Ein, zwei, viele Puertas del Sol? Die Mini-Revolution am Karlsplatz

Aus dem FALTER 22/2011

Joseph Gepp

Vergangenes Wochenende kam die Revolution auch nach Wien. Zeitgleich mit Aktivisten in vielen europäischen Städten planten Wiener im Internet eine Besetzung des Karlsplatzes. Sonntagabend standen dann tatsächlich ein Zelt und einige Tische im Resselpark. Einige Hundert Demonstranten rundherum taten es ihren Vorbildern in Madrid gleich und protestierten für mehr Demokratie, einen gebändigten Finanzmarkt und mehr Perspektiven für die Jugend.

Revolutionen beginnen klein: "Yes we camp“ im Resselpark am Karlsplatz

Tags darauf jedoch hatte sich Wiens Puerta del Sol auf gerade ein Dutzend Leute und fast ebenso viele Hunde reduziert. Die Revolution steckt noch in den Kinderschuhen. Interviews gewähre man nur unter der Voraussetzung, dass „kein Namen, kein Alter, kein Geschlecht, kein Kleidungsstück und kein Gesichtsausdruck“ genannt werden, sagt ein Mensch nahe des Zelts. Entscheidungen fallen – wie in Madrid – in Plena. Aufgabenbereiche werden zugeteilt. Oberstes Ziel ist die Solidarität mit der Plaza Catalunya in Barcelona, wo die Polizei hart gegen Demonstranten vorging.

„Yes we camp“ nennt sich die Protestbewegung, die bald auf alle Städte Europas übergreifen soll. In Wien hat man sich vorerst kein Ziel gesetzt, wie lange das kleine Zeltlager aufrechterhalten werden soll. Es bleibe, solange Bedarf an Debatten und Gesprächen bestehe, sagt ein weiterer Teilnehmer. Bis jetzt harren einige der Protestler 24 Stunden aus, später wolle man die Aktion auf „gelegentliche Zusammenkünfte“ reduzieren. Über Facebook und Flyer will Wiens Revolutionsdependance weitere Unterstützer anwerben.

Indes erreichen die Jugendproteste anderswo ungleich größere Ausmaße als in Wien. Zu Madrid, wo seit 15. Mai Tausende campieren, haben sich neben Barcelona auch andere spanische Städte und Lissabon gesellt. Daneben wurde der „spanische Frühling“ in Hamburg, Brüssel, Amsterdam, London, Prag, Budapest, Rabat, Bogotá oder Buenos Aires mit Kundgebungen unterstützt.

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Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Soziales, Wien

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