Monatsarchiv: September 2009

Ein Konzert scheitert – und alle sind Verlierer

Kommentar Michael-Jackson-Tribute

Was der Wiener ohnehin von Anfang an gewusst haben will, vergangenen Freitag wurde es Realität: Das vollmundig angekündigte Michael-Jackson-Tribute-Konzert ist vorläufig abgesagt. Es soll 2010 stattfinden, in London.

In Wien sei man ständig mit negativen Schlagzeilen konfrontiert gewesen, sagt Veranstalter Georg Kindel. Das hätte schließlich sogar die zu organisierenden Stars im fernen Amerika verschreckt. Und schließlich sei das Konzert sogar zur Politaffäre pervertiert worden, rund um angekündigte 600.000 Euro Rathaussubventionen.

Wobei man die Sache auch umgekehrt sehen könnte: Vielleicht erwies sich die innovationsfeindliche Raunzerei des Wieners diesmal als gesunder Realitätssinn. Denn in wenigen Wochen Weltstars wie Madonna und U2 aufzustellen, ist schlicht unmöglich. Kindel erwähnte in einem Nebensatz, dass man möglicherweise die übervollen Terminpläne der aufzutretenden Künstler unterschätzt habe. Aber die Hauptschuld gab er eindeutig der Wiener Motzmentalität.

Die Moral all dessen? Der Veranstalter, dessen Ruf nun gehörig angekratzt ist, sollte seine großspurigen Ankündigungen nur dann von sich gegen, wenn auch ein Hoffnungsschimmer auf ihre Realisierung besteht. Die Konzertbesucher sollten nicht bei jedem Medienhype ihre Kreditkarte zücken – hätte das Konzert mit No-Names stattgefunden, dann wäre kein Konsumentenschützer bei der Rückforderung der horrenden Eintrittspreise zu Hilfe geeilt.

Und das Rathaus sollte festlegen, welche Veranstaltungen es mit Steuergeld zu fördern gedenkt – und nicht nach der ersten negativen Krone-Schlagzeile zum eiligen Rückzug blasen.

Erschienen im Falter 38/09

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Eingeordnet unter Medien, Stadtleben, Wien

Europas östlichster Ort I: Sushi in Moskau

Erschienen im Reiseblog Tripwolf, September 2009

Sie sind mit Avocado umhüllt und mit Hüttenkäse gefüllt, und auf ihnen prangt noch eine dicke Schicht rotleuchtender Kaviar, ganz schön barock, diese Moskauer Sushi.

Ein Samstagabend im Altweibersommer, Moskau protzt. Die junge neue Mittel- und Oberschicht hat sich maximal herausgeputzt und promeniert die Twerskaja- und Arpad-Straße hinunter. Sie isst barocke Sushi, trinkt irisches Bier in Pubs, besucht teure Clubs oder spaßeshalber auch mal eine „Stolochwaja“ – ein kantinenartiges Retro-Lokal, in dem Warteschlangen, Automaten-Brause und altbackene Tischtuchmuster altes Sowjet-Flair verbreiten wollen.

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Sergej Kolosowskij, 28, Architekt, Teil der neuen Moskauer Mittelschicht

Moskau, größte Stadt Europas, 10 Millionen Einwohner, ist ein achtspurig befahrbarer Moloch zwischen stalinistischen Zuckerbäckerbauten; ein eiliges, extremes, immer übernachtiges, niemals ausgeruhtes Ungetüm. Eine Stadt, deren Bürgermeister Flugzeuge mit Chemikalien in den Himmel schickt, um für sonnige Feiertage zu sorgen. Eine Stadt, in der vor einigen Jahren der größte Swimmingpool der Welt zugeschüttet wurde, um an seiner Stelle die größte orthodoxe Kathedrale der Welt hochzuziehen.

In einer russischen Zeitung liest man an diesem Samstag ein Interview mit einem Lebensberater, der reichen Moskowitern schwierige Entscheidungen abnimmt. Er erzählt von einer seiner Klientinnen, die von ihrem Liebhaber 12.000 Dollar Taschengeld im Monat erhält. Aber sie sei unglücklich, denn sie liebe den Mann nicht. Der Berater empfiehlt ihr darauf die Trennung, die Frau befolgt den Rat. Jetzt habe die Klientin einen neuen Freund, erzählt der Berater. Der stecke ihr zwar nur 10.000 Dollar monatlich zu. Aber sie sei verliebt und glücklich.

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Größenwahn mit Schönheitsfehler: Stalin-Bau mit zwei ungleichen Flügeln…

Die rasende Veränderung, die täglich neu eröffneten Lokale und Geschäfte, die schnell abgerissenen Alt- und eilig hochgezogenen Neubauten, der vierundzwanzigstündig dröhnende Verkehr, die vielen, vielen Chancen und Risiken für den Einzelnen – das alles nehme den Leuten hier die Orientierung, sagt Sergej Kolosowskij, ein knapp 30-jähriger Architekt. Das alles mache die Leute hier langsam wahnsinnig.

Sergej studierte Architektur im sibirischen Irkutsk, Tausende Kilometer entfernt. Als er fertig war, häuften sich schon die Job-Angebote verschiedener Moskauer Architekturbüros. Sergej übersiedelte, und schnell war er Teil jener neuen Mittelschicht geworden, die die realsozialistische Lebenswelt ihrer Elterngeneration weit hinter sich gelassen hatte. Heute wohnt er im Stadtzentrum. Zwei Stunden täglich betreibt er Joga. Denn anders, sagt er, lasse sich das schnelle Leben dieser Stadt nicht bewältigen.

Wir spazieren durch die Altstadt, Sergej hat einige Arbeitskollegen mitgebracht. Die Häuser erzählen Geschichten, die die Architekten kennen und zu deuten wissen. Ein altes Kloster beispielsweise, das samt Möbel und Bewohnern zehn Meter von der Straße weggerückt wurde, weil Stalin eine einheitlich monolithische Straßenfront bevorzugte. Ein großer Zuckerbäckerbau mit zwei verschieden gestalteten Flügeln, denn derselbe Diktator hatte versehentlich zwei Entwürfe des Gebäudes abgesegnet – und niemand wagte nachzufragen. Ein neugebauter Wolkenkratzer, der neuerdings gerüchteweise um sechs Stockwerke verkürzt werden soll, Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow wünsche das so.

DSC_0018Wolkenkratzer in der Krise: Was gebaut wird, wird noch fertig gestellt. Und was nur geplant wurde, wird vertagt.

Ob im letzten Fall allerdings allein der bürgermeisterliche Geschmack der einzige Grund für den zu verkürzenden Wolkenkratzer ist, darüber sind sich die Architekten nicht einig. Denn die Wirtschaftskrise zwingt die Stadt derzeit zur Bescheidenheit. Wie eine dunkle Wolke schwebt sie über den Büchern der Architekten und über Moskaus rasendem Aufstieg. Sie hat Russland härter getroffen als viele andere Staaten. Und sie trifft insbesondere die Hauptstadt, wo achtzig Prozent des jährlichen nationalen Wirtschaftsaufkommens stattfinden (12 Prozent sind es in Sankt-Petersburg, 8 Prozent im Rest Russlands). Nun werden noch jene Bauten fertig gestellt, die bereits begonnen wurden. Und was bislang nur geplant war, wird vertagt.

