Monatsarchiv: Mai 2009

STADTRAND – Begreifen wir es endlich! Wien hat keinen Strand!

„Unter dem Pflaster, der Strand.“ Was für ein wunderbarer Spruch. Vielleicht der einzige, der von 1968 bleiben wird. Denn wenn auch der Klassenkampf verschwunden ist, die Suche nach Freiräumen bleibt. Wir wollen durch die Stadt strolchen. Nicht sein, wo alle sind, nicht Bier trinken, wo alle trinken. Wir wollen den Strand. Und der liegt in Wien bekanntermaßen am Donaukanal. So gehen wir also dorthin, aber nicht in eins der Lokale, sondern direkt ans Ufer. Mit der mitgebrachten Dose am Asphalt und den Füßen im Wasser. Spätestens dann stellt sich aber heraus, dass Freiraum in einer 2-Millionen-Stadt relativ ist. Denn Strand und Natur wollten in 2000 Jahren Stadtgeschichte offenbar alle. Zumindest sieht der Kanal danach aus. Das Wasser ist eine grüngelbe, völlig undurchsichtige Brühe. Mit mysteriösen Strudeln, die Blätter, Kippen und derlei in die Tiefe saugen. Jeden Moment könnte eine Ratte, ein Taucher oder noch was Schlimmeres aus dem Schleim hüpfen, fürchten wir. Also doch keine Füße im Wasser. Schnell zurück in die Zivilisation. Bevor was passiert.

Joseph Gepp sucht den Strand und findet S******

Erschienen im Falter 22/09

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Wie Gewalt entsteht

Wenn Hooligans aufeinandertreffen, fliegen die Fetzen. Nicht nur im Umkreis des Stadions

Reportage: Joseph Gepp

Vergangenen Donnerstag, 21 Uhr, erreicht ein Zug den Westbahnhof. Es ist einer von vielen. Aber diese Ankunft hat Konsequenzen.

Denn es warten Rapid-Hooligans auf die aus Linz kommenden Austria-Anhänger. 40 Polizisten stehen gegen rund 210 Fans. Ein Fenster birst, Aschenbecher und Sessel fliegen hin und her. Sechs Polizisten erleiden Prellungen und Gehirnerschütterungen.

Es sind bedenkliche Szenen, die sich diesen Abend in Mariahilf abspielen. Denn der Konflikt setzt sich fort, als darauf Dutzende Polizeiwägen eintreffen. Die Fans fliehen stadtwärts, sie laufen die Mariahilfer Straße hinab, Feuerwerkskörper bringen den Verkehr zum Stillstand. Mit der Polizei spielen die Hooligans Katz und Maus. In der Stiegengasse werden sie eingekesselt, vier Festnahmen und etliche Durchsuchungen folgen, auf der Straße liegt das Geschirr der umliegenden Schanigärten.

Es war ein Gewaltausbruch von „üblichen Verdächtigen“, sagt ein Polizeisprecher. Nur spielte sich der Krawall mitten in der Stadt ab, und nicht – wie sonst – im Umkreis des Stadions. Viele der Hooligans waren maskiert und trugen Fraktur-Logos von Fan-Gruppen wie „Ultras“ und „Alter Garde“. „Ein Maskierter riss zwei Aschenbecher und ein Bierglas von meinem Tisch“, erzählt eine Frau, die in einem Kaffehausgarten saß. „Rennt, ihr Juden“, hätten die Hooligans den Austria-Fans nachgeschrien, die Zeugin dachte zuerst an Rechtsradikale.

So vermischte sich an diesem Abend modernes Fantum mit Feindbildern und Symbolen von einst. So herrschte in Mariahilf eine Stunde lang Ausnahmezustand.

Erschienen im Falter 22/09

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Albertgasse 18

Böse Schülerblicke. Lehrer mit Tränen in den Augen. Ein hilfloser Direktor. Zu Besuch in einem Gymnasium, das über Nacht zur „Nazischule“ gestempelt wurde

Reportage: Stefan Apfl, Joseph Gepp

Die Geschichte beginnt mit einem schlechten Witz in Auschwitz. Sie endet vorläufig mit Gabrielle Jelencsics, die wütend reagiert, als ihr eine Ö3-Reporterin ihr ein Mikro unter die Nase hält. Die Mittvierzigerin sagt nur, dass sie gar nichts sagen werde. Denn Medien seien „nicht unbedingt an der Wahrheit interessiert“. Wenn sie etwas in den turbulenten letzten Tagen gelernt habe, dann das. Wie zum Beweis deutet sie auf einen Vater, der mit gesenktem Blick vor dem Konferenzzimmer steht. Und auf eine Kollegin, die ihre Tränen unterdrückt.

