Das (tragische) Ikea-Dramolett

Sie wollen beim Möbelmarkt Ikea einen großen Tisch kaufen. Sie sind Städter, wohnhaft in Zentrumsnähe, ohne Auto. Was tun Sie? Richtig: Sie gehen online und fragen einfach Anna!

Kunde: „Guten Tag.“
Anna: „Vielen Dank für die netten Worte!“
Kunde: „Ich habe eine Frage.“
Anna: „Super! Na dann mal los!“
Kunde: „Ich wohne im Stadtzentrum, ohne Auto. Kann ich einen gekauften Tisch nachhause liefern lassen?“
Anna: „Ikea bietet dir unterschiedliche Möglichkeiten, deine Ware liefern zu lassen. Informationen findest du auf der Seite nebenan.“
Kunde: „Das habe ich schon bemerkt. Aber ich will wissen, ob für die angegebenen 89 Euro der Tisch auch in den dritten Stock hinaufgetragen wird? Oder wird er nur vor die Tür gestellt?“
Anna: „Hoppla! Als interaktive Assistentin kann ich jeweils nur einen Satz beantworten.“
Kunde: „Erfolgt die Lieferung bis in die Wohnung und nur bis vor die Tür?“

anna
Brave New World: Das ist Anna, 29 Jahre alt, aus Schweden
Quelle: Ikea

Anna: „Ikea bietet dir unterschiedliche Möglichkeiten, deine Ware liefern zu lassen. Informationen findest du auf der Seite nebenan.“
Kunde: „Da habe ich ja schon nachgesehen!“
Anna: „Es freut mich, dass wir einer Meinung sind!“
Kunde: „Nein. Ich meine, dass auf der von Ihnen angegebenen Seite nichts darüber steht!“
Anna: „Macht nichts, es wäre ja langweilig, wenn wir immer alle der gleichen Meinung wären.“
Kunde: „Nochmal: Erfolgt der Heimtransport in die Wohnung oder nur bis vor die Tür?“
Anna: „Wir verpacken unsere Möbel in flache Pakete, damit du sie möglichst einfach transportieren kannst. Aber falls der Kofferraum deines PKWs nicht ausreicht oder du ganz einfach keine Lust hast, liefern wir dir – als bequemste Variante – deine neuen Ikea Möbel nach Hause.“
Kunde: „Das habe ich schon verstanden.“
Anna: „Gut dass wir in dieser Hinsicht übereinstimmen.“
Kunde: „Aber geht diese Lieferung bis in die Wohnung oder nur die Haustür?“
Anna: „Ich habe deine Frage leider nicht richtig verstanden. Vielleicht kannst du sie etwas anders formulieren?“
Kunde: „Heimtransport. Lieferung. Haustür oder Wohnung?“
Anna: „Wir verpacken unsere Möbel in flache Pakete, damit du sie möglichst einfach transportieren kannst. Aber falls der Kofferraum deines PKWs nicht ausreicht oder du ganz einfach keine Lust hast, liefern wir dir – als bequemste Variante – deine neuen Ikea Möbel nach Hause.“
Kunde: „Das hat doch überhaupt keinen Sinn. Warum machen sie so ein Service, wenn sie dann keine Fragen beantworten?“
Anna: „Hier findest du eine Übersicht über unser Porzellan.“
Kunde: „NICHT PORZELLAN. Ich meine, dass dieser Chat nicht funktioniert!“
Anna: „Ich würde dich mit deiner Anfrage gerne an meine KollegInnen vom Contact Center weiterleiten. Im Moment ist dort im Chat niemand zu erreichen, entweder weil wir uns außerhalb der Chat-Zeiten befinden, oder weil alle Agenten im Gespräch sind.“
Kunde: „Ich habe versucht, bei Ikea mit jemandem zu telefonieren. Aber es waren immer nur elektronische Stimmen dran.“
Anna: „Da hast du aber gut aufgepasst! Welche andere Frage zu Ikea kann ich dir sonst noch beantworten?“
