Monatsarchiv: Juli 2010

STADTRAND – Die allerbeste Wiese im Prater bleibt geheim

Irgendwo in den grünen Praterweiten hinter dem Stadion liegt die ultimative Wiese. Machen Sie sich, liebe Leser, nur keine Hoffnungen, sie jemals zu finden. Wir werden es Ihnen nicht verraten. Sie können im Stadtplan nachschauen, aber dort, wo diese Wiese ist, tragen die Praterwiesen keine Namen mehr. Sie können Google Earth bemühen, aber vor lauter Wald werden Sie dort die Wiesen nicht sehen. Nur so viel: Die ultimative Wiese ist schlicht perfekt. Sie ist völlig unentdeckt und menschenleer. Hohes Gras wogt auf ihr; man kann diese Wiese nämlich nicht mähen, weil keine Straße zu ihr führt. Nur Trampelpfade weisen den Weg zur ultimativen Wiese. An ihrem Rand stehen Bäume, deren alte Kronen Schatten werfen. Und liegt man in ebendiesen, sieht man nur das Gras und einen Saum der Kronen. Sonst nichts. Aber jetzt genug. Sonst verplappern wir uns noch. Nehmen Sie doch Ihr Fahrrad, suchen Sie doch selbst! Und wenn Sie dann ermüdet und erfolglos heimkehren, trösten Sie sich: Die ultimative Wiese existiert irgendwo. Sie haben sie nur nicht gefunden.

Erschienen im Falter 30/2010

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Eingeordnet unter Prater, Stadtleben, Stadtrand

Der Wahlkampf grünt: In 23 Bezirken werden 23 Projekte vorgestellt

Joseph Gepp

Im Wahlkampf bleiben Parteien gern im Gespräch, wozu sich naturgemäß vor allem Projekte eignen, die mittels mehrerer Aspekte über mehrere Wochen laufen. So präsentierten die Wiener Grünen um Planungssprecherin Sabine Gretner vergangene Woche „23 Zukunftsideen“ – je eine pro Bezirk. Überraschenderweise wurden sie nicht alle gleichzeitig, sondern einzeln und nacheinander der Öffentlichkeit vorgestellt.

Für Liesing, Simmering und Mariahilf gibt es seit Mittwoch Ideen: In Liesing wollen die Grünen Solarreflektoren auf den Flachdächern der vielen großen Industriehallen installieren. Im dichtverbauten Sechsten, der gleichermaßen grünes Hoffnungsgebiet ist wie Austragungsort parteiinterner Konflikte, soll ein großes Garagendach begrünt und in einen Park verwandelt werden. Und aus Simmering soll eine Schnellstraßenbahn nach Schwechat führen – ein altes grünes Pendlerkonzept, wie es etwa seit langem auch für die Floridsdorfer Brünner Straße gefordert wird.

Parteichefin Vassilakou verwies bei der Präsentation der Projekte auf vergangene grüne Ideen, etwa die Citybikes oder die autofreie Siedlung in Floridsdorf. Unabhängig vom Wahlausgang wolle sie für die Umsetzung der Projekte kämpfen.

Erschienen im Falter 28/2010

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Eingeordnet unter Das Rote Wien, Stadtplanung

STADTRAND – Nordic Walking, Sound of Prater-Hauptallee

Wir dachten immer, manche Sportarten und Freizeitbeschäftigungen erklären sich eigentlich von selbst. Zum Beispiel wozu beim Nordic Walking die Stöcke dienen. Damit man nämlich neben den Beinen auch den Oberkörper bewegt, ist doch klar, waren wir uns immer sicher, bis wir am ersten sonnigen Sonntag die Prater-Hauptallee betraten. Dort vernahmen wir sogleich die klappernden Schleifgeräusche zehntausender gequälter Nordic-Walking-Stöcke, die hängende Sportlerarme zwecklos hinter sich herzogen. Nichts ist selbstverständlich, mussten wir in diesem Moment erkennen. Denn der durchschnittliche Wiener jenseits der 60 verwendet den Nordic-Walking-Stock nicht etwa, um den Oberkörper zu bewegen. Sondern aus Gott weiß welchen Gründen. Vielleicht denkt er gar nicht weiter darüber nach. Vielleicht reizt ihn das Versprechen von Aktivität und Vitalität. Denn streng genommen brauchte er ja auch kein 150-Euro-Schwitzsaug-Windstopp-Ultramarathon-Leiberl, um seine Stöcke unbeschadet den halben Kilometer ins Schweizerhaus zu schleifen.

Erschienen im Falter 27/2010

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Eingeordnet unter Prater, Stadtleben, Stadtrand

Aus für ÖVP-Parteihotel: Anrainer in Meidling votierten dagegen

Nach der Wienwahl blühe eine „Marillenkoalition“, hatten Kritiker schon gehöhnt. Mit Unterstützung der regierenden SPÖ wollten die kleinen Stadtschwarzen ihr Parteiseminarhotel auf der Meidlinger Marillenalm ausbauen – mitten im Parkschutzgebiet. Das versetzte Bürger, FPÖ und Grüne in Rage. Die Vorwürfe reichten von Gefälligkeitswidmung über Grundstücksspekulation bis zu politischem Kuhhandel.

Öffentlicher Druck bewirkte eine Anrainerbefragung, die vergangene Woche erwartungsgemäß eine große Mehrheit von 87,4 Prozent gegen den Bau brachte. Obwohl nicht rechtlich bindend, will ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter nun vom Projekt
zurücktreten. Danach soll in Grünland rückgewidmet werden.

Erschienen im Falter 26/2010

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Eingeordnet unter Bürgerbeteiligung, Das Rote Wien