Seit Ende April einige von Jelencsics‘ Schülern in Auschwitz antisemitische Witze gemacht haben sollen, ist das Realgymnasium Albertgasse in der gutbürgerlichen Josefstadt nicht mehr das, was es war. Denn nun will die Öffentlichkeit wissen, ob sich ausgerechnet hier, am westlichen Rand des Achten, im Herzen Wiens, ein Nest von Rechtsradikalen gebildet hat.

Die Vorwürfe stehen in einem Dossier des Gedenkreiseveranstalters March of Remembrance and Hope (Morah), das der Falter vor zwei Wochen veröffentlicht hat. „Es muss einen Grund gegeben haben, warum alle die Juden umbringen wollen“, soll ein Schüler gesagt haben. Und: „Na sehr gescheit war der Herr Gescheit nicht. Wenn er in den Zug gestiegen ist.“ Und: „Die Juden gehören einfach vergast.“ Morah schickte die Klasse deshalb nachhause.

Was in welchem Zusammengang gesagt wurde, ist strittig. So soll laut Schule der Satz „Die Juden gehören einfach vergast“ niemals gefallen sein.

Unstrittig ist hingegen, dass das Renommee der Albertgasse über Nacht Schaden genommen hat. Daran änderte auch die Nachschulung dreier Lehrer und die Verwarnung von fünf Schülern nichts. Ebenso wenig der – offiziell wegen einer Rauferei erfolgte – Rausschmiss des laut Morah „manipulative Wortführer der Gruppe“.

Denn die Vorwürfe kommen zeitlich ungelegen. Gerade jetzt passen sie in ein Muster, das scheinbar eine neue Welle an Antisemitismus in Österreich zeigt. Die Gummigeschoßattacke auf KZ-Opfer im oberösterreichischen Ebensee. Die Zeitungsdebatten über rechte Jugendliche. Das Hotel im Tiroler Serfaus, das jüdisch-orthodoxe Gäste abweist. Das FPÖ-Inserat, das vor Israel in der EU warnt. Und jetzt die Albertgasse, das unauffällige Josefstädter Gymnasium, bisher vorbildlich, gerade was den Umgang mit dem Holocaust betrifft.

Vor dem ersten Läuten um acht Uhr morgens spazieren hier Schüler die baumgesäumte Einbahn entlang. Einige kauen noch am Burger, den sie bei McDonald’s an der Ecke geholt haben. Nach dem Läuten ist die Straße wie leergefegt. Hier kommt man pünktlich. Hier erscheint man nicht in abgetragener Beinkleidung, rennt und schreit nicht.

Besucher betreten zunächst die Aula. „Das Geheimnis der Versöhnung“, steht auf einem Pfeiler, und die Antwort findet sich an der Wand: „Erinnerung“. Das Mahnmal erinnert ans Dritte Reich, als „nichtarische“ Klassen separiert wurden. Die Schüler kennen dieses Kapitel der Geschichte, es wird ihnen immer wieder gelehrt.

albertgasseerinnerung
Das Mahnmal (Foto von Heribert Corn)

Klassenfahrten nach Mauthausen und Auschwitz, Kooperationen mit den Jüdischen Museen in Wien und Eisenstadt – unter Wiens Pädagogen gilt die Schule als Vorreiter der Vergangenheitsaufarbeitung.

„Wir distanzieren uns klar von Antisemitismus“, sagen daher die Schülervertreter Jakob Angeli und Marie Bugingo sofort. Ja, blöde Sprüche habe es gegeben. Aber Judenhass an der Albertgasse? „Unsinn.“ Die beiden spulen die Vorteile ihrer Schule herunter, den Unterricht, das vertraute Verhältnis zu Lehrern. Das sind keine Rebellen, keine jungen Wilden. Eher professionelle Jungpolitiker, adrett gekleidet, akkurat in Wort und Gestik. Nach dem Gespräch räumen sie die Pappbecher von den Aulatischen. Denn das mache man hier so.

Wer abseits der beiden Sprecher in diesen Tagen Schüler anredet, wird nur mit bösen Blicken bedacht. Vielleicht wurde ihnen nahegelegt, nicht zu sprechen. Wie auch sonst niemand hier sprechen will. Die Lehrer antworten schnippisch, der Direktor greift nicht nach der ausgestreckten Hand des Gastes. Sie alle wirken traumatisiert – und solidarisch miteinander. Hier die Schule; dort eine feindselige Öffentlichkeit mit der immerselben Frage: Was ist nur los an eurer Nazischule?

Selbst den Schülervertretern will keine Kritik über die Lippen kommen. Die zu schrille Schulglocke vielleicht. Die Hausschuhpflicht eventuell. Die letzte Klosprengung, der letzte Bombenalarm, das war lange vor Angelis und Bugingos Zeit.

Mit dem vielzitierten Rechtsruck der Jugend können sie nicht viel anfangen. Als die FPÖ 2000 in die Regierung polterte, war Angeli gerade acht. Natürlich gebe es heute Halbwüchsige, die im Unterricht Straches Argumente kopieren, sagt er. Nur gebe es die überall. Auch in der Josefstadt.

