Monatsarchiv: Mai 2009

Eine Stadt: Sarajewo

“Klein-Jerusalem” nennt man die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, aber weniger wegen der Vielzahl an Kirchen, sondern wegen dem konfliktträchtigen Zusammenleben der Religionen. Katholiken, Orthodoxe, Muslime und sogar einige verbliebene sephardische Juden leben in diesem Teil Europas. Die Stadt selbst ist osmanisch geprägt. In Sarajewo beginnt der Orient.
Die schmalen Gässchen der Altstadt führen zu alttürkischen Pavillons mit schattenspendenden Vordächern und fast lichtundurchlässigen Fenstern. Die Geschäfte sind eng und vollgedrängt, man verkauft Kugelschreiber, die aus Patronenhülsen des Kriegs gefertigt wurden.
Weiter draußen liegen k. u. k. Verwaltungsgebäude, manche noch zerstört von der Belagerung durch die Serben 1992 bis 96. Und noch weiter draußen, unweit der einst gefürchteten “Sniper Alley”, steht zwischen zerschossenen Plattenbauten eine riesige Moschee, gebaut aus Mitteln des radikalislamischen Regimes von Saudi-Arabien.
Es gibt zwei Typen von Sarajewo-Touristen: Die einen bestaunen mit offenem Mund die unerwartet orientalische Anmutung, die sich hier ausbreitet. Die anderen stehen ungläubig zwischen Kriegsruinen oder klettern durch den schmalen Tunnel, der einst als einziger Ausweg aus der belagerten Stadt führte. Und beide fragen sich, in welchem Jahrhundert sie eigentlich gelandet sind.
Joseph Gepp

9 Stunden Autofahrt (über Zagreb und Banja Luka), Busse u. a. von Erdberg, Züge von West- und Südbhf.

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Eingeordnet unter Balkan, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Reisen

Unerwünschte Kunden

Bankkonten, Handyverträge, Autovermietungen. Wie Ausländer am Dienstleistungsmarkt diskriminiert werden

Bericht: Joseph Gepp

Stephansdom, Riesenrad und die Ringstraße. Und dazwischen Westösterreich, mit Schladming, Salzburg und Tirols Bergen.

Das alles hat sich Dimitar Petrow*, 37, samt Familie für seinen Urlaub in Österreich vorgenommen. Der Bulgare bucht einen Flug, ordert über ein Wiener Reisebüro einen Mietwagen. Als Petrow allerdings die Donaustädter Filiale der Autovermietungsfirma Buchbinder betritt, um den reservierten Wagen abzuholen, erfährt er: An Osteuropäer vergibt das Unternehmen keine Mietautos. EU und Dienstleistungsfreiheit hin oder her. Eine Ausnahme könne nur gemacht werden, wenn Petrow ein Pfand von 4000 Euro hinterlegt. Aber wie ein U-Häftling Kaution zahlen, das will der Reisende dann doch nicht. Zuletzt mietet ein befreundetes österreichisches Paar und nimmt das Auto unter seinem Namen in Empfang.

Das Reisebüro, bei dem Petrow gebucht hatte, wusste nichts von den Usancen bei Buchbinder. „Du kriegst also kein Auto, wenn du Osteuropäer bist“, sagt die Chefin des Büros. „Ich frage mich, in welchem Land und Jahrtausend wir eigentlich leben.“

Auf Nachfrage bestätigt Buchbinder das Procedere. Je nach Fahrzeug müssten nichtösterreichische Staatsbürger 3000 bis 4000 Euro Kaution hinterlegen. Sicherheitshalber. „Von Österreichern verlangen wir dafür einen Meldezettel.“ Andere Autovermietungen würden das auch so handhaben, „das sind die Bestimmungen“.

Beim Konkurrenzkonzern Avis widerspricht man: „Nein, Nichtöster-reicher müssen bei uns sicher nicht 3000 Euro hinterlegen“, erklärt hier die Kundendienstdame. „Ich glaube auch nicht, dass das Usus im Geschäft ist.“ Wegen möglicher Ersatzforderungen würde sich Avis nur ausbedingen, im Schadensfall auf die Kreditkarte seines Kunden zuzugreifen.

