STADTRAND – U-Bahn-Fahndung

Nestroyplatz, U1-Station. Gerade ist ein Zug abgefertigt worden,
die Fahrgäste strömen zum Ausgang. Oben erwartet sie eine Handvoll
Kontrolleure. Seit einiger Zeit berechtigt sie ein OGH-Urteil, beim
Festhalten von Schwarzfahrern „angemessene Gewalt“ anzuwenden. In der
Praxis läuft das offenbar so ab: Ein älterer Mann wird brüsk
aufgefordert, seinen Fahrschein herzuzeigen. Dadurch eingeschüchtert
bekommt er Angst, nestelt nervös in seiner Tasche, sucht panisch den
Schein. Er spricht mit dem Kontrolleur respektvoll, fast devot. Ob er
nun schwarzfährt oder nicht – Fluchtgefahr völlig ausgeschlossen!
Doch der Kontrolleur schreit ihn an: Er brauche sich gar nicht
einbilden, weglaufen zu können. Denn drüben stünden genauso
Kontrolleure. „Stell dich nur blöd, und ich hol sofort die Polizei.“
Andere Fahrgäste drehen sich um, wundern sich über so viel Aggression
bei einem so folgsamen Fahrgast. Je mehr der Schwarzkappler schreit,
desto mehr fürchtet sich der alte Mann. Vielleicht sollten die Wiener
Linien ihren Kontrolleuren ein wenig Einfühlungsvermögen beibringen.
Denn was „angemessen“ ist, hängt vor allem davon ab. J. G.

Erschienen im Falter 50/07

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Eingeordnet unter Behörden, Das Rote Wien, Verkehr, Wien

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