Lagerkoller

Aus dem profil 07/2019 vom 10.2.2019

Ballungsräume wachsen, Wohnraum wird knapp – Lagerraum erst recht. Wohin mit den Dingen, die man nicht ständig braucht, aber auch nicht entbehren will? Die boomende Selfstorage-Branche erzählt viel über das Leben in der Stadt.

Von
Joseph Gepp

Es gibt in Großstädten wie Wien grosso modo zwei Arten von Kellern. Da wären zunächst die alten, ziegelsteinernen, oft modrig-feuchten. Und dann jene, auf welche Neubauten aufgesetzt werden: rechtwinkelig, funktional, mit sauber aneinandergereihten, hellen Abteilen.

Bei „MyPlace“ in Wien-Döbling sieht es aus wie in einem Keller des zweiten Typs. Nur befindet man sich nicht unter der Erde, sondern mehrere Stockwerke darüber. Schmucklose Gänge, Halogenlicht, Abteile aus Blechwänden, jeweils mit Vorhängeschloss. Von außen sind diese Gebäude voluminöse, gesichtslose Kästen an vielbefahrenen Straßen. Drinnen säuselt Musik durch die Gänge. „Damit sich die Kunden nicht einsam fühlen beim Ein-und Ausräumen „, sagt Christian Beiglböck, MyPlace-Manager in Wien. Der Standort ist einer von mittlerweile 46 in Österreich , Deutschland und der Schweiz, fünf weitere sind in Bau, drei in Planung. Gegründet wurde MyPlace 1999 vom Wiener Unternehmensberater Martin Gerhardus, kurz nach der Gründung stiegen die Brüder Herbert und Harald Hild in die Betreibergesellschaft Selfstorage – Dein Lager Lagervermietungs GmbH ein (später kam vorübergehend auch die Immofinanz-Gruppe hinzu). Das Geschäft läuft. Die Firma beschäftigt mittlerweile 165 Menschen und schreibt knapp 50 Millionen Euro Umsatz jährlich. Das Geschäftsjahr 2017/2018 schloss mit einem Nettogewinn nach Steuern in der Höhe von 13,3 Millionen Euro, im Jahr davor waren es 11,46 Millionen Euro gewesen und im Jahr davor 11,67 Millionen. MyPlace war der erste Anbieter seiner Art in Österreich, ist aber längst nicht mehr der einzige. Auf dem österreichischen Markt ist eine Reihe von Mitbewerbern entstanden, mit Namen wie „Localstorage“ oder „Extraspace“. Manche bieten wie MyPlace Abteile in Gebäuden an, bei anderen, wie dem Anbieter „Easy Storage“, kann man Container mieten.

Das 2016 gegründete Start-up Storebox zum Beispiel, ebenfalls ein österreichisches Projekt dreier Jungunternehmer, verfügt bereits über rund 25 Filialen in Wien und dem Umland. Im vergangenen Oktober ist die Signa Holding des Tiroler Immobilienmagnaten René Benko bei Storebox eingestiegen; um kolportierte fünf Millionen Euro erwarb Benko 20 Prozent des Unternehmens. Für heimische Start-up-Verhältnisse ein großer Deal. Was Leute einlagern und warum, erzählt viel über die Mobilität der Menschen und deren Lebensweise in den Städten. Mit dem „Phänomen Selfstorage“ befasst sich nun auch eine höchst sehenswerte Ausstellung im Wien-Museum, die am 14. Februar anläuft (im Ausweichquartier in der Felderstraße in der Wiener Innenstadt, weil das Haupthaus am Karlsplatz renoviert wird).

Die Schau fügt sich ins Bild. Rund um die Themen Aufräumen und Ausmisten ist in letzter Zeit eine regelrechte Beratungsindustrie entstanden. Im Internet findet man haufenweise Tipps fürs richtige Aussortieren von Kleiderschrank bis Bücherregal. Ob Wüstenrot-Versicherung, Versandhaus Otto oder Frauenzeitschrift „Brigitte“: Alle bieten Hilfe. Dazu kommt eine viel diskutierte Doku-Serie auf der Streaming-Site Netflix: In „Aufräumen“ hilft die Japanerin Marie Kondō, Bestsellerautorin von Ratgeberbüchern, Leuten beim Ausmisten -mit nachgerade religiöser Hingabe. In andächtiger Langsamkeit sprechen die Protagonisten Abschiedsworte zu den Dingen, ehe sie diese weggeben. Botschaft: Wer seine Wohnung von überflüssigen Sachen befreit, befreit auch seine Seele. Wer sich noch nicht ganz so weit fühlt, kann sich sein Zeug zumindest vorerst vom Hals schaffen, indem er es einlagert. Im Kellerabteil. Oder eben im angemieteten Lager. Drei bis fünf Quadratmeter sind diese gemeinhin groß. Meist mieten sie die Kunden für ungefähr eineinhalb Jahre, sagt MyPlace-Gründer Martin Gerhardus. Kosten für ein durchschnittliches Abteil: grob 100 Euro monatlich, je nach Lage und Auslastung. Was Leute so einlagern?“Im Wesentlichen Hausrat und Dinge, von denen man sich nicht trennen will“, so Gerhardus. „Das können Ski sein, das Kinderbett von der Großmutter, die alte Plattensammlung.“ Gerhardus schätzt, dass der Selfstorage-Markt im deutschsprachigen Raum jedes Jahr um fünf bis sieben Prozent zulegt – wobei die Deutschen noch einlagerungsfreudiger seien als die Österreicher.

Die Gründe für das rasche Wachstum haben nicht nur mit dem Bedürfnis nach Minimalismus à la Marie Kondō zu tun, sondern auch mit handfesteren Entwicklungen: Die Lebensweise der Menschen in großen Städten ändert sich rasant.

Foto: Klaus Pichler/Wien-Museum

Der Raum wird knapper und folglich teurer. In Wien zum Beispiel ist die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten pro Quadratmeter seit dem Jahr 2007 um beachtliche 37 Prozent gestiegen, auf 7,78 Euro im Jahr 2017. Bei Wohnungseigentum beträgt die Preissteigerung im selben Zeitraum laut Oesterreichischer Nationalbank gar 89 Prozent. Viele Städter müssen deshalb mit kleineren Wohnflächen vorliebnehmen, die weniger Stauraum bieten. Im Jahr 2011 fand im Wohnungswesen der Hauptstadt eine Zeitenwende statt: Erstmals seit einem halben Jahrhundert stieg die durchschnittliche Wohnfläche pro Bewohner nicht mehr an, sondern sank. Derzeit steht sie laut Statistik Austria bei 34 Quadratmetern, 2011 waren es noch 38.

