Monatsarchiv: Mai 2010

Die Ballverliebten

Die WM naht, und damit regiert der Fußball die Welt. Aber wer erringt während dieser Wochen eigentlich die Deutungshoheit? Fünf vorherrschende Fantypen, die garantiert DJ DSLs Kalender ausfüllen werden

Klassifizierung: Joseph Gepp, Christoph Heshmatpour, Daniel Nutz

Der Linksintellektuelle
Jaja, im Fußball steckt ganz viel Gesellschaft. Aber irgendwann symbolisierte die mittelosteuropäische Ballkultur nur noch ethnonationalistische Fragmentiertheit und der Gegensatz von FC Barcelona und Real Madrid nur noch das Grundproblem Spaniens. Dann bleibt vom Ballspielen selbst nichts mehr und dann sind wir bei ihm: dem linksintellektuellen Fußballfan. Die Hornbrille vom Opa, die Locke von Dirk von Lowtzow, die ärmelgestreifte Sportjacke aus dem H&M-Retro-Regal und neuerdings sogar manchmal ein modisches Oberlippenbärtchen im Stil eines k.u.k. Ulanen, interessiert diesen Fantyp vor allem der politische Hintergrund des Sports und seine Symbolik.
Die Berliner 11Freunde oder den Wiener Ballesterer liest er gern, und auch mit einem Falter in der Hand soll er schon erwischt worden sein. Die Ablehnung der Kommerzialisierung im Sport ist für den linksintellektuellen Fußballfan Lebensthema, was ihn jedoch in keiner Weise hindert, an jedem noch so großen Ereignis teilzuhaben – sei es auch mit einer zur Schau gestellten Zurückhaltung, die seinen Geistesadel von der ahnungslosen Masse abheben soll. Als er noch pubertär war, traf er sich gern mit den anderen FC-Swansea-Fans im Chelsea. Dort wurde nach dem Match nächtelang und rotweinselig über die Zukunft des Ballsports debattiert, woran der Linksintellektuelle bis heute wehmütig und altklug-weise zurückdenkt. Schließlich kickte schon der Papi in den 70ern beim FC Raika Oberwart und hat ihm das alte gelbe Familiendress vererbt.
Deshalb atmet er bei jedem Anstoß jahrzehntealte pannonische Fußballtradition. Und wenn ihn die Durchsicht seiner vergilbten schwarz-weißen Match-Fotos wieder einmal sentimental macht, dann erzählt er auch sehr gern davon. Also watch the stripes, wenn Sie nicht antike Fußballkultur in die Nase kriegen wollen!

Idol: George Best
Schaut im: Flex-Garten
Mag zur WM: England
Mag sonst: Wiener Sportclub, Roter Stern Belgrad
Penetranzfaktor: 7/10

Der parasoziale Interaktionist
Er wird von seiner provinziellen Herkunft zerfressen. Dieser junge Herr ist im „österreichischen Sibirien“ aufgewachsen, jenem weiten Brachland, das Wien von der tschechischen Grenze trennt. Dort verbrachte er eine triste Jugend, die er sich mit beinhartem Eskapismus vor dem Fernseher der Eltern erträglich gestaltete. Inspiriert durch Champions-League-Übertragungen, steigerte er sich mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten in eine wahnhafte Verehrung des FC Arsenal hinein.
Da er jedoch nicht in Nord-London wohnt – genau genommen war er weder jemals bei einem Arsenal-Spiel noch kennt er England abseits einer einwöchigen Hauptschul-Sprachreise nach Eastbourne –, hat er sich sein „Emirates Stadium“ in den Pubs der Wiener Innenstadt geschaffen. Dort rottet sich der parasoziale Interaktionist während der Arsenal-Spiele mit anderen Möchtegern-Exil-Londonern aus entlegenen Kärntner Tälern zusammen und verfolgt aufgeregt die Matches. Bei Auswechslungen applaudiert er, hat er viel getrunken, singt er sogar ein bisschen den Fernseher an.
Manchmal gehen im Derby die Nerven mit ihm durch, dann beschimpft er einen am Nebentisch sitzenden Tottenham-Fan, der eigentlich aus Gratkorn ist. Nach Niederlagen ist er wochenlang deprimiert, doch Gott sei Dank verliert sein Weltverein nur dreimal pro Jahr.
Bei der WM wird er mit „seinen“ Argentiniern bis zum Ende gehen. Und wenn das Team scheitern sollte, dann weiß er: „Der Rodriguez kann ned flanken.“ Zu jeder Übertragung bringt er außerdem ein Dress von Lionel Messi mit – und die spanischen Phrasen vom German-Wings-Wochenende in Barcelona. Dass er in Wirklichkeit aus Scheiblingkirchen ist, das muss ja niemand wissen. F

