Weihnachtsbeleuchtung in den Außenbezirken: Advent essen Seele auf

Dass Weihnachten kommt, merkt man in Wien vor allem an der Beleuchtung – je nach Zielgruppe der Einkaufsstraße variiert die Gestaltung: Standardisiert strahlt die Mariahilfer Straße, nonkonformistisch die Neubaugasse, edel der Kohlmarkt.

Die Kleinen ziehen mit: Im 15. Bezirk strahlen etwa Märzstraße oder äußere Mariahilfer Straße in festlichem Glanz. Die Kosten der saisonbedingten Gestaltung teilen sich je zu rund einem Drittel die Wiener Einkaufsstraßen, die Wirtschaftskammer und die Bezirksvertretung.

Für jenes Drittel, das der Bezirk beisteuert, ist in Rudolfsheim-Fünfhaus kein eigener Budgetposten vorgesehen. Das Geld werde also vom (ohnehin nicht hoch dotierten) Kulturbudget abgezwackt, klagt Haroun Moalla, Kultursprecher der Grünen im 15. Bezirk. 40 Prozent der für Kultur vorgesehenen Gelder seien etwa im Vorjahr in die Einkaufsstraßen geflossen. Den Großteil davon investieren die dortigen Geschäftsleute ins Weihnachtslicht.

„Die Kulturförderung im 15. Bezirk funktioniert nach dem Uralt-Proporzprinzip“, so Moalla. Jährlich stünden rund 140.000 Euro an Kulturförderung zu Verfügung. „20 Prozent davon gehen an parteinahe Vereine, zwei von der SPÖ, einer von der ÖVP, einer von der FPÖ. Diese Parteiklubs brauchen nur ein Fax mit einer halben A4-Seite an den Bezirk zu schicken, und sie kriegen das Geld.“ Weitere 40 Prozent gehen an die Einkaufsstraßen.

Bleibt weniger als die Hälfte für den eigentlichen Zweck des Geldes: die Förderung unabhängiger Kulturinitiativen. Kleine Projekte, wie etwa ein Laientheater, eine historische Grätzelführung oder eine kleine Fotogalerie, würden oft durch die Finger schauen.

„Wenn unabhängige Kulturschaffende Subventionen wollen, dann sind akkurate Kostenaufstellungen und Projektpläne unabdingbar. Ganz im Gegensatz zu den Parteiklubs“, sagt Moalla. „Wir treten natürlich für eine Förderung von Nahversorgung und Einkaufsstraßen ein. Aber nicht aus dem Kulturbudget.“

Man habe sich bereits für einen eigenen Budgetposten zur Einkaufsstraßenförderung starkgemacht, entgegnet Peter Jäger von der Rudolfsheimer Bezirksvertretung. Aber die zuständige MA 7 für Kulturangelegenheiten sei dagegen. Und parteinahe Vereine würden durchwegs politikfreie Kulturveranstaltungen anbieten. „Sie betreiben Veranstaltungen auf breiter Basis. Freie Kulturvereine konzentrieren sich dagegen auf Alternativkultur. Wir wollen eine Mischung aus beidem.“ Und: „Wenn wir Weihnachtsbeleuchtung wollen, dann müssen wir das auch fördern.“ Da haben die Lampen eben für ein paar Wochen Priorität.

Joseph Gepp

Erschienen im Falter 50/08

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Eingeordnet unter Das Rote Wien, Konsum, Stadtplanung

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