Aus der zunehmenden Knappheit ergeben sich bauliche und gesetzliche Veränderungen. So hat das lukrative Geschäft, Dachgeschosse auszubauen, Lagerflächen unter Dachstühlen stark reduziert. Um mehr leistbaren Wohnraum zu schaffen, nimmt die Stadtregierung auch Veränderungen in der Bauordnung vor, die den Stauraum weiter schmälern. So fiel im Jahr 2008 der Passus, wonach jede Neubauwohnung über einen Abstellraum verfügen muss. Auch auf Kellerabteile darf heute verzichtet werden. Außerdem sind die Städter äußerst mobil unterwegs: Im Jahr 2017 gab es in Wien ganze 366.000 Wohnsitzwechsel -heißt: Jeder fünfte Bewohner der Stadt zog in diesem Jahr um.

Kein Wunder, dass die Selfstorage-Lager boomen – wenngleich nur in Ballungsräumen. Das Stadt-Land-Gefälle ist wenig überraschend stark, im ländlichen Raum ist die Platznot nicht annähernd so ausgeprägt. Elf der 13 österreichischen MyPlace-Lager stehen in Wien, je eines in Graz und in Linz. Wer in die Lagerabteile blickt, wird „ganze Schichten an Erinnerungen übereinander“ entdecken , erzählen Martina Nußbaumer und Peter Stuiber, Kuratorinnen der Ausstellung im Wien Museum. Sie haben recherchiert, wofür genau Menschen ihre Abteile nutzen (siehe Fotos). Sie sind zum Beispiel auf einen Jazz-Musiker gestoßen, der berufsbedingt häufig aus dem Koffer lebt – und Kompositionen und Aufnahmen aus Jahrzehnten im Storage-Abteil bunkert. Oder die Frau, die ihre komplette Familiengeschichte dort verstaut hat: von den Fotos der Großmutter beim Wörther-See-Urlaub in den 1930er-Jahren bis zu den selbst gebastelten Schultüten beim Volksschuleintritt ihrer Kinder, ein halbes Jahrhundert später.

Miranda M., Wienerin, legte sich nach einem Umzug in eine kleinere Wohnung vor einigen Jahren ein Selfstorage-Abteil zu. Darin hat sie ihre Familiengeschichte verstaut: von Fotoalben ihrer Großeltern, die im Jahr 1945 als Deutschsprachige aus Brünn fliehen mussten, bis zu einer Puppe, die sie 1995 ihrer vierjährigen Tochter schenkte.
Foto: Klaus Pichler/Wien-Museum

Weil der Platz in den Städten so bald nicht wieder zunehmen wird, darf man der Selfstorage-Branche auch in Zukunft Zuwächse voraussagen. Die Tendenz geht allerdings weniger in Richtung kastenartige Großlager, wie MyPlace sie betreibt. Sondern eher zu Lagern nach Art der jungen Firma Storebox: Dieses Unternehmen gründet seine Filialen in zuvor leerstehenden Erdgeschosslokalen -und von denen gibt es eine ganze Menge. Die Zahl der Storebox-Filialen, die von außen mit knallbunter Folie beklebt sind, wächst rasant. Nur drei Jahre nach Gründung findet man sie in Wien, St. Pölten, Salzburg, Linz, Mainz, München und Berlin. Nachteil des Geschäftsmodells: Zugepickte Erdgeschosslokale bereichern das Straßenbild nicht gerade. Vorteil: Man ist extrem nahe dran am Kunden. Es ist fast so, als habe man einen eigenen Keller, nur muss man eben bezahlen.

Und was, falls Selfstorage-Benutzer nicht zahlen? Davon handeln in den USA ganze Fernsehserien. Dort hat sich unter den Unternehmern der Branche die Praxis eingebürgert, den Inhalt von Selfstorage- Lagern nach einer Wartefrist zu versteigern. Die Bieter wissen jedoch nicht, was sich im Abteil befindet. Doku-Soaps wie „Storage Wars“ handeln davon, wie glückliche Auktionsteilnehmer auf millionenschwere Schätze stoßen. Oder doch eher auf Gerümpel.

In Österreich erlaubt das Gesetz keine Versteigerungen, sagt MyPlace-Manager Christian Beiglböck. Aber dass Kunden nicht bezahlen, käme trotzdem immer wieder vor. In diesem Fall gibt es mehrere Kontaktaufnahmeversuche und eine 90-tägige Frist. Bleibt alles ergebnislos, wird das Abteil geöffnet. Die darin befindlichen Dinge werden entweder weggeworfen oder, falls sie Wert haben, durch spezialisierte Verwertungsunternehmen verkauft. „Aber so lang ich mich erinnere, war noch nie etwas Wertvolles dabei“, sagt Beiglböck. „Nur Müllsäcke mit Gewand, Bügelbretter, alte Möbel.“

Renata Werdung verfügt über ein Drei- Quadratmeter-Abteil, seit 2009 infolge eines Umzugs der Platz für ihre Kleidung nicht mehr reichte. Sie verwendet es wie einen begehbaren Kleiderschrank. Die Ex-Journalistin und Werbefachfrau besucht gern Veranstaltungen wie die Salzburger Festspiele. Die dazugehörigen Abendkleider hängen im Mietlager.
Foto: Klaus Pichler/Wien-Museum

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Der Unartige

Aus dem profil 06/2019 vom 3.2.2019

Der Unartige

Was andere wollen, hat der Unternehmer Michael Tojner im Überfluss: Geld, Einfluss – und gute Rechtsanwälte. Als Student verkaufte er Eis, handelte mit Möbeln und Mixern. Heute kauft er Immobilien und Firmen und sorgt immer wieder für Kontroversen. Porträt eines Grenzgängers.