Idol: alle Dauerkartenbesitzer
Schaut im: Chelsea
Mag zur WM: Argentinien/Brasilien
Mag sonst: Barcelona, Arsenal
Penetranzfaktor: 9/10

Der eventgeile Mitläufer
Dieser Fantyp ist streng genommen kein Fantyp. Er hat kein Gesicht, keinen Namen, keine Eigenschaften. Und trotzdem stellt er zu WM-Zeiten sogar die Mehrheit der Fußballzuschauer, die Bier trinken, Fanzonen bevölkern und Kommentare ablassen. Denn der eventgeile Mitläufer hat ein Grundproblem: Eigentlich ist ihm Fußball schnurzegal, und damit lebt er meistens ganz gut. Nur wenn das Thema übermächtig und immer öfter Gesprächsgegenstand wird, beginnt den Mitläufer das Gefühl zu wurmen, dass er etwas versäumen könnte. Alle reden nur noch davon, Innenstädte vibrieren, Schanigärten quellen über – irgendetwas muss doch am Fußball dran sein.
Also verändert der Mitläufer kurzfristig sein Verhalten: Er markiert plötzlich den Experten (obwohl er noch nie volle 90 Minuten einem Match beigewohnt hat) und wird einer dieser Leute, die unüberhörbar „Foul!“ schreien, obwohl alles unstrittig in bester Ordnung ist. Oder er geht trotzig und dreist mit seinem Unwissen hausieren, lässt sich schamlos einfachste Regeln erklären, fragt frech nach dem Vornamen berühmtester Spieler, bekennt freimütig, dass ihn eh nur das Finale und allenfalls noch das Halbfinale interessiert.
Schließlich gibt es auch noch die ehrlichste Ausformung des eventgeilen Mitläufers: Dieser Typ hält die wahrhaft Interessierten hartnäckig vom Spielverlauf ab, indem er immerzu Bier holt oder während des Elfmeters aufs Klo muss. Oder ihm ist gerade so fad, weil momentan alle nur kommunikationsverweigernd auf den Bildschirm starren.
Unsere Empfehlung für den Umgang mit eventgeilen Mitläufern: Keine Sorgen, er ist nur ein harmloser Irrer. Aber wenn Sie sich tatsächlich für Fußball interessieren, halten Sie sich sicherheitshalber von ihm fern. F

Idol: David Beckham
Schaut im: innenstadtnahen Public Viewing
Mag zur WM: die jeweils präsenteste Mannschaft
Mag sonst: gar nichts
Penetranzfaktor: 6/10 (potenziert sich in der Masse)

Der deutsche Migrant
Sind sie alle Schläfer? Die fünfte Kolonne des Nordens? Irreparabel integrationsunwillig? Leider ja, wie die Deutschen – mittlerweile größte heimische Zuwanderergruppe – spätestens dann beweisen, wenn irgendwo WM oder EM stattfindet. Ansonsten tun sie ja sehr assimilationsaffin: Sonst sagt der Kellner, den Hartz IV aus Vorpommern nach Wien gescheucht hat, brav „Spritzer“ statt „Schorle“, und auch Numerus-Clausus-Fliehende trinken gemeinhin Ottakringer statt Beck’s. Doch kaum könnte Deutschland etwas gewinnen, legt sich im Wirtschaftsflüchtling ein Schalter um. In spontanen Workshops werden Gesichter schwarz-rot-gold bemalt, und es wird laut dem Hurra-Patriotismus gefrönt. Dann verfestigt sich die Migrantenschaft zum stählernen Kollektiv. Das Matcherlebnis als sozialer Klebstoff – ein Albtraum pseudonationaler Penetranz, dem man nur entrinnen kann, indem man deutsche Hot-Spots wie Hermanns Strandbar meidet und sich im 16. mit kroatischem Sliwowitz oder türkischem Raki niederknallt. Denn diese Nationen haben wegen Nichtteilnahme weniger zu feiern. F

