zu nehmen. Nur ein Gedanke …

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