Der 2. April 2016 war für Michael Tojner ein erkenntnisreicher Tag. Ihm widerfuhr etwas, wofür er kein besonderes Talent hat: verlieren -noch dazu vor Publikum. Der Unternehmer hatte 300 enge Freunde zu einer Party ins Wiener Kasino am Schwarzenbergplatz geladen, um seinen Fünfziger zu begehen. Er ahnte nicht, dass seine Ehefrau Renate für den Höhepunkt des Abends sorgen würde. Sie hatte in aller Heimlichkeit die Comedy-Truppe um Robert Palfrader für einen Auftritt gebucht, der verdutzte Gatte bekam eine Privataudienz beim Kaiser. Nachdem dieser sich durch Tojners Vita geblödelt hatte, bat er den Jubilar zur Nagelprobe. Doch der Kaiser spielte falsch. Er ließ sich zu einem kleinen Nagel einen sehr großen Hammer bringen, Tojner hingegen bekam zu einem großen Nagel einen winzig kleinen Hammer. Der Ausgang war absehbar. Der Betrogene soll die Niederlage nonchalant erduldet haben, wie Anwesende amüsiert berichten.

Nein, Michael Tojner verliert nicht gern – nicht einmal zum Spaß.

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der es nicht ohne Grund auf die Titelseite von profil geschafft hat. Tojner darf für sich in Anspruch nehmen, eine bemerkenswerte Karriere hingelegt zu haben. Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Er hat aus dem Nichts eine ansehnliche Industrieund Immobiliengruppe emporgezogen und damit ein Vermögen begründet, das zumindest rechnerisch einige Generationen nach ihm versorgen könnte. Ein Selfmade-Typ par excellence. „Michael hat die Gabe, Chancen in ihrer wahrer Dimension zu erkennen. Er hat den Zug zum Tor“, schwärmt Tojners Rechtsberater Wolfgang Brandstetter, Verfassungsrichter, ehemaliger Justizminister und ÖVP-Vizekanzler. Brandstetter ist Tojner seit langer Zeit verbunden, schon seine Eltern waren mit jenen von Tojner befreundet.

Dies ist auch die Geschichte eines Mannes, der riskiert, provoziert und polarisiert. Im Geschäftsleben gilt er als obsessiv, unberechenbar, unbequem, zuweilen unartig; als einer, der Grenzen austestet und Gesetze grundsätzlich nicht als Hürde begreift, eher als Herausforderung. Manche nennen ihn schlicht skrupellos.

„Auf zwei Freunde kommen acht Feinde“, hat Tojner einmal über Tojner gesagt und wertete das durchaus als Leistungsausweis.

Der Rechtsanwalt Wolfgang Hofer, Gründer und Partner der angesehenen Wiener Kanzlei Grohs Hofer, hatte mit Tojner geschäftlich zu tun. Hofer sitzt unter anderem im Vorstand der Industriestiftung B & C, wo Tojner zuletzt den Fuß in die Türe bekommen wollte. Der Anwalt hat den Kontrahenten nicht in allerbester Erinnerung: „Zu Tojners Fehlern zählt sicher nicht, dass er zu viel Wort hält“, feixt Hofer.

Michael Tojner hat jedenfalls ein Händchen fürs Geld. Als Student verkaufte er Eis im Park des Schlosses Schönbrunn, als Mittfünfziger gehört er zu den Bestsituierten des Landes. Laut dem Wirtschaftsmagazin „trend“ liegt Tojners Vermögen mittlerweile jenseits der Milliardengrenze. Er ist am Wiener Auktionshaus Dorotheum beteiligt und Gründer der Montana Tech Components, einer Schweizer Unternehmensgruppe, an der mehrere Firmen mit Standorten in 20 Ländern und insgesamt 7000 Arbeitsplätze hängen: Aluminiumverarbeitung, Maschinenbau, Verpackungsmaterial, Energiespeicher. Stolz der Gruppe ist der Batterienhersteller Varta, den Tojner der deutschen Industriellenfamilie Quandt (BMW, Altana) und der Deutschen Bank 2007 abkaufte.

In seiner Wertinvest hat er zudem ein ansehnliches Immobilienportfolio angehäuft, zu welchem unter anderem Liegenschaften in Manhattan, Zinshäuser in Wien und Deutschland, ein ehemaliges Kloster in Niederösterreich und das Wiener Hotel Intercontinental gehören. Das Intercontinental war es auch, das Tojner einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Seit Jahren sorgt sein Wiener „Heumarkt-Projekt“ für Kontroversen und böse Gerüchte. Tojner will den alten Intercont-Kasten abreißen und auf einem Areal, das den traditionsreichen Wiener Eislaufverein umfasst, zwei neue Kästen errichten: ein Hotel und einen 66 Meter hohen Wohn-und Geschäftsturm. Tojner hat es -wie auch immer – geschafft, die rot-grüne Stadtregierung im Allgemeinen und die scheidende grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou im Besonderen für das Hochhaus-Projekt einzunehmen – ungeachtet der Tatsache, dass Wiens Weltkulturerbe-Status damit gefährlich ins Wanken gerät. Auch das ist Michael Tojner. Wo der Unternehmer auftaucht, bleibt Ärger selten aus. Man kann es auch flapsiger ausdrücken: Tojner ist jemand, der sich wenig scheißt. Das war zumindest bisher so.

Wien, 23. Jänner 2019. Tojner empfängt profil zu einem Interview im Dachgeschoss des „Varta“-Hauses am Wiener Getreidemarkt. Von hier aus dirigiert er seine weitläufigen Unternehmungen und Besitzungen. Der stilsicher eingerichtete Konferenzraum mit seinen wuchtigen dunklen Vintage-Armchairs könnte als Kulisse für einen frühen James-Bond-Streifen gedient haben – nur dass in diesem Fall nicht ganz klar ist, wer am ausladenden Konferenztisch Platz zu nehmen pflegt. Ist es 007, der smarte Typ mit der „License to kill“? Oder doch Auric Goldfinger, der exzentrische Milliardär, von Beruf Bösewicht?

An diesem Nachmittag ist Tojner keiner von beiden. Die Anspannung der vergangenen Tage ist ihm anzusehen, die ihm eigene Robustheit im Auftreten kaum zu spüren. Tojner hat Probleme mit dem Land Burgenland. SPÖ-Finanzlandesrat Hans Peter Doskozil, designierter Nachfolger von Landeshauptmann Hans Niessl, hat ihn und vier andere Personen angezeigt – Verdacht des Betruges und Untreue. Tojner soll das Land 2015 um einen Betrag in einer Größenordnung von 40 Millionen Euro geprellt haben. Es geht um vermutete Unregelmäßigkeiten rund um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit zweier Wohnbaugenossenschaften und die Rolle mehrerer Treuhänder, die für Tojner tätig gewesen sein sollen (profil berichtete ausführlich). Der Angezeigte bestreitet die Vorwürfe -im Verlauf des Gesprächs wird er immer wieder darauf hinweisen, dass er nicht nur die Verantwortung für sechs Kinder trage, sondern auch für Tausende Mitarbeiter.

