Monatsarchiv: Juni 2010

Wie heißt ein Smoothie, der aus Gemüse besteht? Natürlich Suppe!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Gemüsesuppe

Es gibt Dinge, die die Lebensmittelindustrie nie schaffen wird. Zum Beispiel, dass Cappy ansatzweise wie frischgepresster Fruchtsaft schmeckt. Oder dass der Genuss von Packerlsuppe irgendwie jenem von selbstzubereiteter nahekommt.

Im zweiten Fall bringt die Gemüsegenossenschaft LGV nun einen Mittelweg auf den Markt. Die fertige Gemüsesuppe im Glas ist zwar für die Großfamilie nicht gerade praktisch, weil einige Viertelitergläser schwer in der Einkaufstasche wiegen, sich nach dem Verzehr kaum im Altglasbehälter verstauen lassen und zudem ziemlich schnell hinuntergetrunken sind. Dafür allerdings schlagen die LGV-Suppen im Geschmack sogar manch selbstbereitetes Gebräu – von jedweder Packerlsuppe ganz zu schweigen.

Angeboten werden drei Sorten: Paradeiser, Gurke und spanisches Gazpacho. Alle sind zum kalten Verzehr vorgesehen, laut LGV „als schnelle, bekömmliche Zwischenmahlzeit für gesundheitsbewusste und berufstätige Konsumenten“. Die Konsistenz ist schön breiig, sodass die Kaltsuppen – bis auf die jeweils sehr gelungene Kräuter- und Gewürzmischung – tatsächlich nach jenem Gemüse schmecken, das sie auch beinhalten. Im Falter-Test lagen Paradeiser und Gazpacho ex aequo an der Genussspitze; Gurke erinnerte mit etwas zu viel Kräutern ein wenig an Salatdressing.

Fazit: Das Glas als Verpackung ist umständlich, und mit € 2,49 ist der Spaß auch nicht gerade billig. Dafür schmeckt das, was drinnen ist, wirklich sehr gut. Unser Prädikat: empfehlenswert. JG

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STADTRAND – Der Trojanische Vogel: Lang lebe Taubistan!

Ja, uns ist vollkommen bewusst, dass sie eine Landplage sind, eine pestilenzialische Rotte, ein stinkender Haufen Luftratten. Aber als sie kürzlich am Dachgesims gegenüber unserem Fenster ihr kleines Taubistan konstituierten und von da an tagtäglich ein Stückchen fetter und vielköpfiger wurden, waren wir doch erfreut. Denn sie kündeten vom Frühlingserwachen, von urbaner Fauna, flatterndem Leben. Allein der Hausbesitzer schien diese Botschaft nicht zu verstehen: Tags darauf stand plötzlich ein Plastikrabe mitten im verwaisten Taubistan. Regungslos, stoisch, mutterseelenallein – für ungefähr 48 Stunden. Danach hatte das Volk Taubistans die Harmlosigkeit ihres Trojanischen Vogels erkannt. Also schmückt der gefallene Rabe nun als eine Art Siegesstatue ihr Dorf. Er dient als Einstiegsluke ins Dachgeschoss, wird provokant umflattert und fallweise sogar zu begatten versucht, was jeweils oft auf grotesk schnelle Weise scheitert. Oft wackelt er dann bedenklich und es scheint, als würde er gleich abbrechen und auf die Straße stürzen. Lang lebe Taubistan!

Erschienen im Falter 14/2010

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