Sergej wird jetzt kündigen, erzählt er, und mit dem ersparten Geld drei Monate durch Indien reisen. In seinem Büro, wo man bis vor kurzem noch unter Klienten wählen konnte, bleiben nun die Aufträge aus. Diesen Monatsbeginn fand Sergej erstmals kein Gehalt auf seinem Konto. Jetzt will er durchtauchen. Er sagt, die Krise werde hoffentlich vorbei sein, wenn er Anfang nächsten Jahres wiederkomme.

Und überhaupt, sie habe aber auch ihr Gutes, diese Krise, sagt Sergej. Denn nun sei die Zeit zur Einkehr gekommen. Die Zeit der unaufgeregten 40-Stunden-Wochen. Nun könne man verschnaufen, das Erreichte betrachten, über die Zukunft nachdenken.

Am Abend sitzt er am Balkon seines Plattenbaus und betreibt seine Joga-Übungen. Er habe jetzt mehr Zeit dafür als früher, meint er. Und unter ihm donnert achtspurig der Verkehr die Twerskaja-Straße entlang.

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Jagt Schnitzel, stehlt Hunde!

100.000 Studenten beginnen dieser Tage ihr Semester in Wien. Was sollen sie tun? Alles, außer Lernen

70 Tipps: Ingrid Brodnig, Joseph Gepp, Christopher Wurmdobler

1 Den Einser nehmen Der alte Einser kurvte die Ringstraße entlang, der neue fährt jetzt vom Zentrum in den Süden, was viel über den Aufbau der Stadt verrät. Man passiert die Altstadt, Wiens letztes Stück Ustrab-Netz (Unterirdische Straßenbahn) und den Zehnten bis zum Favoritner Wasserturm. Sollte man gemacht haben!

2 Im Pub-Quiz brillieren Richtige Streber trumpfen nicht an der Uni auf, sondern beim Spieleabend mit Freunden bei einem Pint Guinness. Etliche Pubs bieten Quizzes an, etwa das Shebeen im siebten oder das Charlie P’s im neunten Bezirk.

3 Die Welt schöntrinken Wer Glühwein und ein gutes Gewissen haben will, kann beim Ute-Bock-Stand (ab November, Mariahilfer Straße) fleißig trinken. Eine gute Auswahl an wärmenden Getränken gibt es übrigens beim „Winter im MQ“. Ein Weihnachtsmarkt ohne peinliche Deko!

4 Einen Gacksi-Hund stehlen Viele Studierende sind stolze Besitzer eines Jack-Russell-Terriers. Aus Pappe. Mit dem Viech versucht die Stadt Wien ihr Hundekotproblem zu bekämpfen: „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl.“ Der Terrier wird gern gemopst und zum WG-Ausstellungsstück.

5 Fit bleiben Kraftstudios für Doper und Yuppies, das war mal. Heute ist Fitness in der breiten Mitte angekommen, und auch der Student stemmt gern gegen Kopflastigkeit an. Sehr preiswert zum Beispiel (€ 17,–/Monat) und 24 Stunden offen: die McFits. Überhaupt gratis ist die Open-Air-Fitnessanlage am Nordbahnhofgelände. Das hat schon fast was von Rio.

6 Pferd essen Vegetarier weghören! In Wien gibt es erstklassiges Pferdefleisch, etwa bei der Fleischhauerei Gumprecht http://www.gumprecht.at. Gut ist auch der Leberkäse am Hohen Markt. Dort kann man Pferd essen und lebende Fiakerpferde sehen.

7 Im Museumsquartier saufen Im Juni verbot das MQ mitgebrachten Alkohol. Nach lautem Protest ruderte man zurück. Umso wichtiger ist es, weiterhin Dosenbier in den Innenhof mitzubringen und dort zu trinken. Als Statement gegen den Konsumzwang in der Öffentlichkeit.

8 Ins unterirdische Wien steigen Wer einen Altwiener Keller betritt, findet nicht selten den Zugang zum Nachbarhaus. So erschließt sich ein Labyrinth im Untergrund. Taschenlampe!

9 Vororte checken Die Vorortelinie zwischen Handelskai und Hütteldorf ist eine Gebirgsbahn mit 29 Brücken, die vollständig innerhalb der Stadtgrenzen liegt. Ermöglicht einen anderen Blick auf Wien.

10 Billiger rocken Wer bei teuren Konzerttickets sparen will, geht zur Jugendinfo Babenbergerstraße. Welche Gigs günstiger sind, steht online unter: http://www.wienxtra.at. Übrigens gibt es oft auch zum Studentenkonto Konzertermäßigungen, etwa bei der Bank Austria oder der Ersten Bank.

11 Die Preisfrage stellen Im Deewan http://www.deewan.at nahe der Uni gibt es nicht nur ein leckeres pakistanisches Buffet. Man entscheidet auch selbst, was einem das Essen wert ist. Also: den angemessenen Preis errätseln.

12 Radfahren aus Prinzip Mit dem Rad lernt man die Stadt am besten kennen. Wer hier noch keinen Drahtesel hat, kann fürs erste die gratis City Bikes auprobieren. Überzeugte Biker treffen sich dann bei der Critical Mass (jeden 3. Freitag im Monat, 16.30 Uhr, Schwarzenbergplatz), um die Straßen für sich zu erobern.

13 Bis zum Umfallen sporteln Von Badminton über HipHop bis Rugby. Das Universitätssportinstitut bietet preiswerte Kurse für Studenten und Akademiker. Viele Einheiten sind für dieses Semester schon ausgebucht. Bei Interesse trotzdem bei einer Übung vorbeischauen, manchmal gibt es nachträglich Kursplätze.

14 Ster- und Grissemann besuchen Die Entertainer kennen wir aus Film, Funk und Fernsehen. Wer sie live sehen will, kann unter http://www.willkommen-tv.at gratis Karten für die Aufzeichnung von Willkommen Österreich gewinnen.

15 Mitläufer sein Wem sogar der USI-Kurs zu teuer ist, der kann zum Beispiel entlang des Donaukanals, der Donauinsel, durch den Augarten, Schloss Schönbrunn oder die Prater Hauptallee joggen. Letztere ist auch nachts beleuchtet.

16 Im Schikaneder versumpfen
Das Schikaneder ist mehr als feines Programmkino und gute Bar mit abgefucktem Mobiliar. Es ist eine Wiener Institution. Deswegen wurde auch die dazugehörige Gasse nach dem Lokal benannt. Oder war es umgekehrt?

17 Die Gürtelrunde machen Wer bei der U6-Thaliastraße aussteigt und Richtung Alser Straße geht, kann im Schnelldurchlauf drei Spitzenbars besuchen: das Chelsea mit Indie- und Fußballkultur, das elektronische rhiz und schließlich das junggebliebene B72. Am besten alle!

18 Ins Wohnzimmer gehen Im WerkzeugH im fünften Bezirk stammt das Mobiliar aus verschiedenen Epochen und vermutlich mehreren Wohnungsauflösungen. Charmant improvisiert!

