Kurz besprochen

Ob ein Leben spannend ist oder nicht, hängt nicht von seinem Verlauf ab. Sondern von seiner Darstellung. Das weiß jeder, der Harald Martenstein liest. Allwöchentlich schreibt der Mainzer Journalist und Romancier eine Kolumne im Zeit-Magazin, sie gilt als eine der besten im deutschen Sprachraum. Jetzt fasst „Der Titel ist die halbe Miete“ die gelungensten dieser Stücke zusammen.

„Mehrere Versuche über die Welt von heute“, lautet der Untertitel, aber es sind keine Versuche: Es sind Bravourstücke. Was der Kolumnist Harald Martenstein anfasst, wird zu Gold, so pointiert, so witzig, so herrlich über- oder untertrieben ist es. Wenn er Gott und den Teufel ins Rennen um Google-Treffer schickt, wenn er ein System in der Abfolge der Liebesbeziehungen von Carla Bruni in deren präpräsidentialer Phase sucht oder wenn er über seinen groß gewordenen Sohn räsoniert, der vom Erasmus-Jahr in Australien zurückgekehrt ist und jetzt chillt.

Martenstein ordnet scheinbare Banalitäten in den Kontext der Lebens- und Gedankenwelt unserer Zeit ein, er deutet sie um, wortgewaltig und lakonisch. Und umreißt damit diese Welt der 1000 Informationen und Kommunikationen. Was fast niemandem in deutschsprachigen Medien so brillant gelingt wie ihm.

Harald Martenstein, Der Titel ist die halbe Miete. C. Bertelsmann, 176 S., € 16,50

Erschienen im Falter 19/09

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