Der achte Wiener Gemeindebezirk wird seit 2005 von den Grünen regiert. Die Freiheitlichen halten gerade fünf Prozent. Daran ändern auch die zahlreichen Burschenschaften nichts, die in der Josefstadt traditionell zuhause sind. „Unangenehme Läuse im Pelz“ nennt sie Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian. „Aber Probleme mit Rechten haben wir keine.“

Es ist das Grätzel der Hofratswitwen, des Café Eiles und der schmucken Josefstädter Straße, wo Heinz Fischer wohnt. Wochentags herrscht in den Gründerzeitgassen Sonntagsatmosphäre, sonntags scheint die Zeit gar stillzustehen. Dann trifft sich die Oberschicht in den Cafés zum Sektbrunch. „Maria Hilf, ein Josefstädter“, witzelt man im Rest von Wien. Aber das ist nur eine Seite, jene zur Innenstadt hin. Die andere Seite zieht sich von der Albertgasse nach Westen. Hier liegen mehrere Studentenheime, westlich verläuft der Gürtel mit seinen Lokalen und Bordellen. Und gleich dahinter erstreckt sich „Little Istanbul“, das türkische Viertel von Ottakring.

albertgasse
Morgens halb acht, in der Josefstadt (Foto von Heribert Corn)

Aber das scheint weit weg, wenn man an den kleinen Josefstädter Läden vorbeispaziert. Die Oberschicht im Grätzel schickt ihre Sprösslinge wahlweise ins katholische Piaristengymnasium oder in die Albertgasse. Die Piaristen sollen etwas versnobter sein, heißt es. In der Albertgasse dagegen sitze das Kind des türkischen Installateurs neben dem Politikerspross.

Ja, manchmal streunen auch Halbstarke mit Gelfrisuren durch das Grätzel. Und wenige Meter von der Schule haben Rechte „88“, das Kürzel für „Heil Hitler“, an Fassaden geschmiert. Doch weder ist die Albertgasse rund verkommen, noch lassen sich hier Stahlkappen oder Glatzen blicken.

Auch Bezirksvorsteher Rahdjian, der hier die Schulbank gedrückt hat, stört, dass die Albertgasse nun als Nazischule „angepatzt“ werde. Dass die hastige Öffentlichkeit ein unreflektiertes Urteil fälle.

Es scheint also, als fehle der „Nazischule“ ein wesentlicher Bestandteil – die Nazis. Was treibt also die geschmacklosen Witzereißer? Verleitet gar die intensive schulische und öffentliche Auseinandersetzung zum pubertären Widerspruch?

„Wer heutzutage als Jugendlicher aufmüpfig sein will, muss es von rechts tun“, sagt Christa Koenne, die früher selbst ein Gymnasium leitete und heute an der Universität Wien tätig ist. Zerrissene Converse, ungewaschenes Haar, Slackertum und No-Future-Ideologie à la Nirvana regen heute niemanden mehr auf. „Die linke Symbolik ist längst kommerzialisiert. Die Gesellschaft frisst auf, was es in ihr an Widerstand gibt.“ Jugendliche wachsen aber gerade am Widerspruch. „Das größte Tabu“, sagt Koenne, „ist heute die Verweigerung von Betroffenheit im Umgang mit dem Holocaust. Und genau das wird von Jugendlichen gerne benützt, um aufzufallen.“

Muss modernes Rebellentum also rechts sein, um zu wirken? Macht man Judenwitze, weil sich Blondinnen und Burgenländer heute nicht mehr ärgern?

Was meinen die Lehrer dazu? Nach einigen Bitten geben einige vor dem Konferenzzimmer Auskunft. „Das ist nicht Antisemitismus“, antwortet einer, der nicht genannt werden will. „Das ist Respektlosigkeit.“ Darüber sollte man reden, denn diese Respektlosigkeit setze sich ja fort, in den Manieren der Jungen, in Schule wie Alltag.

Vielleicht kann das einer der fünf Schüler bestätigen, die nun wegen ihrer Auschwitz-Aussagen gerügt werden. Er sitzt in der Aula, neben den Schulsprechern, denn getrennt wollen sie nicht sprechen. „Es gab zwar Betroffenheit in Auschwitz“, sagt der Schüler mit gesenktem Kopf. „Aber es war anders als etwa in Mauthausen.“ In Auschwitz, erzählt er, seien 10.000 junge Menschen zusammengekommen. Von einem Event, einem großen Wandertag, auf dem Weg von einem Lager ins nächste habe man gesungen, erzählen andere Teilnehmer.

Dazu kommen die Hintergründe der Schüler, die den Skandal ausgelöst haben. Vier der sechs stammen aus Serbien, aus Polen, aus Russland und dem Iran. Also aus Ländern mit extrem unterschiedlichen Zugängen zum Holocaust und seiner Bewältigung – und plötzlich sitzen sie in Auschwitz zusammen, wo sie eine Jacke mit Judensternen anziehen sollen und ein Rabbi vor tausenden Schülern über die Unkultur von Persien und Deutschland spricht.

