Das neue Leben des Alfred G.: ein ganz normaler Europareferent

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Leichter Hohn war zu spüren, als sie ihn fragten, was er denn nun zu tun hätte – und er antwortete, er würde Europafragen besprechen, mit zwei Schulklassen. Zum vielleicht letzten Mal trifft Alfred Gusenbauer, Bundeskanzler a. D. und nunmehr Europareferent der niederösterreichischen Arbeiterkammer, eine derart große Gruppe Journalisten. Bei Jourgebäck zeigt er seinen AK-Ausweis in die Runde und erzählt von seinem neuen Leben. Er habe zehn Kilo abgenommen, werden die Zeitungen am nächsten Tag vermerken, das Büromobiliar sei ungleich schlichter als früher, und der Blick aus dem obersten Stock des grauen AK-Baus in Mariahilf sei bei weitem nicht so schön wie jener aus dem Bundeskanzleramt. Für Gusenbauer beginnt inzwischen der erste richtige Arbeitstag, ohne Journalisten, aber vollgepropft mit Terminen. Eine Flugreise steht unmittelbar bevor, unmöglich, ihn zum Fototermin zu treffen. So leicht wird man den Kanzlerbonus eben doch nicht los.

Erschienen im Falter 6/09

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