19 Dem Wuk-Sound lauschen Der Ziegelbau schaut nicht nur gut aus, hat adäquate Bier- und Eiernockerlpreise und angenehm alternatives Publikum. Er bringt auch die spannendsten Konzerte. Die österreichische Indiehoffnung Soap+Skin, Shantel und „Herr Blumfeld“ Jochen Distelmeyer persönlich – all das gibt es heuer noch zu sehen http://www.wuk.at

20 Zu faul zum Kochen sein Wer verkatert aufwacht und nichts im Kühlschrank hat, kann sich sein Essen nachhause bestellen. Zum Beispiel über Netkellner.at oder über das Wiener Web-2.0-Portal Mjam.net.

21 Permanent frühstücken Manche Menschen frühstücken im Bett, andere auf der Verkehrsinsel. Permanent Breakfasts http://www.permanentbreakfast.org sind Frühstücke im öffentlichen Raum, bei denen man Freunde und Passanten einlädt. Regeln und Termine dafür finden sich im Netz – ein toller Start ins Wochenende.

22 Gratis Funknetzen Bekanntlich leben wir in der Informationsgesellschaft, aber nicht jeder hat zuhause Internet. In der Stadt gibt es etliche kostenlose WLANs, zum Beispiel im MQ, Möbel oder Strandbar Herrmann. Die beste Übersicht von gratis WLANs findet sich unter http://www.helge.at/wlan

23 Bier herholen Wahre Couchpotatoes bestellen ihr Krügerl online unter http://www.bierher.at. Geliefert wird ab sechs Bier, Zustellgebühren gibt es keine. Und 1,70 Euro für eine Flasche Ottakringer sind okay!

24 Falsche Berge besteigen Wer sich nach einer Stunde Sport fühlen will, als hätte er soeben Europa per Fahrrad umrundet, der sollte klettern. Zum Beispiel ohne Seil und Haken in der Boulderhalle Walfischgasse. Oder etwas schwindliger im Kletterzentrum Rotenturmstraße.

25 In die Kirche gehen Wien hat viele schöne Kirchen. Einer der Höhepunkte liegt weit draußen: Otto Wagners weiß schimmernde Steinhof-Kirche. Wie geschaffen für einen müden und perfekten Sonntagnachmittag.

26 Auf die Stadt herabschauen Die Blicke sind überwältigend und die Anreise nicht beschwerlich, denn manche Stellen im bergigen Westen fährt sogar die Straßenbahn an. Unsere Empfehlungen: Lainzer Tiergarten, Cobenzl oder – für den faulen Urbanisten – der Donauturm.

27 Ganz morbide werden Am Zentralfriedhof wird Wien seinem Klischee gerecht (auf einer Fläche, größer als die Innenstadt). Schön auch im Winter! Die Rückkehr ins Reich der Lebenden erleichtert übrigens ein deftiges Gericht in einem der vielen Wirtshäuser um den Friedhof.

28 Schräges Wien erleben Manchmal fühlt man sich im Wurstelprater und – noch mehr – im Böhmischen Prater 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt (ohne Kitschfaktor, dafür sind die Vergnügungsparks viel zu chaotisch). Wer gegenwärtig bleiben will, der lasse sich mittels diverser Apparaturen in die Luft katapultieren. So erhascht man auch eine hübsche Vogelperspektive auf die Stadt.

29 Sich billig den Bauch vollschlagen Am besten im Tunnel (8., Fuhrmannsgasse 18a) und Café Merkur (8., Lammgasse 1) und in der legendären Pizzeria Mafiosi (15., Reindorfgasse 15). Das arabische Frühstück im Tunnel – samt literweisem Kaffee – zählt zu den studentischen Standarderfahrungen dieser Stadt.

30 Baden gehen Schön, dass mittlerweile die meisten Wiener Wohnungen Bäder haben. So wird der Besuch einer Badeanstalt zum reinen Vergnügen. Wir empfehlen: Amalienbad (klassisch), Stadthallenbad (sportlich) und Oberlaa (Kur). Wo sonst lässt sich die Wiener Seele besser kennenlernen?

31 Sich ironisch einrichten Stil und schlechter Geschmack sind nah beieinander. Da liegt es nahe, sich im Retro-Stil einzurichten. Alte Möbel für den guten Zweck gibt’s im Caritaslager Carla http://www.caritas-wien.at, Büromöbel ab und zu beim Flohmarkt der MA54 http://www.wien.gv.at.

32 Schenkel klopfen Spaßkanonen, die man aus dem Fernsehen kennt, treten alle auch live auf. Kabarettfans kommen im Palais Nowak http://www.simpl.at, in der Kulisse http://www.kulisse.at oder im Orpheum http://www.orpheum.at auf ihre Kosten.

33 Ruhige Kugeln schieben Kegeln, Bowling, Petanque http://www.boule.at machen Spaß. Ein Klassiker ist die Kegelbahn im Keller des Café Weidinger (16., Lerchenfelder Gürtel 1). Rechtzeitig reservieren!

34 Wien am eigenen Leib tragen Irgendwann ist man so stolz auf seine Stadt, dass man sie am Leibe tragen möchte. Die Shirtbedrucker von Merchzilla http://www.merchzilla.com haben Labels dafür: Wiener Brut, Wien rockt.

35 Flüsterkonzerte erleben Musik muss nicht immer laut sein. Manchmal sorgen auch Anrainer dafür. Deshalb fährt die Transporter Bar http://www.transporterbar.com ein eher ruhiges Liveprogramm, sehr angenehm.

36 Sich elektrifizieren lassen Wien ist eine Partystadt. Zwar nicht durchgehend, aber doch kontinuierlich tanzt das Volk ums Riesenrad in Fluc Wanne http://www.fluc.at, Planetarium und Pratersauna http://www.pratersauna.tv. Letztere geht in ihre erste Wintersaison und wird dafür noch erweitert.

37 Sich die Ohren durchputzen lassen Man muss kein Klassikfan sein, um sich von einem großen Orchester einmal die Gehörgänge durchputzen zu lassen, ein besonderes Erlebnis mit den Symphonikern im Musikverein. Ja, es gibt Studentenpreise.

38 Alte Filme anschauen Im Filmmuseum http://www.filmmuseum.at finden die Ausstellungen auf der Leinwand statt. Gezeigt werden Klassiker, Wiederentdeckungen und Streifen, die man sonst nie sieht.

39 Nach dem Film bleiben Mit Schikaneder http://www.schikaneder.at und Top Kino http://www.topkino.at gibt es in Wien gleich zwei Filmtheater mit angeschlossener Lounge. Hier treffen sich auch Menschen, denen das Kinoprogramm so was von wurscht ist.

40 Schauspielstars live sehen Im Burgtheater http://www.burgtheater.at stehen die Stars aus dem (guten) Kino live auf der Bühne. Und Stehplätze kosten nur € 1,50. Die aussichtsreichsten im Parterre sind natürlich rasch weg. Der Vorverkauf startet jeweils am 20. des Vormonats für den gesamten Monat. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn zahlen Studierende € 7,– auf allen dann noch freien Plätzen.