So schildert es zumindest jener Missetäter, der in der Aula sitzt. Er stammt selbst nicht aus Österreich. Nein, er ist kein Rechter, wie man sich ihn vorstellt, mit Glatze und Springerstiefeln. Er ist ein Jugendlicher mit Zahnspange, T-Shirt von H&M, Stirnfransen bis zu den Brauen.

Als der Schulsprecher über Respekt im Umgang mit der Vergangenheit spricht, nickt der Schüler, aber sein Blick sagt, dass er derzeit wohl andere Sorgen hat als den Holocaust.

Zum Beispiel das Direktorbüro mit dem bunten Kunstwerk aus Stofffetzen an der Wand. Dort wird der Schüler bald sitzen, während Helmuth Hickel ihm etwas über Respekt und Vernunft erzählt.

Fünf Minuten habe er, sagt der Direktor schroff, um sich dann doch eine halbe Stunde Zeit zu nehmen. „Auschwitz wäre der richtige Ort gewesen, um sich den Fragen der Jugendlichen zu stellen. Wir müssen auf Pubertierende mit Argumenten antworten. Nicht mit Tabus.“

Die Mikrofone von Ö3, die E-Mails überambitionierter Antifaschisten, die Anrufe von Eltern – die Arbeit von 20 Jahren ist über Nacht wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Und das, sagt Hickel, nur wegen „jugendlicher Unvernunft“.

Später öffnet er sich, dann meint er, dass er dringend Urlaub brauche. Aber vorher finde noch das Schulfest statt, Monate habe man dafür gearbeitet. Und wisse nun nicht, ob eine Masse an Neugierigen oder gar keiner in die „Nazischule“ kommen werde.

Respektlosigkeit, Rebellentum, Rassismus – das sind relative Begriffe. Ein Judenwitz erzeugt im Fußballstadion ein paar Lacher. Im Klassenzimmer nimmt man ihn oft nur dann als Problem war, wenn ihn der Lehrer aufschnappt. Es gibt vielleicht nur einen Ort auf der Welt, wo er in jedem Fall fatale Konsequenzen hat: in Auschwitz.

Und so hat diese Respektlosigkeit ein wirkliches Tabu angekratzt, vielleicht das letzte in Österreich.

Dazu kommt, dass ihre Eltern die Bedeutung des Holocausts möglicherweise kaum kennen, weil im Iran niemand darüber spricht. Das macht ihre Kinder aber nicht zu Neonazis.

Aber von derlei Feinheiten sprechen die Nachrichtenmacher jetzt nicht. Sie sprechen von Antisemitismus, der gerade so plausibel ins Muster passt. Geformt aus Ebensee, aus den neuen Rechten, den Hetzparolen im Wahlkampf.

Hier, an der Albertgasse, würde man lieber über die Reizüberflutung der Jugend sprechen. Über Konzentrationsprobleme und Ringe unter Schüleraugen, die morgens das Klassenzimmer dominieren – statt über Auschwitz und Judenwitze.

Und so endet die Geschichte vorläufig mit einem guten Witz in der Josefstadt. „Wissen Sie, was Gott tat, als er merkte, dass sein Sohn Jude war?“, fragt eine alte jüdische Dame, die zufällig an der Albertgasse vorbeispaziert. „Er hat ein neues Testament geschrieben.“

Das sagen die Lehrer
„Durch die mediale Darstellung wurde ein
unwahres Bild unserer Schule gezeichnet. Schülergruppen
pauschal zu verdächtigen, lehnen wir entschieden ab. (…) Das
Verhalten der uns anvertrauten Schüler war völlig
unproblematisch“


Das sagt Morah

„Die Provokationen mit
antisemitischen Inhalten setzen sich ununterbrochen fort.
(…). Es gab keine Alternative, die uns die volle Sicherheit
für alle Teilnehmer und Teammitglieder garantiert hätte“

Erschienen in Falter 22/09

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Eingeordnet unter Allgemein, Wien

Gelesen: Wie er die Toskana sah

Sei es in Bild oder Schrift, Hugo Portisch hat Erfolg. Die Bücher und Sendungen des Meisters der populären österreichischen Geschichtserzählung haben ganze Generationen mitbekommen. „Die Olive und wir“ ist nun sozusagen sein weiches Alterswerk – und trotzdem zählt es seit Wochen zu den meistverkauften Sachbüchern des Landes. In der Toskana kaufen Hugo und Ehefrau Traudi Portisch fast zufällig die alte Villa eines italienischen Conte. Auf sehr persönliche Art, voller Anekdoten und autobiografischer Schrullen, fasst das Paar in diesem Buch alle Begebenheiten zusammen, die dazu führen und darauf folgen: Begegnungen mit dem Dorfbürgermeister, mit Carabinieri, mit alt gewordenen Gärtnern und herrenlosen Hunden. Mit der sympathischen südeuropäischen Laxheit und der netten, charmanten, weichgespülten Toskana. Das ist Hugo Portisch, wie er leibt und lebt und etwas alt geworden ist. Und wie er die Toskana sah.

