STADTRAND – Synchron schlenkern

Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass die orangen Halteschlingen
an den Decken der U-Bahn-Wägen immer synchron schlenkern? Nur wenn
sich die U-Bahn-Tür öffnet und der Wind von draußen die Ordnung
stört, dann kommt die eine oder andere Unregelmäßigkeit in den
perfekt choreografierten Gleichschritt. Wenn sie dann aber schließt
und der Zug beschleunigt, beginnt die Reihe ihren wagenlangen Cancan.
Allerdings: Pro Waggon finden sich immer ein bis zwei Griffe, die
sich der Konformität widersetzen. Wenn alle nach rechts schlenkern,
schlenkern sie nach links; wenn alle den tiefstmöglichen Punkt ihrer
Bewegung erreichen, erreichen sie den höchstmöglichen. Liegt das an
der Reibung? Kleine schmieröldunkle Halterungen verbinden den Griff
mit der Decke. Werden sie nicht alle gleichermaßen eingeölt? Schwer
vorstellbar, dass die perfide Absicht eines anarchistisch veranlagten
U-Bahn-Mitarbeiters dahintersteckt. Wahrscheinlich ist es
Chaostheorie: Bei der Vielzahl der möglichen Ausgangsbedingungen
lässt sich nicht mehr sagen, wie das Ausscheren des Einzelnen
zustande kommt. J. G.

Erschienen im Falter 48/07

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Eingeordnet unter Stadtleben, Stadtrand, Verkehr, Wien

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