Was ungefähr so wirkt, als würde man Schwarzen wegen ihrer Hautfarbe den Eintritt in die Disco verwehren, entpuppt sich bei genauerem Blick als gar nicht so unüblich. Ratenzahlungen, Handyrechnungen am Monatsende, Bankkonten mit Überziehungsrahmen – sobald jene Kleinstkredite ins Spiel kommen, die wir alle Tag für Tag in Anspruch nehmen; sobald Vertrauen in die Kunden erforderlich ist, werden Firmen bei Ausländern vorsichtig. Dieses pauschale Misstrauen schadet dann allen und nicht nur den Problemkunden. Aber das nimmt man dabei in Kauf.

Je nach Produkt und Branche schließt man die ausländischen Staatsbürger überhaupt vom Geschäft aus, unterscheidet zwischen EU- und Nicht-EU oder verlangt spezielle Sicherheiten. Denn säumige Ausländer verursachen mehr Verwaltungsaufwand als säumige Inländer. Trotz EU und Dienstleistungsfreiheit.

Das spürt etwa Ana Milicevic*. Die 24-jährige Kroatin lebt seit mehr als zehn Jahren in Wien, studiert Pharmazie, spricht akzentfreies Deutsch. Ihr Alltag gestaltet sich dennoch nicht so einfach wie jener von österreichischen Staatsbürgern. Denn wenn Milicevic bei Handyanbietern und Banken ihre Nationalität bekanntgibt, werden Kundenbetreuer hellhörig.

Als die junge Frau ein Studentenkonto bei der Bank Austria einrichten wollte, verwehrte man ihr Überziehungsrahmen und Bankomatkarte. „Die Begründung war, dass ich Schulden machen und mich dann in mein Heimatland absetzen könnte.“ Jetzt muss die Studentin zur Geldbehebung zu offenen Filialen oder Bank-Austria-Foyers pilgern. „In Österreich ist das, abgesehen von der Sucherei, kein großes Problem. Blöd wird es erst, wenn man einmal im Ausland ist und keine Kreditkarte bei sich hat.“

„Generell inkludiert jedes Studentenkonto Bankomatkarte und Dispo-Funktion von bis zu 3000 Euro“, heißt es dazu aus der Bank-Austria-Pressestelle. „Wie hoch der Rahmen tatsächlich ist, entscheidet aber der einzelne Kundenbetreuer.“ Und der ließ bei Milicevic offenbar Vorsicht walten.

Ein Jahr später bemühte sich die Kroatin um einen Handyvertrag mit Telering. „Sie lehnten ab, weil ich weder EU- noch EWR-Bürgerin bin.“ Dazu sagt die Telering-Sprecherin: „Sofern ein Aufenthaltstitel und ein österreichisches Bankkonto vorhanden ist, bekommen Nicht-EU-Bürger normalerweise Verträge bei uns. Im Einzelfall entscheiden das aber die Mitarbeiter der Bonitätsabteilung.“

Als Milicevic bei Telering vorsprach, verfügte sie über Konto und Aufenthaltstitel. Schuldenfrei war sie außerdem, also konnten auch die Bonitätsprüfer keine Einwände gehabt haben. Trotzdem bekam sie keinen Vertrag. Am Ende entschied sie sich für den teureren Tarif des damaligen Anbieters One. Dort spielte die Nationalität keine Rolle. „Als ich mich später bei Telering beschwerte, sagte der Telefonist:, Wir können uns halt unsere Kunden aussuchen.'“

Die Kunden aussuchen. Es sind zwei Prinzipien, die hier einander gegenüberstehen. Einerseits gebietet die EU – zumindest, was ihre Mitgliedsstaaten betrifft – Dienstleistungsfreiheit. Von Wirtschaft und Politik unterstützt, propagiert sie die Grenzenlosigkeit des Marktes und gleiche Bedingungen für alle Kunden.

Andererseits gilt aber in Rechtsstaaten das Prinzip der Vertragsfreiheit. Das heißt, ein Betrieb darf selbst abschätzen, was mehr gilt: der Gewinn nach einem Geschäft oder der mögliche Verlust nach Komplikationen mit Problemkunden. Er darf sich seine Kunden tatsächlich aussuchen.

Rechtsanspruch auf die Leistung bestehe nur bei Monopolunternehmen wie den ÖBB, erklärt Ulrike Wolf vom Verein für Konsumenteninformation. „Alle anderen dürfen ein Geschäft verweigern. Es handelt sich ja nicht um klassische Diskriminierung wegen Hautfarbe oder Religion. Der Ausschluss lässt sich durchaus mit unternehmerischen Zwecken rechtfertigen. Zum Beispiel mit möglichen Schwierigkeiten bei Einklagbarkeit.“

Nach sechs Tagen verlässt Dimitar Petrow Wien und fliegt zurück nach Sofia. Es bleibt das unangenehme Gefühl, in Österreich nicht richtig willkommen gewesen zu sein.