Joseph Gepp

Traudi und Hugo Portisch: Die Olive & wir. Ecowin, 224 S., € 19,95

Erschienen im Falter 22/09

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Eingeordnet unter Bücher, Kurioses

STADTRAND – Rauchen am Flughafen im Jahr 2025

Historiker nennen es die „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“. Man kann durch die Stadt spazieren und jeden Ort, auf den man trifft, einem bestimmten Zeitalter zuordnen. Im Jonasreindl wäre dann circa das Jahr 1965, auf der Simmeringer Hauptstraße 1985, auf der Donauplatte 1995, im Museumsquartier 2005. Und am Wiener Flughafen wäre 2025. Allerdings nur, wenn ab 2009 auch wirklich alles schiefgeht. Denn am Flughafen reiht sich ein seelenloses Geschäft ans nächste, das Essen kommt vom Buffet, die Dekoration soll wohl die Eigenheiten des umliegenden Alpenländchens hervorheben, sofern sich Thonetsesselimitate und immergleicher Donauwalzer dafür eignen. Am meisten à la 2025 sind aber die Raucher: Die stehen dort wie ausgestopfte Tiere im Museum hinter Glasvitrinen. Nicht einmal die Solidarität der Ausgestoßenen bleibt ihnen, denn dafür sind ihre Zellen zu kühl und die Sitze zu hart. Immerhin liefern sie den anderen Kunden pädagogischen Mehrwert: Seht, wie süchtig sie sind! Die stellen sich sogar dort rein!

Erschienen im Falter 21/09

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Eingeordnet unter Stadtleben, Stadtrand

Kriemhilds Kontor

In Rudolfsheim-Fünfhaus eröffnet die erste Buchhandlung. Ein Vorbote der Gentrifizierung?

Bericht: Joseph Gepp

Langsam kommen neue Leute. Studenten und Kreative schätzen die günstigen Preise und den Charme der heruntergekommenen Altbauten im Viertel. Sie bringen neue Lebensgewohnheiten. Und bald weicht der Grind dem Schick. Bald wird das Viertel zum Geheimtipp, und schließlich, wenn die jungen Künstler alt geworden sind, wird es gutbürgerlich.

Gentrifizierung heißt dieser Prozess, nach „gentry“, für den niederen britischen Adel. In New York oder Berlin krempelt sie ganze Stadtteile um, wie Soho oder Prenzlauer Berg. In Wien läuft sie langsamer. Aber auch hier sind etwa Karmeliterviertel oder Spittelberg im Vergleich zu vor 20 Jahren kaum wiederzuerkennen.

Die neuen Bewohner verändern das Bild des Grätzels. Zum Hofer wollen sie einen Bio-Greißler, und statt des Wettcafés eine Buchhandlung.

Ein Blick ins Branchenbuch zeigt, wie beispielsweise der Wohlstand eines Viertels und die Anzahl der Buchhandlungen korrelieren. In der gutbürgerlichen Josefstadt liegen mehr von ihnen als in der 20-mal größeren – und ärmeren – Leopoldstadt. Im kleinen Wiedener Freihausviertel gibt es mehr als in Meidling, Simmering und Favoriten zusammen. Und im 15. Bezirk, der ärmsten Gemeindeeinheit Österreichs, fand man seit einem Jahr gar keine Buchhandlung mehr.

Bis vor einer Woche. Denn nun eröffnete im Nibelungenviertel hinter der Stadthalle das Buchkontor. Darf man Rudolfsheim-Fünfhaus‘ einziges Buchgeschäft als Vorboten einer Gentrifizierung betrachten?

Stadtforscher würden die Besitzerin Ulla Harms, 36, einen „first mover“ nennen. So heißen die Schichten, die Gentrifizierung ins Rollen bringen. Wenn anderswo Preise hoch werden, suchen sie nach Freiräumen, um sich zu verwirklichen. Und die bietet etwa das Nibelungenviertel.