In Deutschland steht für ihn mittlerweile einiges auf dem Spiel. Die Varta-Gruppe will expandieren, sie drängt ins Geschäft mit Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos. Erst vor wenigen Wochen verkündete der Varta-Vorstandschef gemeinsam mit der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin den Start eines Forschungsprojekts am Standort Ellwangen. Das Land Baden-Württemberg und das Bundesforschungsministerium haben bis zu 35 Millionen Euro an Förderungen zugesagt.

Wenn der Varta-Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende Tojner eines im Moment überhaupt nicht brauchen kann, dann den öffentlichkeitswirksamen Vorwurf, ein österreichisches Bundesland um Steuergeld betrogen zu haben. „Diese medial vorgetragene Rufschädigung ist nicht akzeptabel“, sagt Tojner, hörbar entrüstet: „Es ist doch höchst befremdlich, dass man hier an die Öffentlichkeit gegangen ist, ohne dem Betroffenen die Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben.“(Das Interview erschien in der profil-Ausgabe der Vorwoche.)

Tojner wird außerdem ein flammendes Interesse an der Funktion des Präsidenten des SK Rapid Wien nachgesagt. Er ist ein bekennender Fan, hat im Allianz-Stadion eine „Varta“-Loge, sponsert den Nachwuchs und sitzt im Beirat der SK Rapid Wien GmbH – gemeinsam mit Hans Peter Doskozil. Beide haben ihr Mandat im Beirat mittlerweile ruhend gestellt. So wird man schwerlich Präsident. Michael Tojner, der Unverwundbare, ist verwundbar geworden.

1) Wer ist Michael Tojner?

Heuschrecke. Tojner mag dieses Wort nicht. „Das ist eine Frechheit für das, was ich mache“, sagte er in der Wiener Wochenzeitung „Falter“ im Jahr 2013. „Ich war immer ein Unternehmens-und Projektentwickler.“

Grenzgänger. Auch dieses Wort mag Tojner nicht. „Ich bin Entrepreneur, kein Grenzgänger. Ich weiß, was ich tue, auch in meiner finstersten Stunde“, sagte er in der Tageszeitung „Der Standard“ 2017. Das Wirtschaftsmagazin „trend“ bezeichnete ihn

als „Geldnase“. Das komme einer „Verhöhnung“ gleich, wie er der Redaktion in einem Leserbrief ausrichtete. Das ist 20 Jahre her; Tojner war damals 32. Zocker. Auch die Zuschreibung auf der Titelseite dieses Magazins wird er nicht mögen. Wenn Michael Tojner in den Spiegel blickt, dann sieht er einen gänzlich anderen: den doppelten Doktor der Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre; den Titularprofessor der Wiener Wirtschaftsuniversität; das Vorstandsmitglied der Wiener Industriellenvereinigung; den Herausgeber und Autor wirtschaftswissenschaftlicher Abhandlungen; den Veranstalter politischer Diskussionsreihen; den Freund und Förderer von Kunst, Architektur und Sport; den Ästheten; den Familienmenschen.

Fremdbild-Selbstbild. Das ewige Dilemma. Tojner wurde 1966 im oberösterreichischen Steyr geboren, Kindheit und Jugend verbrachte er im niederösterreichischen Haag. Jüngster von drei Brüdern, einer wurde später Lehrer, wie die Mutter, ein anderer Installateur, wie der Vater. Tojner zog es nach der Matura 1984 am Bundesrealgymnasium Amstetten zum Studium nach Wien. Später erzählte er, dass der Vater ihm den Traum, Architekt zu werden, nicht vergönnte. „Willst du später einmal in Wien Taxi fahren? Studier was Gscheits.“ Tojner inskribierte an der WU, später auch am Juridicum. Mitte 20 war er DDr. – und obendrein Millionär, wenn auch nur in Schilling. Vorerst.

Die Geschichte vom Eisverkauf in Schönbrunn darf in keinem Tojner-Porträt fehlen. Sie ist fester Teil eines sorgsam gepflegten Gründermythos und geht so: Noch als Student hatte Tojner der Schlosshauptmannschaft die Erlaubnis für den Betrieb mobiler Eisstände abgerungen. Mit geborgtem Geld schaffte er eine kleine Eiswagenflotte an, die er im Schlosspark auffahren ließ; später kamen Souvenirs hinzu. „Die erste Million kam en passant. Als ich sie bei einem Blick auf meinen Kontostand registrierte, war das ein starkes Gefühl“, verriet Tojner dem Wirtschaftsmagazin „Format“ 2005. Es blieb nicht bei einer Million Schilling. Tojner verbreiterte sein Geschäftsmodell als Lokal-Betreiber („Mekka“, „Bar Italia“), Möbelhändler („Loft“) und Elektrogeräteexporteur („Trend AG“). Ende der 1990er-Jahre fing er mithilfe der Meinl Bank an, Geld bei Investoren einzusammeln, um in aufstrebende Unternehmen zu investieren, woraus sich sein Investmenthaus Global Equity Partners entwickelte.

Diese Phase in seinem Leben war es auch, die ihm den hartnäckigen Ruf des Glücksritters, der Heuschrecke eintrug. Mehr als 50 Unternehmen will Tojner im Lauf der Jahre gegründet und/oder geund verkauft haben; der Wettanbieter bwin war eines davon. Und nicht immer ging Tojners Wirken gut für alle Beteiligten aus. Er habe damals „sehr viele unzufriedene Anleger zurückgelassen“, sagte der Anlegerschützer Wilhelm Rasinger kürzlich in einem „Standard“-Interview. Tojner selbst sei bei diesen Konstruktionen hingegen „immer auf der Butterseite gelandet“.

Da passt es gut ins Bild, dass er ein Detail in seiner Vita nicht allzu offensiv kommuniziert. Schon die Geschichte mit dem Eisverkauf in Schönbrunn, sein erstes geschäftliches Abenteuer überhaupt, hatte im Unfrieden geendet.

2) Das Leben, ein Grenzgang

Stein des Anstoßes war das Preis-Leistungs-Verhältnis. Drei Kugeln Eis um 35 Schilling, das wollte Schönbrunn irgendwann nicht mehr tolerieren. Überdies wurden aus den zunächst mobilen Eiswagen feste Kioske. „Die Standln sind alle illegal errichtet“, polterte 2000 Wolfgang Kippes, damals Schönbrunn-Geschäftsführer. Die Causa landete vor Gericht; 2001 war Tojner aus dem Geschäft raus.