Kunde: „Anna …“
Anna: „Ich bin ganz Ohr.“
Kunde: „Fällt Ihnen eigentlich auf, dass Sie mich duzen, obwohl ich Sie sieze?“
Anna: „Für mich ist es ganz normal, wenn wir uns duzen. Ich komme aus Schweden und dort kennt man nur das ‚Du‘.“
Kunde: „Und redet man in Schweden auch mal mit Menschen oder nur mit interaktiven Assistentinnen?“
Anna: „Ich merke, dass du nicht ganz mit mir übereinstimmst, aber ich kann deine Frage nicht genau verstehen. Bitte versuche, sie anders zu formulieren.“
Kunde: „Okay. EIN COMPUTERPROGRAMM KANN MIR MEINE FRAGEN NICHT BEANTWORTEN.“
Anna: „Das kommt dir vielleicht etwas widersprüchlich vor, aber ich kenne mich mit Computern überhaupt nicht aus. Meine Wartung übernehmen glücklicherweise meine Kollegen!“
Kunde: „DANN RICHTEN SIE IHNEN AUS, SIE SOLLEN BESSER WARTEN“
Anna: „Du möchtest, dass ich mich wiederhole? Na gut, hier kommt meine letzte Antwort noch einmal: ‚Das kommt dir vielleicht etwas widersprüchlich vor, aber ich kenne mich mit Computern überhaupt nicht aus. Meine Wartung übernehmen glücklicherweise meine Kollegen!’“
Kunde: „Anna…“
Anna: „Ich bin ganz Ohr.“
Kunde: „Sie sind eine elektronische Dumpfbacke.“
Anna: „Ich befürchte, dass Fluchwörter und Beleidigungen uns nicht weiterbringen. Wie kann ich dir zum Thema Ikea behilfllich sein?“
Kunde: „Okay. Nochmals. Ganz langsam …“
Anna: „Was genau meinst du mit deiner Frage?“
Kunde: „Ikea. Tisch. Heimtransport. Haustür? Wohnungstür?“
Anna: „Wir verpacken unsere Möbel in flache Pakete, damit du sie möglichst einfach transportieren kannst. Aber falls der Kofferraum deines PKWs nicht ausreicht oder du ganz einfach keine Lust hast, liefern wir dir – als bequemste Variante – deine neuen Ikea Möbel nach Hause.“
Kunde: „Oh mein Gott!“
Anna: „Religion ist ein sehr persönliches Thema. Ich persönlich finde schöne Dinge in vielen verschiedenen Religionen, aber ich würde es vorziehen, wenn wir wieder über Ikea sprechen könnten. Wie kann ich dir behilflich sein.“
Kunde: „Ich gebe es auf.“
Anna: „Von welchem Ikea Einrichtungshaus möchtest du die Öffnungszeiten erfahren?“
Kunde: „Nein, ich meine: Ich kapituliere.“
Anna: „Wir müssen ja nicht die gleiche Meinung haben.“
Kunde: „Da haben Sie wohl Recht.“
Anna: „Vielen Dank! Ich irre mich selten, aber natürlich habe auch ich die Weisheit nicht mit Löffeln gegessen! Wie kann ich dir sonst noch behilflich sein?“
Kunde: „Gar nicht. Überhaupt nicht.“
Anna: „Ich habe nichts dagegen, wenn wir einmal verschiedene Standpunkte zu einem Thema haben.“
Kunde: „Das haben Sie mir schon gesagt …“
Anna: „Da hast du aber gut aufgepasst! Welche andere Frage zu Ikea kann ich dir sonst noch beantworten?“

Aus dem Off:Du willst auch ein Dramolett generieren? Prima. Wir in Schweden machen das ständig. Geh‘ einfach auf die Ikea-Homepage und klick auf ‚Frag einfach Anna‘.“

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Konsum, Kurioses

Eine Antwort zu “Das (tragische) Ikea-Dramolett

  1. lea (Gast)

    gerade herzlich gelacht! ich hab schon öfters so ähnliche unterhaltungen mit der dame aus dem keller der arbeiterkammer geführt..

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