„Derart große und schöne Wohnungen wie hier kriegt man innerhalb des Gürtels zu akzeptablen Preisen gar nicht“, sagt Harms. „Dementsprechend kommen viele Familien her.“ Harms organisiert den Vertrieb für Verlage. Als sie im Viertel das leere Geschäftslokal eines Juwelenhändlers entdeckte, war sie begeistert. Das „völlig versiffte“ Lokal wurde ihr Büro und Geschäft. Kaum jemand kenne das verschlafene Grätzel, sagt sie. „Parkplätze findet man fast immer. Es ist ein verträumtes Eckchen.“

Das ändere sich nun: „Vis-à-vis hat ein Architekturbüro und unweit eine Modedesignerin ihr Atelier aufgemacht. In einen Gemeindebau kommt ein Kulturzentrum. Da tut sich was.“

Das Nibelungenviertel ist kein normales Grätzel. Vor 100 Jahren wurde es als Jugendstil-Gesamtkunstwerk einiger Otto-Wagner-Schüler errichtet. Hier, außerhalb des Zentrums, durften sie sich austoben. Die Straßen benannte man nach Protagonisten der Nibelungensage. Die Alberich-, die Hagen- und die Giselhergasse liegen hier. Oder der Kriemhildplatz, auf dem Ulla Harms‘ Laden eröffnet hat.

Die Besitzerin schwärmt von solchen historischen Feinheiten, wie sie von den Feinheiten ihres Geschäfts schwärmt. Die Regale seien aus Holz, wie bei alten Buchhandlungen. Das Sortiment sei exklusiv, Bibliophile finden Edelausgaben des deutschen Verlags Zweitausendeins, Eltern vom gegenüberliegenden Hort pädagogisch wertvolle Kinderbücher.

Hätte Ulla Harms kein zweites Standbein, könnte sie jedoch kein solches Geschäft in diesem Viertel betreiben. Nur dass das Lokal zugleich auch Büro ist, macht den Laden möglich. Jetzt soll dieses „Nahversorgungskonzept“ ihren Schreibtischalltag beleben, sagt sie. Ein Ort der Begegnung soll entstehen, „für die Verlagsbranche, für Familien, für Menschen mit Hirn, die Bücher wie Nahrungsmittel konsumieren“. Das klingt doch sehr nach Gentrifizierung.

Buchkontor,
15., Kriemhildplatz 1
Tel. 943 41 43
http://www.buchkontor.at

Erschienen im Falter21/09

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Eingeordnet unter Konsum, Wien

Noch eine Stadt: Belgrad

Einmal war sie die stolze und große Hauptstadt der Blockfreien, liberal und weltoffen, von Oststädten wie Sofia und Bukarest um seine unverschämten Freiheiten beneidet. Dann gab es Krieg, eine stumpfsinnig-nationalistische Diktatur, eine hilflose Demokratie, sogar Nato-Bomben fielen 1999 auf die Stadt, die einmal die westlichste im Osten war.

Es gibt wohl keine Stadt, die in 20 Jahren tiefer gefallen ist als Belgrad. Das macht sie abstoßend. Und das macht sie faszinierend.

Die Kaffeehäuser sind weg, heute wummert schlechter Turbo-Folk aus zwielichtigen Beisln. Eine „Ruralisierung“ Belgrads beklagen Serben, die Stadt sei primitiv geworden und stumpfsinnig-nationalistisch.

Wer Belgrad besucht, sollte sich nicht auf leichte Kost einstellen. Man kann freilich über die Hauptstraße, Knez Mihailova, spazieren. Man kann durch den Kalmegdan streifen, die Festung zwischen Donau und Save, und dort zu jeder Tageszeit verlassene Plätzchen finden. Aber bald stechen einem auch die bombardierten titoistischen Verwaltungsgebäude ins Auge, durch Zaunlücken schlüpfen Obdachlose. Oder man kommt nach Dedinje, das Belgrader Nobelviertel, das den Vergleich mit Beverly Hills nicht zu scheuen braucht. Nur leben hier Kriegsverbrecher hinter den Stahltoren, bewacht von Bodyguards und marmornen Löwenstatuen.

Belgrad muss man gesehen haben. Nicht aus bloßer Urlaubsfreude, sondern aus Interesse. Aus Interesse an dieser Mischung aus Kriegsfolgen und Hedonismus, aus verrottetem jugoslawischen Wohlstand und Protzigkeit. Aus Interesse daran, was hier sechs Stunden vor Wien entstanden ist.

Joseph Gepp

Etwa sechs Stunden Autofahrt, Busse von Erdberg, Züge von West- und Südbahnhof

Erschienen im Falter 21/09

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Eingeordnet unter Balkan, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Reisen

Eine Stadt: Sarajewo

“Klein-Jerusalem” nennt man die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, aber weniger wegen der Vielzahl an Kirchen, sondern wegen dem konfliktträchtigen Zusammenleben der Religionen. Katholiken, Orthodoxe, Muslime und sogar einige verbliebene sephardische Juden leben in diesem Teil Europas. Die Stadt selbst ist osmanisch geprägt. In Sarajewo beginnt der Orient.
Die schmalen Gässchen der Altstadt führen zu alttürkischen Pavillons mit schattenspendenden Vordächern und fast lichtundurchlässigen Fenstern. Die Geschäfte sind eng und vollgedrängt, man verkauft Kugelschreiber, die aus Patronenhülsen des Kriegs gefertigt wurden.
Weiter draußen liegen k. u. k. Verwaltungsgebäude, manche noch zerstört von der Belagerung durch die Serben 1992 bis 96. Und noch weiter draußen, unweit der einst gefürchteten “Sniper Alley”, steht zwischen zerschossenen Plattenbauten eine riesige Moschee, gebaut aus Mitteln des radikalislamischen Regimes von Saudi-Arabien.
Es gibt zwei Typen von Sarajewo-Touristen: Die einen bestaunen mit offenem Mund die unerwartet orientalische Anmutung, die sich hier ausbreitet. Die anderen stehen ungläubig zwischen Kriegsruinen oder klettern durch den schmalen Tunnel, der einst als einziger Ausweg aus der belagerten Stadt führte. Und beide fragen sich, in welchem Jahrhundert sie eigentlich gelandet sind.
Joseph Gepp

