Im Land der anderen

60 JAHRE ISRAEL Cheryl Ben-David und Yehuda Shaul kennen einander nicht. Aber sie haben dasselbe Problem wie ihr Land. Ein Besuch an den umkämpften Rändern Israels. Text und Fotos: Joseph Gepp

Es gibt Leute, die können zynisch und pathetisch zugleich sein. Yehuda Shaul dreht sich im Kreis, streckt die Handflächen nach oben und schaut treuherzig in die Luft. Als würde er all das Unverständliche ab jetzt nur noch von seiner scherzhaften Seite nehmen. Welcome to Hebron, sagt er. Er steht in der Straße einer Geisterstadt. Kein Mensch weit und breit. Die Türen und Fenster der alten arabischen Häuser stehen offen, drinnen zeugen Trümmer von jahrelanger Verlassenheit. Eine vergessene Spule Stacheldraht liegt im Rinnstein, da und dort wehen Fetzen von jenen dunkelgrünen Netzen, die man im Kriegsfall über Schützengräben spannt. Das ist militärisches Sperrgebiet, mitten im Kern von Hebron, der zweitgrößten Stadt des palästinensischen Westjordanlands. Auf zugeschweißten Toreinfahrten prangen gesprayte Davidsterne. Shaul packt ein Foto aus: dieselbe Straße, ohne Davidsterne, dicht bevölkert mit arabischen Händlern, umschwirrt von verschleierten Frauen, gesäumt von alten Männern, die am Straßenrand sitzen und schwarzen Tee trinken. Sogar ein Esel steht da und wartet darauf, beladen zu werden. Shaul geht einige Schritte vorwärts, genau an jene Stelle, an der der Fotograf vor Jahren sein Bild knipste. Dann hält er das Bild hoch, damit man den Vergleich sieht. Damals war alles lebendig und voll, heute ist alles tot und leer. „Wie kann es sein, dass das Zentrum einer Stadt von 167.000 Einwohnern zur Geisterstadt wird?“, fragt Shaul. Er kennt die Antwort natürlich.Sie findet sich einige Schritte weiter, vor einem jener sechs festungsartigen Gebäudekomplexe, die quer über die Altstadt von Hebron verteilt liegen. Seinen Dachrand sichern Stacheldrahtsperren, seine Fenster Tarnnetze. Seine Bewohner tragen lange Bärte und halten mit geschulterter Uzi auf kleinen Aussichtstürmen Wache. Das sind die jüdischen Siedler Hebrons. Rund 800 von ihnen leben hier, unter 166.000 Palästinensern. Das Sperrgebiet, das früher die Altstadt von Hebron war, ist heute der Puffer, der Siedler von Arabern trennen soll. Palästinensern ist das Betreten streng verboten. Rund 650 israelische Soldaten überwachen diesen Zustand, fast einer pro Siedler. Bis vor vier Jahren war Yehuda Shaul, 25, orthodoxer Jude, einer von ihnen. Dann endete sein Wehrdienst, und er dachte, er sollte sich von nun an für die Rechte der Palästinenser in Hebron einsetzen, falls er weiterhin ruhig schlafen will.

50 Kilometer weiter westlich, in der ruhigen Kleinstadt Sderot im israelischen Kernland, spielt Cheryl Ben-David mit ihrer zweijährigen Tochter. Sie denkt nicht an verfallende Häuser, an Palästinenser, an Stacheldraht und Soldaten. Kleine Palmen säumen die Kreisverkehre von Sderot, vor der Polizeistation schreibt eine Beamtin gerade einen Parksünder auf. Ben-Davids Einfamilienhaus mit gefliester Terrasse und friedlich winselndem Rottweiler vor der Tür könnte einem Hollywoodfilm entstammen. Doch das Idyll trügt. Es endet nur einen Kilometer vom Rand der Kleinstadt entfernt. Dort beginnt der Gazastreifen. Eineinhalb Millionen Palästinenser leben hier auf einer Fläche von nicht einmal der Größe Wiens, unter schlimmen humanitären Bedingungen, isoliert sowohl von Israel als auch vom westlichen Nachbarland Ägypten. Der Gazastreifen brodelt, und oft erreichen seine feurigen Eruptionen auch das kleine Sderot. Dann trifft eine Rakete, gefüllt mit TNT und Stahlsplittern, zusammengeschweißt in den Kellern von Gaza, die kleine Stadt. Die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen regiert, nennt ihre Eigenbauraketen nach Scheich Izz ad-Din al-Qassam, einem arabischen Kriegsherrn der 20er-Jahre. Acht Einwohner von Sderot starben laut Polizei 2007 durch Einschläge von Qassam-Raketen. Einer war es bislang in diesem Jahr.

