Verschwörung auf der TU: eine Konferenz mit kruden Thesen

Joseph Gepp

Aufregung in informierten Kreisen verursachte vergangene Woche die SciCom 2010, eine Tagung zu Wissenschaft in den Medien. Sie wurde von der Kommunikationsagentur Science4public auf der TU organisiert. Ministerin Beatrix Karl eröffnete. Auf der Rednerliste standen renommierte Wissenschaftler und Journalisten – und zwei bekannte Verschwörungstheoretikerinnen: Christl Meyer, radikale Aids-Leugnerin, und Jane Bürgermeister, die im Internet von einem angeblichen Massenmord durch Pharmakonzerne und „Rockefellers und Rothschilds“ spricht.

Nach kritischen Web-Postings wurde zumindest Meyer wieder ausgeladen. Die habe man gar nicht gebeten zu kommen, sagt Science4public-Chefin Susanne Schwinghammer, stattdessen lud sie sich im Vorfeld der Konferenz selbst ein. Anders bei Bürgermeister: Deren Teilnahme sei gerechtfertigt, sie zeige „im geschützten Rahmen eines kritischen Fachpublikums, wie Blogs und Internet benützt werden, um Panik und Unwissenheit zu verbreiten“, so Schwinghammer über ihre Tagung, die „definitiv keine Plattform für extremistische Ansichten ist“. Und somit auch Bürgermeisters Haltung nicht legitimiere.

So saß sie neben Vertretern von profil, Ö1, FAZ, Kleiner Zeitung und Presse – und das Gespräch nahm seinen Lauf: Unterstützt von „schmutzigen Tricks der Mainstreammedien“, so Bürgermeister, würden Pharmakonzerne „absichtlich eine Pandemie auszulösen versuchen“. Als der Moderator den Fortgang solcher Ausführungen unterbinden wollte, wurde er seinerseits von einer Dame aus dem Publikum brüsk zurechtgewiesen. „Ausreden lassen!“, man lasse sich doch nicht „mundtot machen“. Also sprach Bürgermeister weiter.

Die wütende Zuhörerin, die dies artikuliert hatte und später unter Unmutsbezeugungen Flugzettel verteilte, war Christl Meyer, die ausgeladene Aids-Leugnerin. Gemeinsam mit Jane Bürgermeister war es ihr gelungen, der Veranstaltung einen bizarren Anstrich zu geben.

Erschienen im Falter 46/2010

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Eingeordnet unter Kurioses, Medien

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