41 Neues Theater entdecken Brut, Schauspielhaus, Kasino und Rabenhof heißen die Theaterhäuser für aufgeschlossene Menschen, einfach mal ausprobieren. Im Max-Reinhardt-Seminar http://www.maxreinhardtseminar.at, der Schauspielschule schlechthin, zeigt der Nachwuchs außerdem regelmäßig, was er so drauf hat.

42 Auf den Sommer warten Blöd jetzt, Herbst. Dabei ist Wien so eine tolle Sommerstadt. Mit Donauinselfest, Prater, Heldenplatz, Strandbädern, Arena-Open-Airs, Draußen sitzen, Guerilla gärtnern und so weiter. Fragen Sie uns doch einfach im Mai nochmal. Der Falter macht Ihnen dann gerne den Stadtsommer schmackhaft.

43 Sich den Hintern in der Bim verbrennen Wer im Winter Straßenbahn („Bim“ sagt der Wiener) fährt, muss aufpassen, dass er in alten Garnituren nicht den Heizsitz erwischt. Obwohl: Manche finden den Platz auf der Heizung im vorderen Zugteil ganz gemütlich.

44 Wien aufwärmen Spätestens seit es Internet gibt, haben junge Lesben und Schwule kein Problem mehr, Freundinnen und Freunde zu finden. Manchmal geht man dann aber doch vom Computer weg und trifft sich. Zum Beispiel in der Rosa-Lila-Villa http://www.villa.at, Wiens erstem Lesben- und Schwulenhaus. Zum E-Mail-Adressen-Austauschen.

45 Im Szeneviertel abhängen Besuchen Sie den Ottakringer Yppenplatz, solange er noch cool ist! Wenn nur noch Jungväter Kinderwägen durch die Gegend schieben, ist er als Szeneviertel verloren. Sehr beliebt vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter.

46 Sein Obst nicht nur im Supermarkt kaufen Brunnen-, Volkert-, ja sogar der Vorgartenmarkt boomen. Im Gegensatz zu den Touristen, die planlos über den Naschmarkt (ja ja, ein Erlebnis!) schlendern, kann man als Einheimischer hier auch einkaufen. Wenn man weiß, wo, dann sind Obst und Co billiger und besser als im Supermarkt.

47 In die Russendisco gehen Der Westen feiert den Osten im Ost-Klub oder beim jährlichen großen Ost-Festival. Eine witzige Zeiterscheinung. Authentischer ist freilich:

48 In die Serbendisco gehen Jeden Freitag- und Samstagabend wird die Ottakringer Straße zur bunt leuchtenden Balkanmeile. Dann gehen Serben, Kroaten und Bosniaken ins Palazzo, ins Flash oder ins Labyrinth. Es ist wild, es ist kurzberockt und turbo-folkig – und hundertprozentig echt.

49 Zum Heurigen gehen und weinerlich werden Klassiker fahren nach Grinzing, besser und billiger sind aber transdanubische Buschenschenken. Wer faul ist, bleibt in der Innenstadt und besucht zum Beispiel den Stadtheurigen Gigerl in der Rauhensteingasse. Besonders empfehlenswert (für warme Tage): der Sirbu in der Kahlenberger Straße: schöne Atmosphäre und unvergleichlicher Stadtblick.

50 Am Wasser sein Am Donaukanal zu sein, ist das neueste Ding in der Stadt. Denn dort mischen sich Clubkultur (Flex), Strandgefühl (diverse Beaches), lauschiger Grünraum (Central Garden) und Plätzchen von fast (post-)industriellem Charme (vor allem unter den Brücken).

51 Koks bestellen Die raue Rückseite der Ringstraße ist die Zweierlinie. Die sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Unsere Extra-Empfehlung im Grätzel: das Café Bendl (1., Landesgerichtsstr. 6). Hier stehen die Preise noch in Schillingangaben an der Wand („Kesselwurst – S 38“). „Griechischer Wein“ in der Jukebox wählen und „Koks“ bestellen (Rum mit Würfelzucker und Kaffeebohnen, eine Spezialität um € 1,80).

52 Einmal Revolutionär sein Die europaweit einzige Ché-Guevara-Büste außerhalb kubanischer Botschaften steht – im Roten Wien, wo denn sonst? Jetzt hat der Ché vom Donaupark auch wieder seine Bronzenase, die ihm rechte Vandalen abgesägt hatten. Im neuen Glanz, sozusagen.

53 Die Industrie abradeln Zum Beispiel das Donauufer mit seinen stillgelegten Schienentrassen oder dem monumentalen Alberner Hafen (samt „Friedhof der Namenlosen“). Man kann auch in der Leopoldstadt abzweigen und durch den Prater und Simmering nach Favoriten fahren. Dann passiert man Industrie-Hinterhöfe – und Würstelstände, aus denen an Samstagvormittagen die Schlager hallen.

54 Ins Heimbett kotzen Studiheimfeste zählen zu den größten und wildesten Festen dieser Stadt. Alle aufgelistet unter: http://www.heimfest.at

55 Andere Städte entdecken Berlin-Neukölln liegt im Leopoldstädter Stuwerviertel, Liverpool rund ums Alsergrunder Wuk und Bukarest am Praterstern. Weitere Städte, die in Wien liegen? Sicher. Jede Menge.

56 Sozialismus aufspüren Zum Beispiel im monumentalen Karl-Marx-Hof oder den patinigen Strandbädern an der Alten Donau (auch im Winter schön).

57 Nach Bratislava fahren Schließlich liegen keine zwei europäischen Hauptstädte so nah beieinander wie Wien und Bratislava. Der wunderbar-windige Twin City Liner ist allerdings mit bis zu 30 Euro pro Strecke recht teuer. Billiger kommt der Zug (€ 8,–/Strecke) oder, etwa gleich teuer, der Postbus vom Südbahnhof.

58 Dem alten Tito frönen Rund 200.000 Ex-Jugoslawen leben in Wien. Nicht alle wollen zwanghaft ihrer gemeinsamen Geschichte abschwören. Das Maršal (16., Herbststr. 32) widmet sich ganz Marschall Jossip Broz Tito.

59 Das Arsenal besuchen Es ist weit mehr als nur das Heeresgeschichtliche Museum. Es sind große grüne Flächen, leicht heruntergekommene Ziegelgebäude und alte Industrieareale, in denen sich heute Studenten verwirklichen. Ein riesiger Spielplatz.

60 Katholisch werden Von den Grinzinger Weinbergen aus gesehen taucht sie an Spätsommernachmittagen über dem Stephansdom auf – die „Jausenfee“, eine Lichtreflektion, die der Jungfrau Maria ähnlich sieht.

61 Auf der Friedhofstribüne sitzen Am Dornbacher Sportclub-Platz erlebt man wohl das authentischste Stück Altwiener Fußballkultur. Auch sehr sehenswert: das Vienna-Stadion auf der Hohen Warte.

62 Ein Gedicht pflücken Helmut Seethalers sozialkritische Pflückgedichte in Bahnstationen und an Bauzäunen sind ein Stück des städtischen Lebens geworden. Zur freien Entnahme!

63 Gestank verstehen Es gibt einige Legenden, warum es in der U-Bahn-Haltestelle Stephansplatz so stinkt. Der Grund ist aber nicht die verwesende Leiche eines Obdachlosen, sondern ein organisches Bodenverfestigungsmittel, das verwendet wurde und eine chemische Reaktion eingeht. Das ist zumindest die offizielle Erklärung.

