STADTRAND – Der Neoliberale spielt am Klo Fußball

Geschenke helfen nichts, sagt der (Neo-)Liberale, man muss die Menschen mit Anreizen und kleinen Belohnungen zu Ordnung und Eigenverantwortung erziehen. In den Niederungen der Praxis zeigt sich das zum Beispiel am Klo. In Autobahnraststätten, billigen Großrestaurants und anderen Massenabfertigungsinstituten schraubt man neuerdings – gefinkelt! – kleine Fußballtore samt an Fäden baumelnden Bällen in Pissoirbecken. Das bedient den Spieltrieb und hält das Klo sauber. Denn der Ehrgeizige drückt den Ball eine Pisslänge lang ins Tornetz und hinterlässt dementsprechend auch keine Spuren, wo sie nicht hingehören. Der Klogänger hat den Erfolg, der Tankstellenwart die Sauberkeit. Und der Vergleich zeigt: Gemeinhin ist das Fußballpissoir tatsächlich sauberer als sein ordinäres Pendant, das ohne Anreiz sozial verträgliches Sanitärverhalten einfordert. Das ist traurig. Ein tiefüberzeugter Zyniker muss es sich ausgedacht haben. Er ist jetzt sicher reich geworden. Und fordert niedrigere Steuern. Für Millionen pissgelber kleiner Fußballtore.

Erschienen im Falter 17/09

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Eingeordnet unter Stadtleben, Stadtrand

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