* Namen von der Redaktion geändert

Erschienen im Falter 20/09

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Konsum, Migranten

Nachgesehen

Der Schauplatz, in der Stunde nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Nahost am Donaukanal: dort Tel Aviv Beach, hier Gaza Beach


Joseph Gepp

Vorne das Wasser und hinten eine Mauer, das sei der Gazastreifen, sagen die Palästinenser. Und das sei heute auch ein Streifen Asphalt neben dem Flex, zwischen Donaukanal und Kai. Dort versammelten sich am Sonntag Araber und Linksaktivisten, um gegen die Eröffnung des Tel Aviv Beach zu demonstrieren. Wobei ihr Gaza Beach praktischerweise gleich gegenüber lag. So tönen arabischer Pop und Brandreden auf die andere Seite, wo Diplomaten und Politiker vor der nachgemalten Skyline Tel Avivs koscheren Rotwein trinken. Denn Partys feiern und gleichzeitig Kriegsverbrechen begehen, das gehe nicht, sagt Demoorganisator Willi Langthaler. Und deshalb sei man jetzt hier. Eine Stunde später hat sich die Demo auf wenige Menschen reduziert. Drüben trifft gerade Israels Botschafter ein, unter massivem Polizeischutz. Zwei muslimische Mädchen stehen am gegenüberliegenden Ufer, umschlungen schauen sie auf die andere Seite, zu den Feiergästen des Tel Aviv Beach.

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Foto von Heribert Corn

Erschienen im Falter 20/09

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Eingeordnet unter Migranten, Weltpolitik, Wien

Melange mit Handschlag

Wo wird in Wien Lobbying betrieben? Wo fallen bei Kaffee und Kuchen wichtige Entscheidungen? Ein interessengeleiteter Stadtspaziergang

Bericht: Joseph Gepp

Auf halbem Weg zwischen Berlin und Belgrad liegt ein Städtchen namens Wien. Globale Entwicklungen, hieß es früher, würden dieses Städtchen langsamer erreichen als manches andere – und wenn sie kommen, dann sei das auch nur halb so schlimm.

Vielleicht ist der „Lobby Planet“ deshalb in Berlin erschienen. Dort ist Lobbying ausgeprägter als in Wien. Es beschreibt die informelle Einflussnahme auf öffentliche Entscheidungsfindung durch Firmen, NGOs und andere Interessengruppen. Der Ausdruck kommt von „Lobby“, der Vorhalle des britischen Parlaments.

Lobbying kann man auf zwei Arten definieren: Im strengen Sinn gibt es Verbände, die für Branchen und Konzerne arbeiten. Sie beschäftigen registrierte Lobbyisten. In Berlin tummeln sich davon etwa 3000, in Washington, D.C., 60.000, für Wien existiert keine derartige Registrierung.

Breiter und allgemeiner gefasst bedeutet Lobbying, dass wichtige Menschen wichtige Menschen treffen, um wichtige Dinge zu besprechen. Und das möglichst bei einem Kaffee und im gemütlichen Rahmen.

Der neue Berliner „Lobby Planet“ ist ein „Reiseführer durch den Lobbydschungel“, angelehnt an den Guide „Lonely Planet“, herausgegeben von der deutschen Initiative Lobby Control. Wer in Berlin Lobbying erleben will, der gehe etwa in den China-Klub des Hotels Adlon, schreiben die kritischen Aktivisten, die auch Touren durch die Stadt anbieten. Dort etwa trifft man die Entscheidungsträger im diskreten Gespräch, für 1500 Euro Klubbeitrag jährlich, exklusive Speisen und Getränke.

In Wien hingegen, dem Städtchen zwischen Berlin und Belgrad, sei Lobbying kaum ausgeprägt, hieß es früher. Vergleichbare Klubs gibt es kaum. Aber auch hier fallen wichtige Entscheidungen. So dürfte Wiens Funktion als wirtschaftliche Drehscheibe für Osteuropa gerade jetzt für einigen Gesprächsstoff sorgen.

Wo aber plauscht hier der Politiker mit dem Firmenvertreter? Wo erklärt der Banker dem Industriellen die Lage am Finanzmarkt? Wo findet Lobbying statt? Wo werden Entscheidungen gefällt, Versprechungen gemacht, Leitlinien festgelegt?