Idol: Michael Ballack
Schaut in: Hermanns Strandbar
Mag zur WM: Deutschland
Mag sonst: Energie Cottbus
Penetranzfaktor: 14/10

Der allwissende Teamchef
Ihm brauchst du nichts erzählen. Weil er weiß alles. Sein Gehirn ist eine riesige Datenbank voller Fußballwissen. Dass das Turnier vor 56 Jahren in der Schweiz mit einem Schnitt von 5,348 Treffern pro Partie das torreichste war und die rote Karte 1970 eingeführt wurde, aber der Chilene Caszely erst 1974 die erste gezeigt bekam, weiß er im Schlaf. Freilich kennt er auch Nordkoreas zweiten WM-Tormann und macht sich über jene lustig, die komplizierte Spielernamen falsch aussprechen – ganz besonders, wenn es ORF-Kommentatoren sind. Ösi-Fernsehen schaut einer wie er sowieso nicht; er bevorzugt Sky, ESPN, notfalls ZDF. Über den gemeinen Fußballpöbel spottet er, vielleicht aus Rache, weil er ihn früher nie in die Schulmannschaft wählen wollte. Der allwissende Teamchef liest nur Insider-Fußballblogs oder schreibt sie selbst. Seine Lehre verbreitet er gern bei Public Viewings. Dann erklärt er, mit welchen Raffinessen seine Lieblingsmannschaft – immer Außenseiter – den Großen ein Bein stellen wird. Und eineinhalb Stunden später sagt er, warum doch alles anders kommen musste.

Idol: Martin Blumenau
Schaut im: Wuk
Mag zur WM: Elfenbeinküste
Mag sonst: sich selbst
Penetranzfaktor: 10/10

Erschienen im Falter 21/2010

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STADTRAND – Einmal Regen in Wien, zweimal am Heldenplatz

Es hat geregnet. Sie haben es wahrscheinlich mitbekommen. Es hat geregnet, tagelang, manchmal tröpfchenweise wie aus einem nassen fauligen Putzfetzen, dann stürmisch, sodass die Lerchenfelder Straße zum reißenden Flussbett wurde, wie uns ein Internet-Video eindrücklich zeigte. Es hat natürlich – unnötig zu sagen – auch am Heldenplatz geregnet. Dort traten wir letztens aus einem Torbogen ins Freie, grauer Himmel, es regnet. Und: Auf der Wiese läuft die Sprinkleranlage. Wir geben ja freimütig zu, dass wir von botanischen Zyklen keine Ahnung haben, stellen aber an dieser Stelle doch die Sinnfrage: War der Gärtner verliebt? Ließ er es am Tag seiner Pensionierung noch einmal richtig krachen? Wollte er trotzig der Welt und ihrer Unberechenbarkeit seinen immergleichen Pflichteifer entgegensetzen? Oder regelt gar ein halbjährlich einzuschaltender Computer die Anlage? Und in der Zwischenzeit fährt der Zuständige auf Urlaub, an die Adria etwa, wo es ebenfalls regnet. Dort steht er dann und denkt: „Na großartig, und in Wien scheint sicher die Sonne.“

Erschienen im Falter 21/2010

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Die Idee ist gut, aber ist die Mahü bereit?

Gespräch: Joseph Gepp

Kritik und gar Häme rief vergangene Woche ein Vorschlag von Neubaus grünem Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger hervor, wonach die stark frequentierte Mariahilfer Straße zwischen Neubaugasse und Zieglergasse ein „Shared Space“ werden soll.