Cheryl Ben-David und Yehuda Shaul kennen einander nicht und würden einander wahrscheinlich nicht sonderlich mögen. Shaul ist ein politischer Mensch, strenggläubiger Jude, redegewandt und von seiner Mission beseelt. Ben-David ist unpolitisch, unreligiös und will vor allem ihre Ruhe. Trotzdem laborieren beide am selben Problem. Shaul tut es freiwillig, Ben-David gezwungenermaßen. Es ist ein Problem, das die Israelis lapidar und vielsagend als the territories bezeichnen. Religiöse Zionisten sagen Judäa und Galiläa. Deutschsprachige Medien schreiben Westjordanland und Gazastreifen. Akut wurde das Problem der Palästinensergebiete exakt am 5. Juni des Jahres 1967. Damals tobte zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn der Sechstagekrieg. Die siegreichen Israelis rückten in zwei arabische Regionen vor, den Gazastreifen im Westen, vormals Teil Ägyptens, und das Westjordanland im Osten des Landes, vormals Teil Jordaniens. Den Soldaten folgten bald jüdische Siedler. Heute handelt es sich dabei – ausschließlich im Westjordanland, denn im Gazastreifen wurden die Siedlungen geräumt – um eine Viertelmillion Menschen. Nur wenige kamen aus politischen Gründen, die Mehrheit lockte der billige Wohnraum und die schnellen Kredite. Die Siedlungen verbauten Israel den Rückweg aus dem Palästinenserland.

Wären nicht die Qassam-Raketen, im beschaulichen Sderot würden all diese Probleme weit weg erscheinen. Cheryl Ben-David, 35, Philippinin mit israelischem Ehemann, trägt neongrüne Crocs und kurze Hosen. Sie füttert ihre zweijährige Tochter mit Keksen. Spricht man sie auf die besetzten Gebiete an, winkt sie ab oder gibt müde Allgemeinplätze von sich. „I’m not a racist“, sagt sie. Nur wenn es um die Zukunft des Gazastreifens geht, dann hat Cheryl Ben-David eine klare Meinung: „Einmarschieren. Sofort einmarschieren. Wir haben genug verhandelt. Es hat alles keinen Zweck.“ Zweimal wurde das schmucke Vorstadthäuschen, in dem sie mit Familie und Schwiegereltern lebt, von Qassam-Raketen getroffen. Einmal die Terrasse, im Mai 2007, einmal der Hintergarten, im Juni. Im Jahr davor hatte eine Rakete die Straße vor dem Haus erwischt. Und vor acht Wochen explodierte das Nachbarhaus auf der anderen Straßenseite. Ein junges Pärchen aus Tel Aviv hätte am Tag darauf einziehen wollen. „Die Rakete hat es total zerstört“, sagt Ben-David. Die ganze vordere Hälfte brach ein, der Dachstuhl brannte aus, und die Stahlscherben im Sprengstoff rissen selbst ins Nachbarhaus noch Löcher. „Es gab einen Knall, und plötzlich hat der ganze vordere Teil des Hauses gebrannt“, erzählt Ben-David vom Einschlag ins eigene Haus. „Ich rannte ins Wohnzimmer. Draußen brannte alles. Drinnen waren die Wände zerfetzt. Es rauchte unendlich.“ Sie habe Albträume davon, sagt Ben-David. Und sie habe Angst um ihre Töchter. „Ich dachte, ich verbrenne hier. Ich komme hier nicht mehr raus.“ Heute ist alles neu aufgebaut, neu eingekauft, neu angestrichen. Nur die Löcher im Metallrahmen der Wohnzimmertür zeugen noch immer von der Wucht der Explosion.