Der Rechtsweg ist dem Juristen wohlvertraut. „Michael war ein exzellenter Jus-Student, er hätte auch eine akademische Karriere einschlagen können“, erzählt Wolfgang Brandstetter. Bei Tojner selbst hört sich das so an: „Als ich Wirtschaft studiert habe, hat Professor Doralt, einer der ganz großen Rechtsexperten, zu mir gesagt: Tojner, Sie sind zu schade für die Wirtschaftsuniversität, studieren Sie Jus.“ Er habe dann am Juridicum alle Prüfungen des ersten Studienabschnitts innerhalb eines Monats abgelegt und Römisches Recht mit „Sehr gut“ bestanden. Herbert Hausmaninger, langjähriger Ordinarius der Universität Wien, wollte ihn daraufhin als Universitätsassistenten engagieren. Tojner: „Ich kann ohne Anwalt eine Varta AG kaufen. Ja, ich habe ein juristisches Feingefühl.“

Und er weiß es zu nutzen. Tojner hat ein Geschäftsmodell daraus gemacht, gesetzliche und vertragliche Grauzonen und Lücken auszureizen. Dieses Muster zieht sich seit dem ersten Schönbrunner Eiswagen durch seine professionelle Vita. Schon in den 1990er-Jahren sah er sich mit Beschwerden erboster Anleger konfrontiert, die ihm anlasteten, als Fondsmanager unanständig hohe Gebühren verlangt zu haben. 2012 brachten sich Investoren seiner Schweizer Montana Tech in Stellung. Tojner wurde mangelnde Transparenz und die Ungleichbehandlung von Aktionären vorgeworfen.

Oder die Causa Gemeinnützige. Tojner steht im Verdacht, mit Steuergeld geförderte Sozialwohnungen günstig in seinen Besitz gebracht und versilbert zu haben – wobei er Schwächen des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes ausgenutzt haben soll (was Tojner allerdings vehement bestreitet).

Schließlich die Causa B &C Privatstiftung. Dabei handelt es sich um ein einst mit der Bank Austria verbundenes Industriekonglomerat, das unter anderem Beteiligungen an Amag, Lenzing und Semperit umfasst. Tojner wollte eine Unschärfe im Stiftungsrecht dazu nutzen, Zugriff auf die Stiftung und deren Vermögen zu bekommen. Daraus wird nun zwar nichts, doch es deutet einiges darauf hin, dass Tojner selbst an dem Versuch verdienen wird. Tatsächlich hat Tojner sich bei der italienischen Bank- Austria-Mutter UniCredit vertragliche Rechte gesichert, die ihm der Vorstand der B & C Stiftung jetzt teuer abkaufen will -oder muss.

Die Unternehmerin Eva Dichand, Herausgeberin der Gratiszeitung „Heute“ und wie Tojner am Dorotheum beteiligt, sagte einmal über ihn: „Er ist ein unglaublich geschickter Verhandler. Er schlichtet einen Konflikt, alle sind zufrieden, und 24 Stunden später kommt man drauf: Hoppla, das war ja ganz zu seinem Vorteil.“

3) Wer bremst, verliert

Fleißig, ehrgeizig, höchst kompetitiv. Erkundigt man sich nach den auffälligsten Charaktereigenschaften des Michael Tojner, werden zuverlässig diese Attribute genannt. Beim alljährlichen Firmenwochenende am Traunsee, zu dem Führungskräfte von Montana und Wertinvest aus aller Welt zusammenkommen, steht auch ein Fußballmatch gegen die örtliche (ziemlich fitte) Seniorenmannschaft fix auf dem Programm. „Wenn Michael ein Tor schießt, atmen alle auf. Dann ist das Wochenende gerettet“, sagt ein Mitarbeiter. Überhaupt der Sport. Kicken, Boxen, Biken, Heli-Skiing, Kitesurfen, Wasserski, Mucki-Bude -Tojner ist ein Fitness-Junkie und legt es gern auf Wettbewerb an.

19. Jänner 2019, der Nobelskiort Lech am Arlberg. Ein Event ganz nach Tojners Gusto: „Der Weiße Ring“, ein Skirennen für Hobbysportler. 22 Kilometer Abfahrten, 5500 Höhenmeter, rund 1000 Teilnehmer. Tojner tritt im Viererteam an. Am Ende schaffen es Tojner und Sportsfreunde (die Unternehmer Martin Ohneberg und Friedrich Niederndorfer sowie die Ex-Rennläuferin Katrin Gutensohn) auf Rang 23 von 68 Klassierten -aber das wirklich Entscheidende: In seinem Team war Tojner der Schnellste.

Tojner ist eine Kämpfernatur, die über einen langen Atem verfügt. Das zeigt auch die Geschichte rund um sein umstrittenes Hochhaus-Projekt am Wiener Heumarkt, welches er trotz vieler Widerstände und Ungereimtheiten durchziehen will. Auf dem Areal mit dem in die Jahre gekommenen Hotel Intercontinental und dem Wiener Eislaufverein möchte er sich offenbar ein Denkmal setzen -entworfen vom brasilianischen Stararchitekten Isay Weinfeld. Ein Freund von Tojner erzählt: „Ich habe ihm einmal gesagt, nimm halt zwei Stockwerke weg von dem Turm, dann sparst du dir den Ärger. So schön ist die Hüttn jetzt auch nicht.“ Tojner konnte darüber gar nicht lachen.

4) Wen kennt Tojner – und wer kennt ihn?

Die Wiener Straßenzeitung „Augustin“ hat Tojner jüngst porträtiert und dem Artikel ein Organigramm beigestellt, das sein „Netzwerk“ zeigt. Da finden sich Namen wie Hanno und Erwin Soravia, Andritz-Chef Wolfgang Leitner, KTM-Chef Stefan Pierer, „Krone“-Chef Christoph Dichand, Martin Ohneberg, Claus Raidl – und Sebastian Kurz. Tojner, wird kolportiert, sei neben Pierer einer von Kurz‘ wichtigsten Financiers sein, was Tojner hartnäckig bestreitet.

Wahr ist, dass Tojner mit vielen gut kann. Wahr ist aber auch, dass derlei Bündnisse nicht überbewertet werden sollten, da stets geschäftlicher Opportunismus mit im Spiel ist. Tojner gehört jedenfalls nicht zum Typus Netzwerker, der auf Festen systematisch wichtige Leute abgrast und mit Politikern und Künstlern für Bussi-Bussi-Fotos posiert.