64 Die letzte/erste U-Bahn erwischen Echt ärgerlich, dass die letzten U-Bahnen in Wien bereits zwischen 0.06 und 0.30 Uhr losfahren. Wer von unterwegs den Fahrplan abfragen will und ein internettaugliches Mobiltelefon besitzt, kann dafür das Gratisprogramm qando herunterladen. Und wer lieber gleich durchmacht, der kann dann um fünf Uhr früh den ersten U-Bahn-Wagen nehmen.

65 Wien modern machen Jetzt beginnt wieder das Festival Wien Modern. Keine Angst vor neuer Musik, die klingt manchmal nämlich genauso wie im Club. Manchmal findet sie sogar im Club statt. Programm: http://www.wienmodern.at

66 Sich von Kellnern ignorieren lassen Auch das gehört zu Wien: mürrisches Personal. Sich einfach mal im Café Ritter (6., Mariahilfer Straße 73) ignorieren lassen – herrlich! Und keine Sorge: Die Herren im Smoking beißen nicht, sie tun nur so.

67 Die U6 nehmen Sie durchquert die industrielle Peripherie der Stadt, die Migrantenviertel in Zentrumsnähe und die Schrebergärten der echten Wiener. Eine U-Bahn-Fahrt wie ein Gesellschaftsroman.

68 Sein Grätzel entdecken Immer dort, wo Sie selbst nicht sind, ist es hipp? Machen Sie sich doch Ihr eigenes Szeneviertel! Gehsteigguerilleros werden, den Wirten am Eck zum letzten Schrei erklären und einen tollen Namen für Ihr Grätzel finden – so geht das.

69 Kreuz und quer gehen 1968 erdachten die Pariser Situationisten eine Methode, um eine Stadt „psychogeografisch“ zu erfassen: Gehen Sie doch einmal einen Tag lang durch Wien und nehmen sie einfach die nächste Abzweigung nach links und die übernächste nach rechts. So lernt man die Stadt auf eine ganz neue Art kennen.

70 Bücher zu Wien lesen Hier gibt’s jede Menge, die zum Einstieg Erhellendes liefern, was diese Stadt betrifft. Die Falter-Redaktion empfiehlt: Gerhard Roth „Eine Reise in das Innere von Wien“, John Irving „Das Hotel New Hampshire“, Wolf Haas „Wie die Tiere“, eines der Lesebücher von Alfred Polgar.

Erschienen im Falter 42/09

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Eingeordnet unter Stadtleben, Wien

STADTRAND – Der kluge Student schafft sich seinen Job selbst

Der augenfälligste Unterschied zwischen reichen und armen Städten ist wahrscheinlich die Vielzahl an Berufen: In Afrika oder Südamerika gibt es den Orangensaftpresser, den Nagelzwickerlverkäufer, den Geldwechsler, den Gehsteigbarbier. In Wien versteckt sich die Dienstleistungsgesellschaft hinter dicken Büromauern, und Orangensaft gibt’s im Supermarkt. Außer in manchen Grünanlagen, wo derzeit flotte Latinositten einreißen: Wer sich im Museumsquartier, im Burggarten oder – sogar – in der Lobau aufhält, dem begegnen vife Studenten mit dicken Kühltaschen, die gewerbsmäßig Bierdosen verkaufen. Zu einem Preis, der moderat über Supermarkttarifen liegt. Nachtschwärmer freut’s, die Studenten verdienen. Eigentlich ist es gut, dass einmal jemand auch ohne Coachingseminar eine Marktlücke besetzt. Eigentlich deutlich sinnvoller als etwa jene beauftragten Spendengeier, die sich einem penetrant in den Weg stellen, weil sie von Miniprovisionen abhängig sind. Behörden, legalisiert doch das Mikrounternehmertum! Es macht die Stadt bunt.

Erschienen im Falter 37/09

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Der nördlichste Ort Europas III: Wo die Rentiere sind

Erschienen im Reiseblog Tripwolf, August 2009

 

Man findet sie auf den Geröllhalden ums Dorf. Zwischen den parkenden Autos. Am Ufer der Barentsee. Sie schnüffeln an den Fensterbrettern und an den Stiegen der Hauseingänge. Sie stapfen in Rudeln durch die kalten Lacken von Gamvik.

rentiere-in-norwegenein rentier, ganz nah

Rentiere sind hier – am nördlichsten Zipfel von Norwegen – allgegenwärtig. Man kann aus einem beliebigen Fenster des Ortes blicken, im Normalfall wird man sie irgendwo herumstaksen sehen. Und am Ende des Sommer, wenn sie ihre Kälber geworfen haben, werden es noch mehr von ihnen sein. Sie vermehren sich wie die Karnickel.

 

Die Rentiere leben nicht hundertprozentig in freier Wildbahn, erfahre ich von Ellinor Utsi, einer Samin. Die Samen, früher Lappen genannt, sind die nordischen Ureinwohner. Rentierzucht ist seit Jahrhunderten ihre Domäne.

Die Samen teilen sich in verschiedene große Familien, in Clans, erklärt Frau Utsi. Die Rentiere der Halbinsel Nordkinn etwa, wo Gamvik liegt, gehören zehn dieser Familien. Insgesamt sind es rund 2000 Tiere auf der ganzen Halbinsel (es scheint deutlich mehr). Den Winter verbringen die Rentiere im Landesinneren, weiter im Süden, weg von der Küste. Im Sommer treiben sie Samen dann hinauf in den Norden.

Warum? Rentierzucht in Norwegen ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus tierischem Instinkt, menschlichem Wirtschaftstreiben und dem (norwegischen) Staat als ordnende Instanz – und als Subventionsgeber.

Zunächst zum tierischem Instinkt: Ein alte samische Legende besagt, dass die Rentiere auf den Sonnenstrahlen auf die Erde hinabgestiegen sind und auf diese Art an der nördlichen Küste eintrafen. Seitdem zieht es sie immer zu ihrem Geburtsort, der Sonne, zurück. Diese Legende hat einen wahren Kern: Die Rentiere wollen zur Sonne. Den Sommer verbringen sie an der nördlichen Küste, wo sie polartagsbedingt  24 Stunden scheint. Den Winter verbringen sie im südlicheren Landesinneren, wo die Polarnacht nicht ganz so finster ist.  Dazwischen werden sie instinktiv nervös und fangen von alleine an zu wandern – und die Samen, ihre halbnomadischen Hirten, mit ihnen.

Jetzt zum menschlichen Wirtschaftstreiben: Die Samen gewinnen aus den Rentieren Fleisch, Fell und Leder. Rentiere waren schon immer ihre Lebensgrundlage. Alle anderen Waren wurden früher gegen Rentierprodukte getauscht.

norwegische-trachtellonor utsi samt ehemann in traditioneller sami-tracht

Woher weiß man, welches Rentier zu welchem Clan gehört? Die Tiere laufen ja frei herum, es gibt keine Gehege.