Jetzt will Cheryl Ben-David umziehen, weg aus Sderot, mit Mann und Kindern, in ein Dörfchen in der nahegelegenen Negevwüste. Mit der Angst, die Nächste zu sein, könne sie nicht leben, sagt sie. Es war erst der Abzug der israelischen Soldaten aus Gaza 2005, der es ermöglichte, dass Araber im großen Stil auf ihre Nachbarn schießen können. Davor hatten die Besatzungstruppen das mit harter Hand unterbunden. Im Westjordanland hingegen blieben die Israelis. Es beginnt unmittelbar hinter Jerusalem, der Hauptstadt Israels und der palästinensischen Autonomiegebiete und der Heimatstadt Yehuda Shauls.

Hebron, wo er seinen Wehrdienst ableistete, liegt nur eine halbe Autostunde entfernt. „Hier ist es anders als in anderen Orten im Westjordanland“, sagt Shaul. „Hier geht es nicht um Politik. Hier geht es um Religion.“ Im Zentrum von Hebron soll Abraham, alttestamentarischer Stammvater der Juden, begraben liegen. Viele der jüdischen Siedler lehnen den Staat Israel ab, weil das wahre Königreich Judäa ihnen zufolge erst nach Wiederkehr des gottgesandten Messias entstehen kann. Ihre Anwesenheit in Hebron soll diese Ankunft vorbereiten. Auf der Mauer einer Siedlung prangt die blau-orange Flagge des gelobten Reiches. 1967, nach dem Sechstagekrieg, mietete sich eine Handvoll Israelis in einem Hotel im Zentrum der Stadt ein, um das Pessachfest zu feiern. Sie zahlten nicht und gingen nicht mehr. Aus einigen wenigen wurden einige hundert. Ihren Hass spürt man heute, wenn Shaul vor den Steinen warnt, die hin und wieder aus ihren Fenstern in Richtung Araber und Besucher fliegen. Als er seinen Wehrdienst begann, im Jahr 2001, war gerade der zweite große Aufstand der Palästinenser, genannt Intifada, zu Deutsch „Erhebung“, ausgebrochen. Make them feel our presence, sei während und nach der Intifada die Devise der israelischen Soldaten gewesen, erzählt Shaul. „Und wie lässt du jemanden deine Anwesenheit spüren?“, fragt er. „Ganz einfach. Du gehst um vier Uhr morgens in ein palästinensisches Haus, schlägst die Tür ein, schießt in die Luft, reißt die Menschen aus dem Bett, drehst alles um.“ In Hebron zu dienen sei wie in einem Vakuum zu leben, sagt Shaul. „Am Ende wachst du auf und denkst dir: Das kann doch nicht sein. Was tue ich hier eigentlich?“ Yehuda Shaul zog die Konsequenzen und gründete eine NGO, gleich nach dem Ende seines Wehrdienstes im Jahr 2004. „Shovrim Schtika“ oder „Breaking the Silence“ will „die Wirklichkeit der besetzten Gebiete ins Schaufenster stellen“. Seine Aktivisten organisieren Touren durch Hebron, sammeln Fotos von Übergriffen und publizieren Interviews mit Soldaten zu ihren Erfahrungen in Hebron. „Israel ist ein Rechtsstaat. Aber in seinem Hinterhof, dem Westjordanland, gilt das Recht nicht mehr. Wir müssen uns fragen, wie viel davon eine demokratische Gesellschaft aushält“, sagt Yehuda Shaul.

