Alles privat?

AFFÄRE Die Pratervorplatzfirma Explore 5D hat Insolvenz angemeldet. Was mit den betroffenen Kleinunternehmen passieren soll, ist unklar. JOSEPH GEPP

Nach fünf Jahren Praterdebatte kann die Stimmung schon manchmal heiß werden. Josef Hafner, Geschäftsführer der Wiener Bühnenausstattungsfirma Gerriets, klingt zornig: Heilfroh sei er gewesen, als sein Betrieb den Auftrag zur Ausgestaltung des neuen Pratervorplatzes bekam. „Es war von der Stadt. Es war ein großes Projekt. Und es sollte schnell gehen wegen der EM. Wir haben deshalb gute Kunden benachteiligt. Und jetzt sagt die Stadt: Ihr müssts halt schauen, wies zu eurem Geld kommts.“

„Wenn der Auftrag von der Stadt kommt, dann verzichtet man halt auf die branchenüblichen Sicherheiten“, sagt auch Markus Tripolt von der Fassadenmalfirma vol:vox. Dieser Verzicht fällt den Subunternehmern nun auf den Kopf: Rund 15 von ihnen hat die Planungsfirma Explore 5D mit Aufträgen beim Bau des umstrittenen neuen Pratervorplatzes (siehe Falter 18/08) bedacht. Nun wurde das Ausgleichsverfahren gegen die Firma eröffnet. Der Totalunternehmer ist pleite. Und die kleinen Firmen, die beim Bau mithalfen, bangen um ihre Existenz.

Und die Stadt? Die will – vorläufig – von den Nöten der Firmen wenig wissen. „Zu den Firmen stehen wir in keinem Vertragsverhältnis“, schreibt Georg Wurz, Geschäftsführer der stadteigenen Riesenradplatz Errichtungs GmbH, in einem knapp gehaltenen Mail an die Unternehmer. Das stimmt zwar, aber vieles lässt darauf schließen, dass die Stadt trotzdem Verantwortung für die kritische Situation trägt: Rund die Hälfte der Baukosten von 32 Millionen Euro kommt aus dem Gemeindebudget. Die Grundfläche ist Stadteigentum. Das Projekt wurde auf einer städtischen Pressekonferenz erstmals vorgestellt. Und vor allem: Die nun zahlungsunfähige Explore 5D – eine Firma, deren bisherige Projekte allesamt in Konkurs gegangen waren – wurde ohne Ausschreibung zum Totalunternehmer, per Entscheidung von Vizebürgermeisterin Grete Laska. Eine Leasingtocher der Volksbankgruppe fungierte als offizieller Auftraggeber.

„Der neue Zugangsbereich zum Prater stellt bereits in der Bauphase einen nicht unwesentlichen wirtschaftlichen Faktor dar“, hatte die SPÖ Wien noch im Oktober 2007 stolz bekannt gegeben. Jetzt scheitert die Betreiberfirma – und die Subunternehmer stehen mit leeren Händen da. 40 Prozent der Auftragssummen innerhalb zweier Jahre hat ihnen Explore 5D angeboten. „Das ist zu wenig. Für die meisten von uns wäre das existenzgefährdend“, sagt Markus Tripolt. Er und die anderen Geschäftsführer fordern nun einen runden Tisch mit allen Beteiligten. Grete Laska hat immerhin einem „Informationsgespräch“ zugestimmt, das nach Redaktionsschluss des Falter stattfinden soll. „Die Stadt putzt sich ab und lässt die Unternehmer im Regen stehen“, sagt Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen, die nun einen Misstrauensantrag gegen Laska einbringen wollen. „Wir würden einfach gern wissen, wo das ganze Geld von der Gemeinde hingekommen ist.“

Erschienen im Falter 26/08

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