Wenn die Tiere von allein in den Norden oder Süden wandern, werden sie an einem Gatter abgefangen und gezählt. Dieses Gatter liegt genau auf jener schmalen Landzunge, die die Halbinsel Nordkinn mit dem Festland verbindet. Die Samen schneiden ihnen dann kleine Kerben ins Ohr. So wissen sie, welches Rentier welcher  Familie gehört.

Die Rentierkühe gebären nur im Sommer – also an der nördlichen Küste. Das Jungtier bleibt dann ständig bei seiner Mutter. Wenn Kuh und Kalb im Herbst gen Süden wandert, gelangen sie beide ans Gatter, wo das Kalb markiert und seinen menschlichen Besitzern zugeordnet wird.

Bleibt der Aspekt des Staates als ordnende Instanz: Ich frage Ellinor Utsi, wieviele Rentiere ihre Familie besitzt. Sie erklärt mit, dass man so etwas nicht frage – das wäre ungefähr so, als würde sie meinen Kontostand wissen wollen.

Die Clans müssen jährlich beim norwegischen Staat eine Erklärung einreichen, wieviele Rentiere sie besitzen. Wie eine Steuererklärung. Wenn die Rentiere dann am Gatter zwischen Nord und Süd abgefangen, gezählt und markiert werden, kommen hin und wieder staatliche Beamte vorbei und achten darauf, ob die Zahl der tatsächlichen Tiere mit jener auf dem Formular übereinstimmt. Wie eine Steuerprüfung.

Der norwegische Staat zahlt nämlich dem Samen je Rentier eine bestimmte Summe an Subventionen. Er konvertiert sozusagen die Währung Rentier in die Währung norwegische Krone. Und sorgt auf diese Art dafür, dass das althergebrachte System der skandinavischen Rentierzucht aufrecht erhalten bleibt. Auch wenn man heutzutage nicht mehr einfach Rentierfell gegen Fisch oder Kartoffeln tauschen kann.

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Eingeordnet unter Europa, Reisen

Die Sterne und er

Georg Kindel will die große Welt zum Konzert für Michael Jackson nach Wien holen. Porträt eines österreichischen Machers

Bericht: Joseph Gepp

Es ist Donnerstag, der 27. August 2009. Georg Kindel bleibt noch ein Monat weniger einen Tag, um zu beweisen, dass das, was er hier plant, nicht nur ein großer Bluff ist.

Es wird ein „Event der Extraklasse“, sagt Kindel. „Es könnte eine jener Veranstaltungen werden, von der die Leute in einigen Jahren sagen werden: Ich war dabei.“ Eine Show, wie sie Österreich noch nicht gesehen hat. Vorbereitet von den weltbesten Produzenten und Lichtdesignern. Dargeboten von der Crème de la Crème des internationalen Showgeschäfts. Verfolgt von rund 70.000 Gästen aus aller Welt, die vor der habsburgergelben Barockfassade von Schönbrunn diesem historischen Konzert beiwohnen werden. Schwelgend im Angedenken an den größten der großen Popstars, Michael Jackson.

Es ist eine Blase, sagen Kindels Gegner.

Ein Konzert, dessen auftretende Künstler nicht einmal bekannt gegeben wurden, obwohl das teuerste Ticket 518 Euro kostet, mehr als bei jedem Rockfestival. Ein Projekt, das schon allein ob seiner größenwahnsinnigen Ankündigungen – Madonna, U2, Lionel Richie – enttäuschen muss. Eine gewaltige Geldmaschine, angeworfen von Michael Jacksons Bruder Jermaine, der nun, mit einer Milliardenöffentlichkeit im Rücken, ins Showgeschäft drängt. Und der einen vifen österreichischen Kompagnon an seiner Seite hat, Georg Kindel.

Die Stadt Wien und ein epochal angelegtes Tribute-Konzert, das fremdelt. Das stimmt misstrauisch. Das kann man sich, wie Kindels andere Veranstaltungen, vielleicht in New York oder Los Angeles vorstellen. Aber nicht hier. Meinen die Kritiker. Georg Kindel versteht sie nicht.

„Österreich“, sagt er, „ist halt nicht wie Amerika, wo dir die Leute auf die Schulter klopfen und dir deinen Erfolg gönnen. Hier gibt es einen Grundtenor, der meint: Das schafft der eh nicht.“

kindel
Foto von Heribert Corn

Georg Kindel, 41 Jahre alt, Wiener, ist ein Ex-Journalist, der heute sein Geld mit großen Namen verdient. Er holt sie nach Wien, drapiert sie in glamourösen Galanächten, führt sie über rote Teppiche, verleiht ihnen Auszeichnungen für ihre Lebenswerke, arrangiert sie in Blitzlichtgewittern. Und kleidet all dies in den Mantel des guten Zwecks. Für die Männergesundheit, die Frauenrechte, Toleranz, Umwelt, Hoffnung, Zukunft. Bisher waren es immer Preise, nun ist es erstmals ein Konzert.

Die Geschichte Georg Kindels ist die Geschichte eines österreichischen Machers, eines Scheißmichnix, geformt in der österreichweit wohl besten Lehrstube für solche Belange, der „Leute“-Redaktion des News der 90er-Jahre, unter Wolfgang Fellner. Sie ist die Geschichte eines ehrgeizigen Redakteurs, der mehr wollte als Tony Wegas, Sonja Kirchberger und Dagis große Lebensbeichte zum 60er.

Er ging forsch, frech und kühn zur Sache. Er beendete im Jahr 2000 seine journalistische Karriere, kreierte den „Men’s World Award“, später den „Women’s World Award“ und „Save The World Award“. Die internationale Prominenz, die dadurch etwa halbjährlich über Wien hereinbricht, sieht man hier sonst nicht in einer derartigen Zusammenballung. Dann schütteln sich Monica Bellucci und Königin Noor von Jordanien in der Hofburg die Hände, dann treffen Steven Spielberg und Cat Stevens einander im Haas-Haus. Dann verliert man Mausi Lugner zwei Tage lang aus dem Seitenblick, weil ungleich Wichtigeres zur Verfügung steht.

Georg Kindel organisiert aufsehenerregende Veranstaltungen, die aber auch Kritik provozieren. Denn – mit Ausnahme des Jackson-Tribute, das keinem humanitären Zweck dient – sie werfen die Frage auf, wie viel Glitzern im Namen des Guten legitim ist. Ab wann der philanthrope Charitygedanke oberflächlich und beliebig wird, der Geschäftemacherei dient, im höheren Interesse eines finanzkräftigen Sponsors, der sein Logo weithin sichtbar über den Köpfen der Ausgezeichneten platziert (siehe Kasten). Und ab wann das Argument nicht mehr gilt, man schaffe ja nur Öffentlichkeit für die aufopfernden Ärzte im Irak, die Entwicklungshelfer aus Äthiopien, die mutigen Feuerwehrhelden vom 11. September, die visionären Vorkämpfer gegen die europäische Atomkraft.