Was er meint, wenn er vom Hinterhof Israels spricht, versteht erst, wer in Hebron war. Israelis und Palästinenser verfügen über getrennte Straßen, getrennte Gehsteige. Verstöße ahndet eine Hundertschaft schwerbewaffneter Soldaten. Die Palästinenser nennen es Apartheid. Maschendrahtkäfige vor den Fenstern sollen vor den allgegenwärtigen Steinen schützen, die zwischen Siedlern und Arabern hin und her fliegen. Hashem al-Haze, ein palästinensischer Familienvater, wohnt direkt neben einer Siedlung im Stadtzentrum. In einem löchrigen Netz neben seinem Haus sammelt sich der Müll, den die darüber lebenden Siedler in seinen Garten werfen. Er erzählt, wie einer von ihnen seiner kleinen Tochter die Vorderzähne mit einem Stein ausschlug. Konfrontiert man David Wilder, Sprecher der jüdischen Gemeinde von Hebron, mit solchen Vorkommnissen, entgegnet er: „Wir haben das Recht auf Selbstverteidigung.“ Und erzählt, dass ein Siedler außerhalb von Hebron kürzlich von einigen Arabern mit Messern erstochen worden sei. Hass und Gewalt kommen von beiden Seiten. Der Unterschied liegt nur darin, dass die Siedler im Gegensatz zu den Arabern unter dem Schutz des israelischen Militärs stehen. Dieses darf bei Übergriffen der Juden gegen Palästinenser nicht eingreifen. Der Familienvater reicht einen Becher Tee und legt eine CD-ROM in seinen alten Computer. Es ist ein Interview des israelischen Fernsehens mit einer Siedlerfrau, die entrückt lächelt. „Dieses Haus ist schon jüdisch“, sagt sie und deutet nach vorne. Dann zeigt sie nach hinten und sagt: „Und dieses Haus wird bald jüdisch sein.“ Es folgen einige verwackelte Videos anderer Provenienz – in Bedrängnis gekommene Palästinenser haben sie mit Camcordern aufgezeichnet. In einem skandieren Siedler Parolen und rammen einen Holzpflock gegen eine Haustür, wieder und wieder. Dahinter hat sich eine palästinensische Familie verschanzt. Die israelischen Soldaten stehen daneben, untätig, die Arme über die Brüstung des Hauseingangs gelehnt. Und schauen weg.

Zusammenstöße vermeiden sie nur, indem sie Palästinenser von den Straßen Hebrons verbannen: „Tzir Stereeli“, sterile Straße, würden die Soldaten einen Sektor nennen, der aus Sicherheitsgründen von Arabern nicht mehr betreten werden dürfe, sagt Shaul. Im Fall Hebron handelt es sich dabei um einen Gutteil des Stadtzentrums. Siedler dagegen dürfen sich in der ganzen Altstadt frei bewegen. „Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass man nicht die Siedler vor den Arabern, sondern die Araber vor den Siedlern beschützen muss“, sagt Shaul. Als er sich einer jüdischen Siedlung nähert, wird er – samt Falter-Redakteur – von einigen Soldaten festgenommen. Die Anwesenheit neben einer Siedlung stelle eine Provokation dar, lautet die unwillig vorgebrachte Begründung. Dann beraten sich die Soldaten per Funk, was nun mit den Fremden zu tun sei. „In Hebron gibt es keinen Rechtsstaat“, wiederholt Shaul. Er rückt seine Kippa zurecht und lächelt. Eine Stunde später werden die Eindringlinge per Militärjeep aus der besetzten Stadt gekarrt.

Israel ist eine Demokratie, also kann es Kritiker und Beobachter nicht ganz vom Westjordanland fernhalten. Aber es tut sein Bestes. Den Hinterhof des Landes sollen sie möglichst nicht zu Gesicht bekommen. Ganz anders in Sderot. Hier ist jeder willkommen, der erzählt, wie viel Leid und Verzweiflung die Qassam-Raketen verursachen. Cheryl Ben-Davids Telefonnummer findet sich im Internet, unter Qassam victims. Ein Hügel nahe ihrem Haus offenbart den Blick in eine Ebene. Die rechteckigen Silhouetten von Wohnblöcken verschwimmen im Mittelmeerdunst und der Wind verweht da und dort eine Rauchsäule. Das sei der Gazastreifen, sagt Ben-David. Und was er für Sderot bedeute, könne man im Hinterhof der städtischen Polizeistation sehen.