„Es ist nicht so, wie man sich das vorstellt. Es ist nicht der Golfplatz oder die Sauna“, sagt eine PR-Fachfrau. Und nicht das Edelbordell Babylon, ergänzt ein Kollege. „Das meiste findet immer noch in Sitzungszimmern statt“, sagt ein Politiker. Und ein Wirtschaftstreibender meint, dass man sich gerne bei diversen Events treffen würde, etwa in der VIP-Zone des Stadions.

Der Falter fragte Wirtschaftstreibende, Banker, Journalisten, Politiker und PR-Fachleute nach je drei Orten, an denen sich Entscheidungsträger treffen. Da Lobbying hierzulande keinen guten Ruf genießt – Beispiel: Alfons Mensdorff-Pouilly, der für Rüstungsfirmen lobbyierte und darauf in U-Haft saß -, wurde weitgehend verzichtet zu sagen, wer welchen Tipp gegeben hat. Ein „Lobby Planet“ für Wien.

Lobby Control (Hg.): Lobby Planet Berlin. Der Reiseführer durch den Lobbydschungel. 168 S., € 7,50 plus Versandkosten. Zu beziehen unter: http://www.lobbycontrol.de

Auskunftspersonen

Hannes Androsch, Wirtschaftstreibender
Christoph Edelmann, Accedo-Chef
Brigitte Ederer, Siemens-Österreich-Chefin
Michael Fleischhacker, Presse-Chefredakteur
Alexandra Föderl-Schmid, Standard-Chefredakteurin
Thomas Hofer, Politikberater
Joe Kalina, Unique-Relations-Chef
Christian Konrad, Raiffeisen-Chef
Christoph Leitl, WKÖ-Präsident
Andreas Mailath-Pokorny, Wiener Kulturstadtrat
Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftsminister
Peter Menasse, Communication-Matters-Chef
Claus Pandi, Krone-Österreich-Chef
Wolfgang Rosam, Rosam Communications
Siegmar Schlager, Falter-Geschäftsführer
Beatrix Skias, Hochegger/Com-Chefin

Orte

Kronen Zeitung 19., Muthgasse 2 Spitzentipp vieler Befragter – nur am Ort selbst gibt man sich bescheiden: Hans Dichands Worte
von der Krone als „Vorhof der Macht“ sind legendär. Ganz so
vorhofseitig scheint die Wahrheit aber nicht zu liegen:
Kürzlich machte SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied ihre
Aufwartung, um für Unterstützung im Lehrerstreit zu werben –
erfolgreich, wie Krone-Berichte zeigten. Und auch Bundeskanzler
Faymann wandelte schon über die schmucklosen Linoleumböden der
Muthgasse

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Foto von Heribert Corn

Café Landtmann 1., Dr.-Karl-Lueger-Ring 4 Spitzenreiter fast
aller Befragten. „In Deutschland wäre es undenkbar, an einem
Ort geballt viele Entscheidungsträger und Medienleute zu
treffen“, sagt eine Journalistin. Ein PR-Fachmann ergänzt: „Wer
wissen will, was am nächsten Tag an Politikinterviews in den
Tageszeitungen steht, braucht nur ins Landtmann zu gehen.“ Eine
Trendwende könnte sich aber abzeichnen: „Man muss ja schon fast
Angst haben, wer neben einem sitzt“, sagt eine andere
PR-Expertin. „Versierte weichen daher in Hotellobbys aus“

Die Lobby 1., Löwelstraße 20 Gleich neben dem Landtmann liegt das Veranstaltungslokal der Agentur Accedo, in dem man – laut
Homepage – „höchst diskret über die wirklich wichtigen Themen
reden kann“. Ein „Ort der absoluten Verschwiegenheit“, der
besonders von Geschäftsleuten geschätzt wird

Konditorei Sluka 1., Rathausplatz 8 Ein Hot Spot für
Gemeindebeamte und alle, die mit der Gemeinde Wien befasst sind

Ministerrat im Kanzleramt 1., Ballhausplatz 14 Jeden Dienstag warten Journalisten auf das Ergebnis der Ministersitzung. Das Foyer dient für Informationen aus der Spitzenpolitik. Und nach
der Pressekonferenz lassen sich Politiker zum Gespräch abfangen

Restaurant Kanzleramt 1., Schauflergasse 6 Hier, unweit der
großen Amtsgebäude, treffen sich vor allem Politinsider und
Politiker