Shared Space bedeutet, dass alle Verkehrsteilnehmer – Öffis, Fußgänger, Auto- und Radfahrer – regellos und gleichberechtigt nebeneinander existieren. Dafür werden sämtliche Verkehrsschilder und Straßenniveauunterschiede entfernt. Das aus den Niederlanden stammende Konzept klingt zwar etwas absurd, basiert aber auf einem klugen Gedanken: Menschen kommunizieren desto mehr miteinander, je weniger ihnen ein Regelkorsett das Denken erspart. Auf einem Eislaufplatz etwa fahren Läufer kreuz und quer durcheinander, achten aber gleichzeitig genau aufeinander – sodass wenig Unfälle passieren. Im echten Verkehrsgeschehen zeigen englische und niederländische Städte, dass Shared Space durchaus ein Zukunftsmodell für den europäischen Stadtverkehr sein könnte.

Aber: Wie stellen Sie sich das in Wien vor, Herr Blimlinger?

Falter: Wenn man Ihren Vorschlag hört, drängt sich sofort eine Frage auf: Warum macht man die Mariahilfer Straße nicht gleich zu einer Fußgängerzone?

Thomas Blimlinger: Eine Fußgängerzone halte ich unter den derzeitigen Bedingungen für Unsinn. Denn sie würde den Verkehr in den Siebten verdrängen. Bei Shared Space hingegen wäre auch auf der Mariahilfer Straße noch Verkehr möglich.

Aber würden nicht so oder so Autos in den Siebten verdrängt? Bei der Masse an Fußgängern und allgemeinem Trubel auf der Mariahilfer Straße würden die Fahrzeuge ja im Shared Space steckenbleiben.

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Die Kreuzung Seven Dials in London nahe Covent Garden ist Shared Space, darf also von allen Verkehrsteilnehmern regellos
und gleichberechtigt benutzt werden. So soll auch die
Mariahilfer Straße werden (Foto: Flickr)

Blimlinger: Hier können wir nur auf die Vernunft der Fahrer hoffen. Aber: Jetzt fahren ja auch schon Leute nur dann über die Mariahilfer Straße, wenn sie hier tatsächlich etwas zu tun haben. Und eines steht fest: Stau gibt’s nicht wegen Shared Space, sondern wegen zu vieler Autos.

Eben deshalb bemängeln ja Kritiker, dass sich Shared Space vor allem für Kleinstädte oder ruhigere Zonen eignet. Weil zu viele Autos die Idee verunmöglichen.

Blimlinger: Vorläufig hat man weltweit nicht viel Erfahrung mit Shared Space. Ich glaube nicht, dass es nur auf Kleinstädte beschränkt sein soll, sondern sich auch für große eignet.

Renate Kaufmann, Ihre SPÖ-Kollegin aus Mariahilf, nennt die Idee eine „halbe Sache“ und will eine Fußgängerzone. Dabei müsste sich Frau Kaufmann ja genau wie Sie davor fürchten, dass der Verkehr in ihren Sechsten verdrängt wird.

Blimlinger: Der Durchzugsverkehr würde sich leider stärker in den Siebten als in den Sechsten verlagern, weil es bei uns die Burggasse und die Neustiftgasse gibt. Jedenfalls: Über ein völliges Autoverbot auf der Mariahilfer Straße kann man erst dann reden, wenn sich insgesamt der Verkehr reduziert. Stichwort: City-Maut.

Das heißt, Ihnen wäre ebenfalls eine Fußgängerzone am liebsten. Nur ist Shared Space eben besser als gar nichts.

Blimlinger:
Nicht nur. Es geht auch darum, dass man starre Formen – Fahrradweg, Gehsteig, Straße – aufbricht. Dass man sagt: Es muss ein neues Denken im urbanen Verkehr her.

Fürchten Sie nicht, dass sich die Wiener gegenseitig über die Zehen fahren?

Blimlinger: Nein. Vor zehn Jahren haben auch alle geglaubt, dass Radfahrer keinesfalls gegen die Einbahn fahren sollten – heute funktioniert es klaglos. Manchmal muss man erst lernen, mit Dingen umzugehen. Auch wenn es immer ein paar Verrückte gibt.

