Ein Konzert erahnen, oder: wenn das Fußvolk zur Klassik findet

Aus dem FALTER 23/2011

Glosse

Wien, Wien, nur Du allein. Dein großes Herz gönnt nicht nur dem ehrwürdigen Hofrat den erhebenden Genuss klassischer Musik. Sondern auch dem Fußvolk von der Straße, auf dass sein Geist solcherart zu Höherem geformt werde. Deshalb veranstaltest Du, o Wien, jährlich das Sommernachtskonzert hinter dem Schloss Schönbrunn. Dort sollen Hofrat und Fußvolk eins werden in Musik. Der eine vor der Bühne in Sitzreihen, das andere dahinter auf der Wiese des Gloriettehügels.

100.000 folgten also Deinem Ruf, erklommen den Hügel – und lasen: „Die Wiese wird nicht beschallt“. Zwei Stunden lang ließ nur dezentes Hofratsklatschen das Konzert erahnen. Ansonsten: Wind, Stille, unzufriedenes Murren. Ein paar Boxen, o Wien – mehr hätte das genügsame Fußvolk nicht gebraucht.

Joseph Gepp

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Eingeordnet unter Kurioses, Stadtleben, Wien

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