„Diese Shows sind reine Inszenierungen“, erzählt eine Teilnehmerin am „Women’s World Award“. „Sie finden im pompösen Umfeld statt. In viel zu großen, halbleeren Sälen. Ihr einziger Zweck sind die paar Pressefuzzis, die im hinteren Bereich stehen. Es gibt keine begleitenden Initiativen. Keine Aktionen, die den Preisverleihungen folgen. Sie kommen und gehen. Sie existieren nur um ihrer selbst willen. Man fragt sich, was das alles soll.“

Kindel sitzt auf dem Balkon seines Büros nahe dem Wiener Schwedenplatz, man blickt steil hinab in die verwinkelten Gässchen des alten jüdischen Innenstadtviertels. Er trägt dunkle Jeans, ein rosa Hemd von Tommy Lee Hilfiger, er trinkt Cola Light. Drinnen im Büro hängt neben einem Foto seiner beiden Kinder ein handgeschriebener Dankesbrief der ermordeten pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto. Den schmalen Bürogang bedecken lebensgroße Bilder einiger jener Prominenten, die er mit Auszeichnungen bedacht hat, Richard Branson, Morgan Freemann, Oprah Winfrey.

„Vielleicht gelingt es uns, mit unseren Veranstaltungen Menschen zu berühren“, sagt er. „Und vielleicht können wir sogar den einen oder anderen zum Nachdenken bewegen.“ Er spricht in phrasengespickten, einfachen, aber auch druckreifen Sätzen, die er oft mit englischen Wendungen abschließt, and that’s it.

Mit 22 beginnt Kindel beim Rennbahn-Express, steigt dort bald zum Chefredakteur auf. „Der war damals ein wichtiges Medium. Und wenn etwa Seal in der Redaktionsküche sitzt und Kaffee trinkt, dann lernst du bald, Prominente als das zu betrachten, was sie sind: ganz normale Menschen.“ 1992 wechselt er zur neugegründeten Nachrichtenillustrierten News. Dort schreibt er die Kolumne „Society Inside“, in regelmäßigen Abständen interviewt er dafür jene österreichischen Adabeis, die bis heute den Gutteil heimischer Klatschspalten füllen. „Unsere Vorgabe: ein Aufriss pro Woche. Auf diese Art verlierst du deine Scheu.“

Doch Georg Kindel will mehr als nur berichten. Eines Abends, in einem Fernsehbeitrag auf CNN, begegnet ihm jener Mann, den er zur Verwirklichung seiner Pläne braucht.

Kindel schickt ihm jeden zweiten Tag ein Fax, ruft immer wieder in Moskau an. Nach zwei Monaten gewährt ihm Michail Gorbatschow die gewünschte Audienz.

Der österreichische Journalist und der letzte Präsident der kommunistischen Sowjetunion treffen einander in einer schummrigen Hotelbar, „mit abgewetzten Ledersitzen, einer Discokugel und goldenen Bilderrahmen an der Wand“. Es war in Jackson, Tennessee. Dort hielt Gorbatschow, damals dauergebuchter Festredner für Frieden und Menschenrechte, einen Vortrag.

Kindel erzählt ihm von seiner Idee, einer Preisverleihung für verdiente Männer. Gorbatschow zeigt sich angetan. Aus 15 Minuten Gesprächszeit, die die Sicherheitsleute Kindel eingeräumt haben, werden zweieinhalb Stunden. Am Ende wird Kindel Gorbatschow als jahrelangen Unterstützer gewonnen haben. Dafür zahlt er in die wohltätige Stiftung des Exstaatschefs. „Gorbatschow hat mir die Tür geöffnet“, sagt Kindel. „Die Erfahrungen dieses Treffens bestätigten eine Lektion, die ich schon in meiner journalistischen Karriere gelernt habe: Ein Nein ist kein Nein.“

Zwei Monate später findet in der Wiener Hofburg der erste „Men’s World Award“ statt. Kindel sorgt für das Ambiente und die Sponsoren, Gorbatschow lockt mit seinem Namen prominente Auszuzeichnende. Maximilian Schell, José Carreras, Simon Wiesenthal und der Herzchirurg Christiaan Barnard erhalten Preise. Österreichische Politiker tauchten nicht auf; in Wien hatten manche die klingende Gästeliste samt Moderator Gorbatschow gar für Hochstapelei gehalten, so schnell war sie organisiert worden, so unvermittelt kam sie daher. Am nächsten Tag ist auf Societyseiten noch von üblichen Verdächtigen die Rede, Christiane Hörbiger, Niki Lauda am „Award“-Buffet. Die österreichischen Schreiber wissen noch nicht ganz, wie der überraschende Promieinfall einzuordnen ist.

„Kindel hat ein feines Gespür für das momentane Interesse der breiten Masse“, sagt ein Szenekenner. Dieses momentane Interesse schwappt, von Medien geleitet, wie eine Welle von Thema zu Thema. Kindel, sagt der Kenner, erfasse die Welle und verleihe ihr in einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung Ausdruck. Bis die nächste heranbrandet.

Beim ersten „Award“ ist Männergesundheit das Thema. Der Begriff „Metrosexualität“ taucht damals erstmals in Massenmedien auf, die Werbung entdeckt Kosmetikprodukte für den Mann. Kindel reagiert prompt und schreibt mit dem Internisten und Fernsehdoktor Siegfried Meryn zwei leicht lesbare Ratgeberbücher zum Thema, „Kursbuch Mann“ und „Der Mann 2000“. Sie werden Bestseller. Kurz darauf lässt Georg Kindel, der bei News noch nicht gekündigt hat, Michail Gorbatschow in einem Interview Wohlfühltipps für den Mann geben. Und einige Tage später wirbt die glitzernde Preisverleihung für rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen und sexuelle Potenz im Alter.

Beim zweiten „Award“, 2001 in der Hofburg, stehen die Anschläge vom 11. September 2001 im Mittelpunkt. In einer rührigen Zeremonie werden die New Yorker Feuerwehrleute geehrt, die todesmutig Terroropfer aus den Ruinen des World Trade Center gezerrt haben. Steven Spielberg, Alain Delon, Paul McCartney und CNN-Chef Ted Turner sind unter anderem gekommen. Türöffner Gorbatschow wirkt, seine Unterstützung legitimiert die Veranstaltung. Sie gibt ihr den erforderlichen bedeutenden, ernsthaften, humanistischen Anstrich. Sie ermöglicht auch, dass die Prominenten weder Honorare für ihr Erscheinen noch Preisgelder für die Awards verlangen – die Ehre einer Preisübergabe aus Gorbatschows Händen muss genügen. Kindel hat auf den richtigen Mann gesetzt.

Als sich Michail Gorbatschow im Jahr 2005 aus Altersgründen von seinem Engagement zurückzieht, sind Georg Kindels Veranstaltungen schon zu einer fixen Größe geworden. „Sie haben schnell eine Eigendynamik angenommen.“ Die Taktik funktioniert, die Namen werden prominenter, die Gästelisten länger. Und im Juni dieses Jahres begreift Georg Kindel das nächste momentane Interesse, das wie ein Sturm durch die breite Masse wogt: den Tod von Michael Jackson.

Der „Save The World Award“ im folgenden Monat findet im Regen statt, vor der Stahlbetonmauer des ehemaligen Kernkraftwerks von Zwentendorf. Anlässlich des Erscheinens von Jermaine Jackson, Michaels Bruder, hat Kindel die Veranstaltung kurzerhand zu einer Gedenkfeier für den Verstorbenen umkonzipiert.