Nur einmal im Jahr besucht er eine publikumswirksam-glamouröse Veranstaltung: den Philharmonikerball im Wiener Musikvereinsgebäude.

Im Umfeld des Geschäftsmanns findet sich vielmehr eine Riege immergleicher Mitstreiter und Gefolgsleute, mitunter seit Jahrzehnten. In Tojners Firmenimperium bekleiden sie zahlreiche Positionen, etwa in Aufsichtsräten.

Da wäre beispielsweise Friedrich Niederndorfer, Gründer des oberösterreichischen Sensoren-Unternehmens Abatec, das von Tojner gemeinsam mit dem KTM-Gründer Stefan Pierer übernommen wurde. Niederndorfer war anfangs auch maßgeblich an den gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften beteiligt, die nun im Burgenland für Auseinandersetzungen sorgen.

Da wäre auch Martin Ohneberg, Chef der Vorarlberger Industriellenvereinigung und der Henn GmbH, eines Herstellers von Schnellkupplungen. Nicht nur Ohneberg und Niederndorfer tauchen in Tojner-Unternehmen oftmals auf. Da wäre noch Franz Guggenberger, Rechtsanwalt der Wiener Kanzlei Hasch &Partner. Guggenberger ist unter anderem Beirat der Tojner-Holding Montana und Aufsichtsrat bei Varta.

Viele Bekanntschaften reichen weit zurück. Mit seinem langjährigem Freund Manfred Bodner, Gründer des Glücksspielkonzerns bwin, zog Tojner schon Anfang der 1990er-Jahre einen Versandhandel für Küchengeräte in Ungarn hoch. Der Wiener Rechtsanwalt Karl Liebenwein, der Tojner aktuell in seinem Streit mit dem Land Burgenland vertritt, stand bereits vor zwei Jahrzehnten juristisch an dessen Seite, als das Schloss Schönbrunn gegen Tojners Eisstände zu Felde zog. Und eben Wolfgang Brandstetter, Freund der Familie.

5) Wie man eine Chance nützt

Am Beispiel Varta, einst ein Batterie-Gigant in der baden-württembergischen Stadt Ellwangen, Deutschland. Die Varta AG stand früher geradezu stellvertretend für Batterien überhaupt. Varta-Batterien waren bei aufsehenerregenden Arktis-Expeditionen ebenso unerlässlich wie bei der Mondlandung 1969. In den 1990er-Jahren jedoch ging es mit Varta bergab, 2005 wurde das Unternehmen filetiert. Die Haushaltsbatteriensparte ging 2005 an einen US-Konzern, ebenso wie die Autobatterien. Als letzter Unternehmensteil blieben die sogenannten Mikrobatterien, die man in Uhren und Hörgeräte steckt. In dieser Sparte kriselte es besonders, kaufen wollte zunächst niemand. 2007 bekam Tojners Holding Global Equity Partners die Varta-Reste für 30 Millionen Euro.

Wie die Geschichte weitergeht? Varta expandierte in neue Geschäftsfelder wie Solarstromspeichersysteme und E-Auto-Batterien, der Mitarbeiterstand wurde annähernd verdoppelt. Seit Oktober 2017 wird die Varta-Aktie an der Börse Frankfurt gehandelt, der Börsenwert liegt aktuell bei 1,2 Milliarden Euro, Tojners Schweizer Montana Tech (er ist dort Hauptaktionär) hält noch 64 Prozent. Das entspricht einem Wert von rund 770 Millionen Euro – durchaus beachtlich für einen Betrieb, den Tojner ein Jahrzehnt zuvor um gerade einmal 30 Millionen erwarb.

6) Das Unmögliche möglich machen

Eines muss man Michael Tojner anstandslos zugestehen: Er schafft Dinge, die eigentlich nicht zu schaffen sind. Er besitzt zum Beispiel ein Haus am Wörther See und eines am Traunsee, Heimat seiner Frau. Ebenda steht ein Holzbau, inspiriert vom Salzkammergutstil. Unten gemauerte Einfahrten für Wasserfahrzeuge, darüber zwei Etagen mit Balkonen, Terrassen und großzügigen Fensterflächen; offener Kamin, die Küche mit einer Arbeitsplatte aus rotem Marmor, mehrere Schlafzimmer, gemütliche Leseecken, edle Holzböden. Interior Designer Hubert Bodner hat sich richtig ins Zeug gelegt. Der gegenüberliegende Traunstein zeigt sich in monumentaler Pracht.

In gewisser Weise ist dieses Haus jedoch ein Trugbild. Formell handelt es sich um ein Boots-und Clubhaus, Sitz des Traunkirchner Wasserskivereins – Obmann: Michael Tojner, Schriftführerin: Renate Tojner, Kassier: Friedrich Niederndorfer. Es ist nicht ganz einfach, Mitglied in diesem Verein zu werden. Er hat keine Website und keine Telefonnummer.

Frei verfügbare Liegenschaften an Salzkammergutseen sind bekanntlich gleichermaßen begehrt wie selten. Das gilt auch für den Traunsee. Man muss schon einigen Ideenreichtum aufbringen, um ein solches Refugium schaffen zu können.

Im Herbst 2005 hatte die Gemeinde das damals noch unbebaute Grundstück an eine Traunkirchen Tourismusentwicklungs GmbH verkauft. Gesellschafter waren Herr und Frau Tojner sowie deren Bruder Wolfgang Gröller, Hotelier im Ort. Ein Jahr später wurde die Baubewilligung „zur Errichtung eines Bootshauses mit Clubräumen für die Wasserskischule Traunkirchen“ erteilt.

Da steht es nun, das Clubhaus, auf das von außen nicht viel mehr hinweist als ein schlichtes Schild auf einem schmiedeeisernen Tor: „Wasserskiclub“.