Dort stehen einige Polizeiwägen und rauchende Polizisten, aber der Blick fällt auf zwei stählerne Regalwände. Sie führen die Außenmauer des Gebäudes entlang. Hier liegen die eingesammelten Qassam-Raketen. Rund 4500 Stück gingen seit 2001 auf Sderot nieder. Hunderte von ihnen lagern hier, übereinandergestapelt und aneinandergereiht, allesamt beschriftet mit Zeit und Ort des Aufpralls, verrostet und zersplittert von der Wucht der Explosion. Etwa eineinhalb Meter sind sie lang, Schweißnähte zeugen von ihrer primitiven Machart. „Wir haben nicht Platz für alle. Es gibt ein Lager, wo noch viel mehr liegen“, sagt eine Polizistin. Der Sprengstoff kommt aus dem Sudan, das Know-how der Bombenbauer aus Syrien und dem Iran, und durch Tunnels unter dem Grenzzaun zwischen Ägypten und Gaza werden die Raketen zu ihrem Zielort geschmuggelt. Er heißt Bait Hanun, liegt am Nordrand des Gazastreifens, gerade sechs Kilometer von Sderot entfernt. Von dort aus feuern die Qassam-Brigaden ihre Ladung auf die Kleinstadt. Wenn sie jemandem das Leben rauben, beginnen in Gaza die Jubelchöre der Hamas, die von den Nachrichtenagenturen in alle Welt übertragen werden. Die Bewohner von Sderot ziehen dann in die Hauptstadt Jerusalem, um vor der Knesset für die Wiederbesetzung von Gaza zu demonstrieren. „Kein Staat der Welt würde sich derart brutale Verletzungen seiner Souveränität gefallen lassen“, kommentierten kürzlich die deutschsprachigen Israelnachrichten. „Das Klima der Angst macht jeden zum Hardliner“, schrieb der deutsche Spiegel-Online.

Die Israelis haben eine Mauer gebaut, um palästinensische Selbstmordattentäter von Anschlägen auf vollbesetzte Busse in Tel Aviv abzuhalten. Sie haben das Westjordanland mit Militärstützpunkten und Checkpoints überzogen, an denen pendelnde Palästinenser Tag für Tag zum stundenlangen Warten vor Metalldetektoren und Ausweiskontrollstellen gezwungen werden. Die Israelis haben den Gazastreifen abgeschirmt und isoliert. Dies alles hindert die Hamas nicht daran, im beschaulichen Sderot Angst und Verzweiflung zu verbreiten. Dies alles hat das Problem der besetzten Gebiete nicht gelöst, lediglich ausgesperrt. Wie virulent es ist, zeigt das Beispiel Hebron. Wie ungelöst, das Beispiel Sderot. Die erste mögliche Lösung wäre, Israel und Palästina zu zwei voneinander unabhängigen Staaten zu machen. Dagegen spricht allerdings jene Viertelmillion jüdische Siedler, die sich zwischenzeitlich im Westjordanland niedergelassen haben. Die zweite mögliche Lösung wäre, Israel und Palästina einen gemeinsamen friedlichen Staat bilden zu lassen. Dagegen wiederum sprechen die hohen Geburtenraten der Palästinenser. In 20 Jahren, schätzt man, wird die Bevölkerungsmehrheit in Israel und Palästina kippen. Dann wären die Araber in der Mehrheit. Und Israel hätte seine ideelle Grundlage, das Judentum, verloren. „Ich weiß einfach keine Lösung“, sagt Yehuda Shaul und nippt am Schwarztee, den ihm der arabische Familienvater in seinem Haus in Hebron aufgebrüht hat. „Ich will auch gar keine anbieten.“ Denn ihm gehe es nur darum, die Realität der territories aufzuzeigen. Nicht einmal für den Abzug der 800 Siedler aus Hebron setze er sich ein, lediglich für ein lebenswertes Miteinander von Israelis und Palästinensern. Einer seiner Kollegen, ein NGO-Aktivist aus Ramallah, sieht das Video, in dem die Siedlergruppe ins Haus der Palästinenserfamilie einzudringen versucht. Der Film reißt ab, und auf dem Band ist nicht mehr zu sehen, ob es ihnen gelungen ist oder nicht. „Wo bleibt jetzt das Happy End?“, fragt der Aktivist. Yehuda Shaul antwortet zynisch und pathetisch: „It’s not happy. I’m sorry. Probably there’s something wrong here.“

Erschienen im Falter 20/08

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