Erschienen im Falter 20/2010

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Eingeordnet unter Stadtplanung, Verkehr, Wien

Neighbour in Need

Murders of Romas, militant groups, an unparalleled shift to the right: What on earth is happening in Hungary?

JOSEPH GEPP

It is Thursday, Apr. 8, 2010. Tomorrow is the beginning of the campaign suspension before the election, required by law. Today they are really opening up all the throttles on the banks of the Danube in Budapest.

“Who supplies our government the water tankers that spray you down from the street when you are demonstrating?” shouts the speaker into the crowd. “Israel!” he answers himself. “Who is buying up our Hungarian land? Israel!”

The Jobbik Party, which means both “the one that is better” and “the one that is more right,” had called together a final election rally under the statue of Sándor Petöfi, the Heinrich Heine of Hungary. When it was founded in 2003, Jobbik was still considered an obscure political sect whose nationalistic posturing, including its predilection for quaint historical uniforms, drew ridicule. Now Hungary’s extreme right, next to whom today’s Freedom Party (FPÖ) in Austria seems like a bunch of insurance agents after a NLP beginners’ course, have even caught up with the governing Socialist Party, and are pulling ahead as the second strongest power in parliament behind the right conservatives.

According to Jobbik dogma, gays, communists, Jews and Roma are all thorns in the side of the body politic – and accomplices to the left-liberal Hungarian government: “After the election you’ll stop laughing in prison,” is what they call from the podium. Jobbik is propagating a world view à la 1933: Factionists versed in the occult claiming that Jesus was Hungarian; the crooked cross on the Holy Crown of Hungary is actually an antenna for receiving divine messages for the chosen Magyar people.

About 300 people have come to the event; the crowd feels like the mixture of a water-witching seminar, a skinhead convention, and one of those depressing documentaries on public television about life in the ghetto. T-shirts with old Magyar runes are stretched over beer bellies; amulets with the pagan-national Turul bird dangle around fat sunburned necks.

Nazi Flags and Mythical Birds

The medieval red and white Árpád flag, symbol of the Arrow Cross Party, the Hungarian equivalent of the Nazis, is waving over the podium. Next to it is standing the “Hungarian Guard,” founded in 2007, the paramilitary wannabees dressed in black who like to march through Roma villages if they aren’t in the process of organizing a rally. A man is passing out bumper stickers. Next to Israel’s President Shimon Peres, they flaunt the words: “Govern your own country, bastard, instead of occupying ours!”

If Israel were to soon lose their country to the Arabs, explains the young Jobbik party leader Gábor Vona on the Party’s homepage, it’s planning to use Hungary as an alternative. His fans don’t hesitate to accept such scenarios. Two powers had run not only Hungary into the dust, also all of Europe, asserts an older man at the edge of the rally: “Jews and communists!” And “I’m also still waiting for Austria to apologize for stealing Burgenland.” The man says good-bye with the Jobbik salutation: “God give us a better future.”

In Hungary it doesn’t really look like the future will be any better.

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The Hungarian Guard (Photo: Anna Hazod)

On Sunday, Apr. 11, three days after the Jobbik rally, is the first and decisive round of voting to elect parliament. It gave the country a shift to the right, the likes of which hadn’t been seen in an East European country since the fall of the Iron Curtain. The ranks of the powers of that “Wende,” the still-governing Socialists and Liberals, were cut in half and crashed into insignificance. Meanwhile, the “Fidesz,” has taken over the new power; a conservative people’s party with rabble-rousing undertones, its charismatic chairperson Viktor Orbán is more like Silvio Berlusconi than Josef Pröll. In the second round of voting on Apr. 26, Fidesz, winning 262 of 386 parliamentary seats, gained a majority of more than two-thirds, thus enabling them to change the constitution. And although Jobbik couldn’t overtake the Socialists, it was only two points behind, with 17% of the vote, which placed the political-sect right in the middle of Hungarian politics.