Wie hält es der Club-Obmann mit dem Wasserskifahren am Traunsee, fragte profil anlässlich des Interviews vergangene Woche. Michael Tojners Antwort: „Ich gehe sehr viel Wasserski fahren, aber nicht am Traunsee, sondern am Wörther See. Am Traunsee gehe ich kitesurfen.“

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Spieltrieb

Aus dem profil 06/2019 vom 3.2.2019

Vergangene Woche berichtete profil über ein umstrittenes Angebot der Donau-Uni Krems (DUK) in Niederösterreich. Sie betreibt neuerdings den Glücksspiel-Lehrgang „Leisure, Entertainment and Gaming Business Management“. Ein steuergeldfinanziertes Service für Manager der Glücksspiel-Industrie, kritisieren die niederösterreichischen Grünen rund um Obfrau Helga Krismer und Abgeordneten Georg Ecker. Nun beschäftigt die Causa den Sankt Pöltner Landtag. Die Grünen fordern das Land auf, keine Mittel für den Lehrgang freizugeben – und appellieren überdies an die DUK, das Angebot überhaupt zu überdenken.

In der DUK verwies man vergangene Woche darauf, dass eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema durchaus gesellschaftlich relevant sei. Überdies werde der Lehrgang ausschließlich durch Teilnahmegebühren finanziert. Weder flössen Steuergelder hinein noch etwaige Unterstützungsgelder aus der Branche, so DUK-Sprecher Stefan Sagl.

Nicht ganz ins Bild jedoch passt da ein Eintrag auf der Fach-Website „spieler-info.at“ vom vergangenen Oktober, der sich positiv mit dem Lehrgang auseinandersetzt. Darin wird Managern von Novomatic AG und Casinos Austria gedankt, dass sie das Projekt unterstützen. Insbesondere Novomatic-Vorstandschef Harald Neumann „gebührt Dank für die massive Unterstützung, die es ermöglicht, dass der erste Lehrgang für Studenten ab dem Sommersemester 2019 offensteht“, so der Artikel. Novomatic-Gründer Johann Graf, heißt es, habe „bereits im Jahr 2014 die Bedeutung einer derartigen universitären Ausbildung erkannt und Unterstützung zugesagt“.

Dem Vorstand der Casinos Austria wiederum gebühre Dank, weil er „einen wesentlichen Beitrag zum Entstehen dieses weltweit vorbildlichen universitären Glücksspiel-Lehrganges“ geleistet habe.

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Reden wir über … Essiggurkerl

Aus dem profil 05/2019 vom 27.01.2019

Klaus Hraby, Geschäftsführer des oberösterreichischen Lebensmittelunternehmens Efko, über die Löhne von Erntehelfern – und warum Karamell-Gurkerl am Markt nachgefragt werden, zitronige aber nicht.

Interview: Joseph Gepp
Foto: Monika Saulich

Der 60-jährige Niederösterreicher Klaus Hraby arbeitet seit sechs Jahren als Geschäftsführer bei Efko. Hraby begann seine Karriere beim Fruchtsaft-Hersteller Yo und ist seit Jahrzehnten in der Lebensmittelindustrie tätig. Efko steht für „Eferdinger Kostbarkeiten“. Die GmbH aus dem oberösterreichischen Hinzenbach bei Eferding produziert knapp die Hälfte der österreichischen Essiggurkerl. Sie geht auf eine Gartenbaugenossenschaft zurück, die im Jahr 1941 gegründet wurde. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe 602 Mitarbeiter und verarbeitet jährlich rund 20.000 Tonnen Sauergemüse und Obstkonserven. Efko gehört zu 51 Prozent der Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich und zu 49 Prozent einem Verbund von Landwirten.

Foto: Monika Saulich


profil: Herr Hraby, Ihr Unternehmen hat eine Abteilung für Produktentwicklung. Was gibt es bei Essiggurkerln noch zu entwickeln?


Hraby:
Auch wenn sie auf den ersten Blick profan erscheinen, stecken durchaus Technologie und Know-how dahinter. Mit Blick auf die landbauliche Seite wäre uns die Lösung einer Herausforderung wichtig: Die Gurkenernte ist eine sehr personalintensive Tätigkeit. Viele Landwirte haben Probleme, Erntehelfer zu finden. Wir wünschen uns deshalb einen Gurkerlernteroboter. In Deutschland wird daran schon geforscht; für Erdbeeren gibt es bereits Prototypen. Bis zur Serienreife wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Eine weitere Frage ist die Entwicklung neuer Rezepturen.

profil: Der Gewürzmischung, in der die Gurkerl schwimmen?


Hraby:
Da gibt es Klassiker, an denen wir nie etwas ändern. Wenn wir an unserer klassischen Delikatessgurke herumdoktern, trudeln auf der Stelle Reklamationen von eingefleischten Efkoianern ein. Das kommt am nächsten Tag. Aber es gibt auch Essiggurkerl-Varianten, bei denen Experimente möglich sind: etwa scharfe Gurkerl, solche mit Meersalz oder Blütenhonig. Für die kommende Saison haben wir ein Produkt in der Pipeline, das von konventionellen Geschmacksvarianten stark abweicht: Salted Caramell. Das haut wirklich auf den Tisch!

profil: Karamellgurkerl?

Hraby:
Unser Unternehmen muss dasjenige sein, das in der Kategorie Sauergemüse – also bei Gurkerln und anderem eingelegten Gemüse – mit neuartigen Kreationen Zeichen setzt. Immerhin sind wir mit 40 Prozent Marktführer in Österreich. Bei unseren Verkostungen stellen wir bei Salted Caramel fest: Die Hälfte lehnt es ab, die andere liebt es.

profil: Wie kommt man auf die Idee, Essiggurkerl mit Karamell zu versetzen?

Hraby:
Es geht auf einen Innovationskreis zurück, den wir im Jahr 2017 veranstaltet haben. Dabei wurde jede Projektgruppe von einem Mitarbeiter geführt, der nicht länger als ein Jahr im Unternehmen war. Da sind steile Geschichten rausgekommen. Komplett out of the box. Am Ende haben wir den Christbaum abgeputzt und die Ideen herausgefiltert, die Marktchancen haben könnten.

profil: Welche Ideen, die in solchen Zirkeln entstehen, fliegen raus?

Hraby: Es gibt mehrere, die nicht realisiert wurden. Aber vielleicht stecken da doch noch Ideen für die nächsten Jahre drin, deshalb verraten wir sie nicht.

profil: Gibt es Experimente, von denen Sie wissen, dass sie definitiv gescheitert sind?

Hraby:
Was wir in Tests versucht haben, ohne dass es zu einer Markteinführung kam, sind beispielsweise Gurkerl mit Zitrone. Wir dachten: Sowohl Zitrone als auch Gurkerl haben Säure und schmecken frisch – das passt doch gut. Aber in unseren Tests hat das nicht funktioniert, unter anderem, weil sich das Produkt bei längerer Lagerhaltung verfärbte.

profil: Wer verkostet Ihre Produkte bei solchen Tests?


