Wahnsinn Klimawandel: Hundstage auch im Winter!

Jeden ersten Donnerstag im Monat ist „Doggy Day“ im Admiral, und der vierbeinige Freund darf mit in den Kinosaal

Reportage: Joseph Gepp

„Inglorious Basterds“ ist wohl nichts für nichtmenschliche Lebewesen – zu schnell, zu trashig, zu postmodern. Dann eher die Frühvorstellung, „Edge of Love“, ein britisches Melodram um den Dichter Dylan Thomas und seine Frauen. Das wiegt garantiert den härtesten Pitbull in den Schlaf.

Im Foyer sind sie schon angetanzt, ein knappes Dutzend: groß und klein, haarig und fast nackt, schwanzwedelnd oder apathisch. Der „Doggy Day“, stellt man später im Kinosaal fest, basiert auf einer Art Stillhalteabkommen zwischen Hund und Halter: Letzterer will ungestörten Filmgenuss. Ersterer erkennt schnell, dass sich ruhiges Verhalten in dieser Situation besonders bezahlt macht. Und lässt sich in systematischen Zehnminutentakten mit jenen Leckerlis anfüttern, die wohlweislich draußen an der Theke verkauft werden.

Das Admiral ist eines jener sympathischen Kleinkinos, wie sie in Wien seit ungefähr zwei Jahrzehnten reihenweise zugrunde gehen. „Wir wollten unser Kino bekannter machen“, erzählt die Betreiberin Michaela Englert. „Und Kinder und Hunde funktionieren nun mal für diesen Zweck. Da es im Votivkino allerdings schon einen Babytag gibt, nahmen wir uns vor zwei Jahren die Hunde vor.“

Nun steht also eine große blaue Wasserschüssel im Foyer. Im Saalinneren liegen Decken bereit, damit es sich die Tiere am Boden zu Füßen ihrer Besitzer gemütlich machen können. Ärger zwischen Hunden gebe es praktisch nie, erklärt Englert – die zweibeinigen Kinobesucher wüssten schon, dass sich der Doggy Day eher für den gesetzten Charakter als für den Jungen Wilden eigne.

Während des Films ist es dann tatsächlich ziemlich still. Einmal raschelt es kurz lauter als gewöhnlich; vielleicht hat sich da jemand am Popcorn vergriffen. Als Dylan Thomas seiner Geliebten erklärt: „Jeder meiner Blicke und Atemzüge gilt nur dir“, tönt aus der fünften Reihe ein leises Jaulen eindeutig nichtmenschlicher Provenienz.

Von Beginn an habe sie keinen einzigen Doggy Day versäumt, erzählt nach dem Film die Pensionistin Brigitte Bregenzer, Besitzerin eines chinesischen Schopfhundes, der circa die Größe zweier Meerschweinchen erreicht. Ihre „Mini“ wiege ja nur dreieinhalb Kilo und sei daher fraglos kinotauglich.


Admiralkino, 7., Burgg. 119., Tel. 523 37 59, Der nächste „Doggy Day“ ist am 7.1. Programm: http://www.admiralkino.at

Erschienen im Falter 52/09

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