Something is going very wrong in the former land of “Goulash Communism,” the place of “the happiest shacks on the block,” as described by German novelist Hans Magnus Enzensberger. According to the Budapest Political Capital Institute, 21% of the population sympathizes with the extreme right – the highest percentage in Europe. But in things like debt, unemployment and growth, Hungary is falling behind, even behind former stragglers like Poland and Slovakia. In 2008, the EU and the Monetary Fund had to grant the country an emergency loan of 20 billion dollars in order to save the state from bankruptcy. Since then there have been vice-like savings measures, which on one hand has increased poverty and on the other, extremism: according to experts, it is widening its circles in the provinces outside of “Judapest,” as the capital is called by the circles in question.

Arson and Shotguns

Tatárszentgyörgy is about 40 minutes from Budapest. Both Fidesz and Jobbik won above average voter support here. On the county road leading to the village, prostitutes stand under flowering fruit trees; farmers plow their fields with horses as was done 150 years ago.

There’s a church in Tatárszentgyörgy, two horse-drawn carts, a bar called the Royal Jack Pub. The Roma of the village live in rundown houses on an unpaved path. And the Csorba family lives where the little settlement ends at the edge of the woods. Their suffering became a warning sign that something is wrong in Hungary. On Feb. 23, 2009, at 12:15 a.m., Molotov cocktails were thrown onto their roof by unidentified assailants. Róbert Csorba ran out through the door with his four-year-old son and both were murdered with a shotgun. The mother jumped with two other children out of a window on the back-side of the house; they survived but were seriously injured.

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Robert Czsorbas house in Tatárszentgyörgy (Photo: Joseph Gepp)

These so-called Roma murders convulsed Hungary for two years. They always follow the same pattern: the perpetrators choose the last house on the edge of a village, where a getaway is easy. They throw incendiary material and fire shotguns. Six persons have died in nine attacks all over the country. Four suspects, one a right-wing extremist known to authorities, were arrested in August 2009 in Debrecen and have been held since then in detention awaiting trial.

The Suffering of the Roma

When Csabáné Csorba, 46, steps out of her door in Tatárszentgyörgy, she is standing across the street from the burned-out ruins in which her son and grandson died. The rest of the extended family members, ten in all and all out of work, live next door. Róbert had moved with his own family into the neighboring house. She doesn’t believe that Jobbik will take over the power in Hungary, says the grieving mother, who sits in her living room under a giant copy of The Last Supper.

“But if they do, then it is over for the Roma in this country.” She has noticed how the mood has changed between Roma and the “whites.”

“I can’t exactly say how. But I notice it, like when I go shopping in the village. There is a special mood in Tatárszentgyörgy because the attack happened here. But there is also a special mood in all of Hungary.”

“The seeds have sprouted,” write Gregor Mayer and Bernhard Odehnal in their book Aufmarsch (that can be translated “Mobilization,” or “Show of Force”) about the right-wing in Eastern Europe. The writers, who are Austrian journalists, believe Jobbik’s rabble rousing is a part of the radicalization that has led to the Roma murders.

Like Mrs. Csorba in Tatárszentgyörgy, the two authors have noticed a change across the country: Rabble rousing has become socially acceptable, inhibitions have fallen, conflicts have left official democratic channels and are on the street. One example is the online news portal kuruc.info, the opinion leader of the Hungarian right-wing.

“Holo-Scam”

According to critics involved with Jobbik, the “Kuruc,” the Hungarian rebels, are laying into Jews, Socialists and the Roma. Its rubrics have names like “Gypsy Crime” and “Holo-Scam.” In print, the authors hide behind names like “Janos Work-Makes-Free” and “Kenneth Kl. Klan.”

Just the existence of Nazi websites like this doesn’t make Hungary any different from other countries. But in contrast to other places, kuruc.info, with 130,000 readers a day, ranks among the most visited websites in the country. Recently the portal reported about a case of data abuse: The regular media reported on it and named, as usual, their source. Kuruc slowly seems also to be a normal critical communications medium – even when a name like “Adolf H. Schicklgruber” is in the credits.

In Hungary, something like that “would have been unthinkable a few years ago,” said journalist Paul Lendvai of the Viennese weekly Falter. Adam Schönberger, a young Jewish activist from Budapest agrees: “The public dialogue in this country is absolutely poisoned.”