Parlament 1., Dr.-Karl-Renner-Ring 1-3 Vor einigen Jahren
wollte ein Branchenverband einen eigenen Lobbyingraum im
Parlament etablieren, samt Lobbyisten-ID für den Eintritt ins
Hohe Haus. Andreas Khol, damals Nationalratspräsident, lehnte
ab: Mit normalem Besucherpass und regulärem Termin gehe es doch
ebenso gut

Restaurant Novelli 1., Bräunerstraße 11 Hier finden sich vor
allem Regierungsmitglieder und Geschäftsleute ein

Bar im Hotel Bristol 1., Kärntner Ring 1 Ende der 90er traf
sich hier monatlich der Lombard-Club, die Generaldirektoren
österreichischer Banken, zum Plaudern über Einlagenzinssätze,
Kreditzinsen, Gebühren, Geldtransfers und Exportfinanzierungen
– die übereifrige EU nannte das gleich Kartellbildung. Bis
heute beliebt, auch bei Krone-Chef Dichand

Zum Schwarzen Kameel 1., Bognergasse 5 Die diskreten Nischen des Haubenlokals bilden einen beliebten Treffpunkt für
Politiker und Geschäftsleute

Fabios 1., Tuchlauben 6
Der Klassiker mit großem Wintergarten
und exorbitanten Preisen. „Sehen und gesehen werden. Nichts für
intime Treffs“, sagt ein PR-Profi

Café Korb 1., Brandstätte
Hier treffe sich, sagt eine
Journalistin, „vorzugsweise die Klientel aus dem künstlerischen
und linken Bereich“

Raiffeisen-Haus 2., Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1
„Im
Büro von Raiffeisen-Chef Christian Konrad laufen die Fäden von
Politik, Wirtschaft und Medien zusammen“, sagt ein Journalist.
Und auch der Generalanwalt höchstselbst antwortet freimütig auf
die Falter-Frage nach Orten, wo sich Meinungs- und
Entscheidungsträger treffen: „Das Raiffeisen-Haus Wien“

Prater-Hauptallee 2., Prater Beim Joggen kommen die Leute
zusammen, sagt ein Politiker. Und dafür sei die Hauptallee
ideal

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Die Hauptallee, Foto von Heribert Corn

Café Engländer 1., Postgasse 2 Das Café Engländer ist bei
Kulturschaffenden, Werbeleuten und Medien, insbesondere dem
ORF, ein beliebter Treffpunkt

Do&Co Haas-Haus 1., Stephansplatz 12 Laut einem PR-Profi ist das hochgelegene Restaurant „der bevorzugte Platz einiger
Topeinflussgrößen“, vor allem aus dem Bankensektor

Café im Hotel Imperial 1., Kärntner Ring 16
Ins Imperial-Café
weichen laut PR-Fachfrau jene aus, denen das Café Landtmann zu
voll und indiskret ist. „Hier findet man fast alle großen
Wirtschaftstreibenden“

Zigarrenclub 3., Neulinggasse 37
Das Veranstaltungslokal der
Agentur Pleon Publico wurde von PR-Profi Wolfgang Rosam
gegründet

Erschienen im Falter 19/09

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Eingeordnet unter Wien

STADTRAND – Das Anzengruber in der Werbung

Im Grunde berührt Werbung das Leben nicht besonders. Sie berieselt sanft, bevor sie ohne viel Aufhebens am riesigen Friedhof der vergessenen Belanglosigkeiten zu Grabe getragen wird. Es sei denn, Budweiser wirbt. Denn kürzlich verfiel die tschechische Biermarke auf die unkonventionelle Idee, ganz normale Wiener in ihre glitzernden Reklamen zu heben. Sie müssen nur irgendwie mit Bier zu tun haben. Und so kam Tomi in die Werbung. Tomi, der sympathische Kellner vom Café Anzengruber, bei dem man schon mal anschreiben lassen kann, der selbst im übervollsten Stress noch gelassen und freundlich bleibt. Genau dieser Tomi grinst nun glänzend und leicht gephotoshopt von U-Bahn-Wänden und Rolling Boards. Das soll nicht sein. Das verletzt die persönliche Sphäre. Bei McDonald’s kann man nicht anschreiben, im Anzengruber schon, das macht den Unterschied. Sollen sie doch McDonald’s nehmen, die Werber, aber nicht Tomi. Sollen sie doch Naomi Campbell oder Werner Faymann auf Plakate heben, aber nicht Tomi! Ab heute trinke ich nur noch Starobrno!

Erschienen im Falter 19/09

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Eingeordnet unter Stadtleben, Stadtrand, Wien