STADTRAND – Marken-Uhren

„Unaufdringlich“, hat es geheißen. Unaufdringlich soll das Logo
der Wiener Städtischen auf den Ziffernblättern der bekannten Wiener
Würfeluhren prangen. Im Austausch für 550.000 Euro, mit denen die
Versicherung ein Jahrzehnt lang Renovierung und Erhalt der nützlichen
Stadtmöbel sponsert. Viel Geld? 550.000 Euro, dividiert durch zehn
Jahre zu je zwölf Monaten, dividiert durch 72 zu restaurierende
Würfeluhren zu je vier Ziffernblättern. Ergibt 16 Euro pro Monat und
Ziffernblatt. Kein schlechtes Geschäft für einen derart exponierten
Werbeträger. Die Präsentation der ersten gebrandeten Würfeluhr beim
Ringturm zeigte zudem, dass das Wörtchen „unaufdringlich“ recht weit
definiert werden kann: Der Schriftzug der Firma reicht
ziffernblattbreit von neun bis drei. Rechts oben prangt das
Blumenlogo der Versicherung. Ihr Auftritt gibt den alten Uhren ein
ganz neues Gepräge. Ähnlich wie bei den zugepflasterten
U-Bahn-Stationen und den werbebepickten Straßenbahnen. Oder den
Riesenplakaten auf Stephansturm und Staatsoper. Wer schützt uns
eigentlich vor visuellem Müll? Die Wiener Städtische offenbar nicht.
J. G.

Erschienen im Falter49/07

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