Schönberger, 30, wearing a hooded pullover and a red three-day beard, runs a locale called “The Seagull” in the old part of town, a pub, bookstore and a meeting place in one. He hosts debates on Jewish issues and supports reform initiatives in Budapest’s post-communist, non-transparent community of faith. While much has survived of Jewish life from the Eastern Europe of earlier times, he says, there are also frequent anti-Semitic incidents. Just last week, he recounted, stones were thrown at a group of Budapest Jews celebrating Passover. And last year, a particularly ugly incident took place on the shores of the Danube. Bronze shoes on the Promenade stand as a reminder that here once Hungarian fascist Arrow Cross Party members threw Jews into the river and killed them. One day, pig’s knuckles were found stuck in the shoes.

“I would even go so far as to emigrate if Jobbik came to power,” says Schönberger. But that seems like science fiction to me. “Fidesz makes me very nervous.” Like many observers, this intellectual believes that Fidesz has done a lot to make right-wing extremism socially acceptable. In the years after 2006, the Socialist government got caught up in ever more lies and blunders. Nonetheless, the Fidesz Party Leader Viktor Orbán – winner of the recent election – didn’t react through legitimate democratic channels. Instead he supported street protests that were violent and extremist.

A “Poisoned Discourse” in the Country

For years, Fidesz blocked all official governmental decisions. Even now, Orbán warns of left- and right-wing radicals – as if Socialist and Jobbik were two sides of the same phenomenon.

It is Sunday, Apr. 11, 2010. The results of the crucial first election are in: The victory party Fidesz is celebrating on the central Vörösmarty Square. While the winners of “Hungary is looking for a superstar” are singing “Bohemian Rhapsody” for Fidesz friends, Jobbik is meeting ten kilometers away, at an outlying sports center on the banks of the Danube in Buda.

Hundreds of members of the Hungarian Guard have come to celebrate their 17% victory. They are cheering because every sixth person at the poles voted for Jobbik. They are wearing chicken feathers in their caps as Arrow Cross Party members did once. They yell out commands and march in step through the hall.

Now that the parliamentary election is over, the scene seems much more like a skinhead rally than a depressing documentary about the lower classes on a public-service channel. It looks like the 1930s. It feels dangerous. And it certainly doesn’t point to a better future.

Trans: Cynthia Peck. This article originally appeared in German in the Viennese weekly Falter in April 2010. It was updated for the May 2010 issue of the Vienna Review by the author.

In German: Nachbar in Not

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Eingeordnet unter English, Osteuropa, Reportagen, Ungarn

STADTRAND – Die Nahrungskette endet derzeit (noch) bei Sushi

Es gibt in dieser Stadt so viele Chinarestaurants, in die keiner geht. Sie heißen „Morgenröte“ oder „Lotusblüte“ oder tragen chinesisch klingende Namen wie „Dim Sum“ oder „Wo Ton“. Sie dienen zur Geldwäsche, heißt es manchmal in mäßig originellen Runden. Sie befinden sich in diesen eckigen Mini-Einkaufszentren vor Gemeindebauten oder in diesen Jahrhundertwendehäusern, die nach dem Krieg ohne Ornamente wiederaufgebaut wurden. Wer sie sieht, fragt sich: Wo hat wohl das erste der Chinarestaurants gestanden? In der Innenstadt? Als eins der teuersten Lokale im Wien der frühen 80er? Waren damals Acht Schätze genauso schick wie Pizza Margherita im Jahr 1965 und Lachs-Sushi-Bento 1995? Und überhaupt: Mittlerweile haben ja auch Sushi-Lokale unübersehbar an Exklusivität eingebüßt. Wie wird also Wien in 20 Jahren aussehen? Leere Chinesen neben leeren Japanern, die zur Geldwäsche dienen? Und zwischendurch wenige Restaurants, die den aktuellen Trend anbieten. Sagen wir: Pizza Margherita. Der letzte Schrei des Donaukanalsommers 2030.

Erschienen im Falter 18/2010

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