Jackson kommt mit Frau und Kindern, er hält sich zum ersten Mal in Wien auf, er bleibt eine volle Woche. „Er war extrem begeistert von der Stadt und der Veranstaltung“, erzählt Kindel. „Er hat wortwörtlich gesagt: Dieser Event hat Hollywoodniveau.“ Jackson besichtigt die Ringstraße, die Spanische Hofreitschule, das Schloss Schönbrunn, in dem er sich drei Stunden aufhält. Am Ende des Besuchs tritt er mit der Idee des Tribute-Konzerts an Kindel heran. Hier, vor der beeindruckenden Barockfassade Schönbrunns, soll es stattfinden. Hier, wo er seinen vifen Kompagnon Georg Kindel kennengelernt hat.

„Ich habe mich weder angedient noch irgendwo angeklopft“, sagt Kindel. „Ich habe mich eigentlich auf einen netten Urlaub mit meiner Familie gefreut, auf einem Bauernhof bei Schladming. Aber dann kam Jermaine Jackson mit seinem Angebot. Und wenn man so eines bekommt, kann man schwer Nein sagen.“

Mit diesem Projekt, vermuten Szenekenner, könnte Kindel sich allerdings übernommen haben.

Einer von ihnen berichtet von „entsetzlichem Chaos“ bei den Konzertvorbereitungen in Kindels Büro. Die Erwartungen sind – nicht zuletzt ob der eigenen Ankündigungspolitik – immens. Jermaine Jackson trat in der CNN-Show „Larry King Live“ auf, kündigte dort vor Millionen Zusehern das Wiener Tribute-Konzert am 26. September an. Und heimische Medien bringen vergnüglich Namen ins Spiel, um sie gleich darauf als völlig illusorisch zu verwerfen.

„Acht Wochen für einen Event dieser Größenordnung sind eine verdammt kurze Zeit“, sagt sogar Kindel selbst. Er setzt auf Jermaine Jackson, der „die Stars organisiert“. Der Tod seines Bruders hat Jermaine zwar zur wichtigen Figur werden lassen, dennoch zweifeln manche an seinen Kontakten zu den gewünschten Prominenten – bei der Trauerfeier für seinen Bruder in Los Angeles tauchte fast nur die schwarze Künstlergemeinde der USA auf. „Selbst wenn es Jackson gelingt, beispielsweise Madonna anzurufen“, sagt etwa Veranstalter Herbert Fechter, ein Branchenkollege Kindels, „und er sie zu einem Wien-Auftritt überreden kann – sie muss den Termin mit ihren Verpflichtungen in Einklang bringen, mit Agentenwünschen und übervollen Kalendern.“ Und was, wenn das in der kurzen Zeit nicht funktioniert? „Dann schickt sie halt eine kurze Videobotschaft.“

Georg Kindel wird sein ganzes Gewicht, seine Kontakte, die neun Jahre seiner „Awards“ in die Waagschale werfen müssen. Denn am Samstag, dem 26. September 2009, in einem Monat weniger einen Tag, wird feststehen, ob das alles nicht nur ein großer Bluff gewesen ist.

Kimmel, Baha, Jackson – Die Sponsoren und Helfer Georg Kindels

Kindels Firma ist die 2005 gegründete World Awards GmbH in der Marc-Aurel-Straße. Dort arbeiten rund 20 Personen permanent an der Vorbereitung des Konzerts, wobei zahlreiche Aufgaben an andere Firmen im In- und Ausland ausgelagert wurden.

Vor 2005 sponserte vor allem der Unternehmer und Coachingbuchautor Peter Kimmel die Veranstaltungen Kindels. 2005 trat, zeitgleich mit der Gründung der World Awards GmbH, der Hedgefonds Superfund als neuer Hauptsponsor auf. Superfund, gegründet vom Wiener Expolizisten Christian Baha, gilt branchenintern als umstritten, weil die Investments von einem Computer getätigt werden, der kein Korrektiv durch Menschen zulässt. Das grüne Superfund-Logo ist bei Kindels Veranstaltungen regelmäßig großzügig platziert. Experten nennen den Werbewert „unbezahlbar“ – wegen geballter Prominenz und weltweiter Fernsehpräsenz. Beim Jackson-Tribute wird sich Superfund jedoch im Hintergrund halten. Da die Sponsorverträge mit dem Finanzdienstleister trotzdem weiterlaufen, bleibt Georg Kindel nach eigener Aussage im Fall seines Scheiterns vor einem finanziellen Desaster bewahrt.

Laut Kindel wurde bereits „die Hälfte“ der rund 65.000 Tickets für das Jackson-Tribute verkauft. Nach anderen Quellen beträgt das bisherige Verhältnis zwischen In- und Ausländern bei den Verkäufen etwa 50:50. 1400 Mitarbeiter werden rund ums Konzert im Einsatz sein. Die Künstler bekommen kein Honorar, aber sämtliche Spesen. Der Vertrag mit Schönbrunn wurde vergangenen Donnerstag unterzeichnet.

Die Karten werden gestaffelt vertrieben, um den Schwarzmarkt zu unterbinden. Beim Verkaufsstart vor zwei Wochen ging einiges schief: Erst brach die Internetseite des Veranstalters zusammen. Dann sorgte ein Hackerangriff dafür, dass neben einer Preiskategorie „eh auch super“ zu lesen war. Auf die Frage, welche Künstler fixiert sind, antwortet Kindel: „Das müssen Sie Jermaine Jackson fragen.“ Am 7. September soll im Rathaus in Anwesenheit Jacksons und Vizebürgermeisterin Renate Brauner das Line-up bekanntgegeben werden.

Als Geschäftsführer der World Awards GmbH fungiert neben Kindel auch der Steuerberater Roman Gregorig. Der war vorher für das Börsensoftwareunternehmen TeleTrader tätig, das seinerseits auf Superfund-Chef Christian Baha zurückgeht.

Erschienen im Falter 36/09

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STADTRAND – Ein geschickter virtueller Kriminalfall

Kennen Sie Jane Bürgermeister? Das ist eine investigative Journalistin aus Wien, freischaffend tätig, wohnhaft im 18. Bezirk, Gentzgasse 14/9/12. In Nächten unermüdlicher Recherche hat Bürgermeister herausgefunden, dass die WHO und der US-Pharmakonzern Baxter einen Anschlag mit Grippeviren durchgeführt haben – und jetzt von den Folgen profitieren. Bürgermeister hat sofort geklagt. Eine Kopie der Klage samt Stellungnahme des österreichischen Gesundheitsministeriums und diverser anderer Dokumente finden sich im Internet zum Download. Jane Bürgermeister gibt Interviews, betreibt einen Weblog, hat sogar einen Wikipedia-Eintrag. Und doch ist sie nur eine – zugegebenermaßen geschickte – Internetente. Kürzlich wurde Jane Bürgermeister vom Webmagazin Renewable Energy World gefeuert, berichtet sie. Ihre Recherche kam dem Arbeitgeber offenbar ungelegen. Jetzt kann man sie mit Spenden unterstützen. Die Bank-Austria-Kontodaten stehen auf ihrer Homepage – und Jane dankt jedem Spender mit einer kurzen Erwähnung in ihrem Weblog.

Erschienen im Falter 36/09

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