9 Stunden Autofahrt (über Zagreb und Banja Luka), Busse u. a. von Erdberg, Züge von West- und Südbhf.

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Eingeordnet unter Balkan, Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Reisen

Unerwünschte Kunden

Bankkonten, Handyverträge, Autovermietungen. Wie Ausländer am Dienstleistungsmarkt diskriminiert werden

Bericht: Joseph Gepp

Stephansdom, Riesenrad und die Ringstraße. Und dazwischen Westösterreich, mit Schladming, Salzburg und Tirols Bergen.

Das alles hat sich Dimitar Petrow*, 37, samt Familie für seinen Urlaub in Österreich vorgenommen. Der Bulgare bucht einen Flug, ordert über ein Wiener Reisebüro einen Mietwagen. Als Petrow allerdings die Donaustädter Filiale der Autovermietungsfirma Buchbinder betritt, um den reservierten Wagen abzuholen, erfährt er: An Osteuropäer vergibt das Unternehmen keine Mietautos. EU und Dienstleistungsfreiheit hin oder her. Eine Ausnahme könne nur gemacht werden, wenn Petrow ein Pfand von 4000 Euro hinterlegt. Aber wie ein U-Häftling Kaution zahlen, das will der Reisende dann doch nicht. Zuletzt mietet ein befreundetes österreichisches Paar und nimmt das Auto unter seinem Namen in Empfang.

Das Reisebüro, bei dem Petrow gebucht hatte, wusste nichts von den Usancen bei Buchbinder. „Du kriegst also kein Auto, wenn du Osteuropäer bist“, sagt die Chefin des Büros. „Ich frage mich, in welchem Land und Jahrtausend wir eigentlich leben.“

Auf Nachfrage bestätigt Buchbinder das Procedere. Je nach Fahrzeug müssten nichtösterreichische Staatsbürger 3000 bis 4000 Euro Kaution hinterlegen. Sicherheitshalber. „Von Österreichern verlangen wir dafür einen Meldezettel.“ Andere Autovermietungen würden das auch so handhaben, „das sind die Bestimmungen“.

Beim Konkurrenzkonzern Avis widerspricht man: „Nein, Nichtöster-reicher müssen bei uns sicher nicht 3000 Euro hinterlegen“, erklärt hier die Kundendienstdame. „Ich glaube auch nicht, dass das Usus im Geschäft ist.“ Wegen möglicher Ersatzforderungen würde sich Avis nur ausbedingen, im Schadensfall auf die Kreditkarte seines Kunden zuzugreifen.

Was ungefähr so wirkt, als würde man Schwarzen wegen ihrer Hautfarbe den Eintritt in die Disco verwehren, entpuppt sich bei genauerem Blick als gar nicht so unüblich. Ratenzahlungen, Handyrechnungen am Monatsende, Bankkonten mit Überziehungsrahmen – sobald jene Kleinstkredite ins Spiel kommen, die wir alle Tag für Tag in Anspruch nehmen; sobald Vertrauen in die Kunden erforderlich ist, werden Firmen bei Ausländern vorsichtig. Dieses pauschale Misstrauen schadet dann allen und nicht nur den Problemkunden. Aber das nimmt man dabei in Kauf.

Je nach Produkt und Branche schließt man die ausländischen Staatsbürger überhaupt vom Geschäft aus, unterscheidet zwischen EU- und Nicht-EU oder verlangt spezielle Sicherheiten. Denn säumige Ausländer verursachen mehr Verwaltungsaufwand als säumige Inländer. Trotz EU und Dienstleistungsfreiheit.

Das spürt etwa Ana Milicevic*. Die 24-jährige Kroatin lebt seit mehr als zehn Jahren in Wien, studiert Pharmazie, spricht akzentfreies Deutsch. Ihr Alltag gestaltet sich dennoch nicht so einfach wie jener von österreichischen Staatsbürgern. Denn wenn Milicevic bei Handyanbietern und Banken ihre Nationalität bekanntgibt, werden Kundenbetreuer hellhörig.

