Monatsarchiv: März 2010

Am Apparat: „Wie viel verdienen Sie, Herr Fliesenleger Mitrovic?“

Spätnachts in Klagenfurt: Nach einem seiner üblichen 18-Stunden-Arbeitstage fischt Kärntens FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler den Rechenblock heraus und stellt fest, dass sein Hungerlohn kaum zum Überleben reicht. Er verdiene weniger als ein Fliesenleger, erklärte er kürzlich der Kronen Zeitung. Der Falter bittet deshalb ein Mitglied von Österreichs heimlichem Geldadel zum Gespräch: Slobodan Mitrovic, 46 Jahre, Fliesenleger aus Wien-Wieden.

Herr Mitrovic, darf ich Sie fragen, wie viel Sie brutto pro Monat verdienen?

Um die 2300 Euro.

Wie viel bleibt Ihnen nach Abzug von Steuer und Versicherung?

Das ist verschieden. Ich würde sagen, circa 1500 bis 1600 Euro.

Für wie viele Stunden pro Woche?

Genau 40.

Seit zwei Jahren sehen wir uns mit einer Wirtschaftskrise konfrontiert. Spüren Sie die in irgendeiner Form?

Auf jeden Fall. Die Dinge gehen sich nicht mehr so aus wie früher. Das spürt man schon. Man muss sich bei vielen Sachen zurückhalten.

Das heißt, Sie haben vor zwei oder drei Jahren mehr verdient als heute?

Ja. Es gab auch mehr Arbeit, die bezahlt wird. Das summierte sich vielleicht auf 100 bis 200 Euro monatlich.

Wo waren Sie das letzte Mal auf Urlaub?

Ich fahre immer nach Serbien, wo ich herkomme.

Früher ebenso wie heute?

Heute fahre ich weniger. Das kostet ja auch Geld.

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat sich kürzlich ausgerechnet, dass Sie als Fliesenleger mehr verdienen als ein österreichischer Spitzenpolitiker wie er. Was meinen Sie dazu?

Ich will nicht wissen, wie viel der Herr Dörfler verdient.

13.794 Euro monatlich brutto, 14-mal im Jahr. Netto bleiben ihm nach eigener Aussage 5720 Euro.

Ja. Ich sag nix (lacht). Ich weiß nicht. Wenn er das meint, dann soll er einmal einen Monat bei uns arbeiten. Dann kann er vergleichen.


Interview: Joseph Gepp

Erschienen im Falter 9/2010

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Eingeordnet unter Arbeitswelten, Migranten, Soziales

„Konzertkristall“: Sie schaffen zwei, drei, viele Augärten

Joseph Gepp

Wären da nicht einige emsige Bürger, die Sängerknaben könnten dieser Tage mit dem Bau ihres „Konzertkristalls“ beginnen. Denn seit vergangener Woche liegen alle Genehmigungen für den Augartenspitz vor. Allerdings legen sich die Aktivisten nach wie vor quer; erste Annäherungen scheiterten kürzlich an einer Lkw-Blockade. „Wir sehen trotzdem gute Chancen“, sagt deren Sprecherin Eva Hottenroth. „Bei Bacherpark und Hainburg war ja auch schon alles genehmigt.“

Derweil dräut im Süden Wiens ein zweiter Augarten: Auf der Meidlinger Marillenalm will die ÖVP ein Parteihotel errichten. Am Freitag wurde im Gemeinderat die Widmung beschlossen. Nun drohen Bürger mit aktionistischen Blockaden.

Erschienen im Falter 9/2010

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