Als die junge Frau ein Studentenkonto bei der Bank Austria einrichten wollte, verwehrte man ihr Überziehungsrahmen und Bankomatkarte. „Die Begründung war, dass ich Schulden machen und mich dann in mein Heimatland absetzen könnte.“ Jetzt muss die Studentin zur Geldbehebung zu offenen Filialen oder Bank-Austria-Foyers pilgern. „In Österreich ist das, abgesehen von der Sucherei, kein großes Problem. Blöd wird es erst, wenn man einmal im Ausland ist und keine Kreditkarte bei sich hat.“

„Generell inkludiert jedes Studentenkonto Bankomatkarte und Dispo-Funktion von bis zu 3000 Euro“, heißt es dazu aus der Bank-Austria-Pressestelle. „Wie hoch der Rahmen tatsächlich ist, entscheidet aber der einzelne Kundenbetreuer.“ Und der ließ bei Milicevic offenbar Vorsicht walten.

Ein Jahr später bemühte sich die Kroatin um einen Handyvertrag mit Telering. „Sie lehnten ab, weil ich weder EU- noch EWR-Bürgerin bin.“ Dazu sagt die Telering-Sprecherin: „Sofern ein Aufenthaltstitel und ein österreichisches Bankkonto vorhanden ist, bekommen Nicht-EU-Bürger normalerweise Verträge bei uns. Im Einzelfall entscheiden das aber die Mitarbeiter der Bonitätsabteilung.“

Als Milicevic bei Telering vorsprach, verfügte sie über Konto und Aufenthaltstitel. Schuldenfrei war sie außerdem, also konnten auch die Bonitätsprüfer keine Einwände gehabt haben. Trotzdem bekam sie keinen Vertrag. Am Ende entschied sie sich für den teureren Tarif des damaligen Anbieters One. Dort spielte die Nationalität keine Rolle. „Als ich mich später bei Telering beschwerte, sagte der Telefonist:, Wir können uns halt unsere Kunden aussuchen.'“

Die Kunden aussuchen. Es sind zwei Prinzipien, die hier einander gegenüberstehen. Einerseits gebietet die EU – zumindest, was ihre Mitgliedsstaaten betrifft – Dienstleistungsfreiheit. Von Wirtschaft und Politik unterstützt, propagiert sie die Grenzenlosigkeit des Marktes und gleiche Bedingungen für alle Kunden.

Andererseits gilt aber in Rechtsstaaten das Prinzip der Vertragsfreiheit. Das heißt, ein Betrieb darf selbst abschätzen, was mehr gilt: der Gewinn nach einem Geschäft oder der mögliche Verlust nach Komplikationen mit Problemkunden. Er darf sich seine Kunden tatsächlich aussuchen.

Rechtsanspruch auf die Leistung bestehe nur bei Monopolunternehmen wie den ÖBB, erklärt Ulrike Wolf vom Verein für Konsumenteninformation. „Alle anderen dürfen ein Geschäft verweigern. Es handelt sich ja nicht um klassische Diskriminierung wegen Hautfarbe oder Religion. Der Ausschluss lässt sich durchaus mit unternehmerischen Zwecken rechtfertigen. Zum Beispiel mit möglichen Schwierigkeiten bei Einklagbarkeit.“

Nach sechs Tagen verlässt Dimitar Petrow Wien und fliegt zurück nach Sofia. Es bleibt das unangenehme Gefühl, in Österreich nicht richtig willkommen gewesen zu sein.

* Namen von der Redaktion geändert

Erschienen im Falter 20/09

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Eingeordnet unter Die vielschichtigen Verbindungen zwischen Osteuropa und Wien, Konsum, Migranten

Nachgesehen

Der Schauplatz, in der Stunde nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Nahost am Donaukanal: dort Tel Aviv Beach, hier Gaza Beach


Joseph Gepp

Vorne das Wasser und hinten eine Mauer, das sei der Gazastreifen, sagen die Palästinenser. Und das sei heute auch ein Streifen Asphalt neben dem Flex, zwischen Donaukanal und Kai. Dort versammelten sich am Sonntag Araber und Linksaktivisten, um gegen die Eröffnung des Tel Aviv Beach zu demonstrieren. Wobei ihr Gaza Beach praktischerweise gleich gegenüber lag. So tönen arabischer Pop und Brandreden auf die andere Seite, wo Diplomaten und Politiker vor der nachgemalten Skyline Tel Avivs koscheren Rotwein trinken. Denn Partys feiern und gleichzeitig Kriegsverbrechen begehen, das gehe nicht, sagt Demoorganisator Willi Langthaler. Und deshalb sei man jetzt hier. Eine Stunde später hat sich die Demo auf wenige Menschen reduziert. Drüben trifft gerade Israels Botschafter ein, unter massivem Polizeischutz. Zwei muslimische Mädchen stehen am gegenüberliegenden Ufer, umschlungen schauen sie auf die andere Seite, zu den Feiergästen des Tel Aviv Beach.

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Foto von Heribert Corn

Erschienen im Falter 20/09

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