Hraby:
Ein internes Team trifft sich wöchentlich.

profil: Ihr Klassiker ist ja besagte Delikatessgurke …

Hraby:
Ja, wobei, wie gesagt, da steht die Rezeptur seit 77 Jahren unabänderlich fest. Wasser, Essig, Gewürze, das ist es im Wesentlichen.

profil: Trotzdem sind Sie sicher der Meinung, dass die klassischen Efko-Gurkerln den Gurkerln Ihrer Mitbewerber vorzuziehen seien. Warum eigentlich?

Hraby: Zum einen stecken trotz aller Unabänderlichkeiten gewisse Besonderheiten in der Rezeptur. Die Mischung an Kräuteressenzen ist speziell. Darüber hinaus geht es aber auch um den Prozess. Im Sommer, in einem Zeitraum von ungefähr zwölf Wochen, werden unsere Gurkerl tagtäglich geerntet, angeliefert und sofort verarbeitet. Da muss alles reibungslos funktionieren. In unseren Kühlräumen steht die Rohware bis zur Verarbeitung höchstens einen Tag. Die kurze Zeitspanne ist wichtig für Qualität und Knackigkeit der Gurkerl. Bei diesem Prozess, also der optimierten Supply Chain, haben wir jahrzehntelange Erfahrung und viel Gespür.

profil: Manchmal findet man in einem Glas knackigere und weniger knackige Gurken. Warum?

Hraby:
Da steckt ein systemimmanentes Thema dahinter. Ab den frühen Morgenstunden wird geerntet. Bis ein Traktoranhänger voll mit rohen Gurken ist, dauert es gemeinhin einen halben Tag. Wenn die Temperatur im Sommer bei 35 Grad liegt, werden einige Gurken in diesem Zeitfenster etwas zu warm. Im Verzehr sind sie dann nicht mehr ganz so knackig. Wir kriegen über die Qualitätskontrolle am Werkseingang zwar viele raus, aber eben nicht alle. Das bereitet uns Kopfzerbrechen.

profil: Essen die Österreicher mehr oder weniger Essiggurkerl als früher?

Hraby: Das Essverhalten in Österreich hat sich verändert. Die klassische Jause am Abend findet weniger statt. Dabei hat man traditionell Gurkerl oder anderes eingelegtes Gemüse gegessen. Wir spüren das in Form eines leicht rückläufigen Marktvolumens. Wir konnten in den letzten Jahren unseren Marktanteil zwar ausbauen. Aber Fakt ist, dass der Markt für Sauergemüse stagniert, während beispielsweise mehr Frischgemüse als früher gekauft wird, genauso wie sogenanntes Convenience-Food, also vorgefertigte Produkte. Hier müssen wir dagegenhalten. Wir wollen junge Konsumenten ansprechen, etwa in sozialen Netzwerken. Wir sehen in Erhebungen, dass die Altersgruppe zwischen 18 und 24 zwar gerne Gurkerl isst, aber nur dann, wenn sie zu Besuch bei den Eltern ist. Von sich aus greifen die Jungen im Supermarkt selten zu Gurkerln. Deshalb wollen wir ein neues Bewusstsein schaffen. Übrigens: Sobald Kinder ins Haus kommen, werden die Gurkerl wieder mehr nachgefragt. Dann richtet man beispielsweise Brote für die Schuljause her. Und die Kinder essen die Gurkerl auch gerne.

profil: Teenager offenbar weniger. Wer Fast-Food- Lokale besucht, kann sie häufig dabei beobachten, wie sie Gurkerlscheiben mühselig aus ihren Hamburgern klauben.

Hraby: Wirklich? Mir wäre das nicht untergekommen. Würde ich so etwas sehen, würde ich sofort einschreiten!

profil: Stammen die Gurkerl in den Hamburgern auch von Efko?

Hraby: Nein, das sind Salzgurken, für die es für ganz Europa einen zentralen Lieferanten gibt, einen deutschen Betrieb. Wir führen aber in unserem Sortiment auch größere Glaseinheiten, die beispielsweise an Würstelstände und Heurigenlokale gehen, wo die Gurkerl als Beilage oder Garnitur kredenzt werden. Worum wir uns außerdem zentral bemühen, sind Feinkost-Theken in Österreichs Supermärkten. Es kann nicht sein, dass es dort eine Extrawurstsemmel ohne Efko-Gurkerl gibt. Da sind wir inzwischen recht erfolgreich unterwegs.

profil: Gurken werden seit jeher vor allem in Ostösterreich angebaut; der gebirgige Westen eignet sich klimatisch weniger dafür. Gibt es auch auch beim Gurkerl-Verzehr ein Ost-West-Gefälle?


Hraby:
Interessanterweise gibt es eines – noch dazu ein starkes – bei unserem Efko-Kartoffelsalat. Aber bei Gurkerln merken wir das nicht.

profil: Früher wurde Gemüse eingelegt, damit es lange haltbar bleibt und im Winter als Vitaminquelle zur Verfügung steht. Essen die Leute heute immer noch mehr Gurkerl zur kalten Jahreszeit?

Hraby: Ab Oktober legt der Verkauf um ungefähr 20 Prozent zu. Unser umsatzstärkster Monat ist der Dezember, auch deshalb, weil rund um Weihnachten zahlreiche Familienzusammenkünfte stattfinden, bei denen häufig Gurkerl zur Jause auf dem Tisch stehen. Wenn im Frühjahr die Frischgemüsesaison beginnt, lässt der Gurkerlverkauf wieder nach.

profil: Wo werden die Efko-Gurkerl angebaut?

Hraby: Regelrecht rund um den Kirchturm. Unsere Lieferanten sind maximal zehn Kilometer von unseren beiden Standorten in Österreich entfernt. Es sind Gemüsebauern mit 20 bis 40 Hektar Anbaufläche. Im Jahr 2018 hatten wir 15 Lieferanten, die circa 3800 Tonnen Rohware lieferten.

profil: 15 Lieferanten sind nicht viel.

Hraby: Vor 50 Jahren hatte Efko noch 600 Lieferanten. Das waren teilweise Leute, die in ihrem eigenen Garten Gurkerl angebaut haben. Zur Erntezeit haben sie ein Jutesäckchen auf ihr Fahrrad oder Moped gepackt und es hergebracht. Inzwischen hat sich der Prozess professionalisiert. Für einen Kleingartler zahlt sich das längst nicht mehr aus.

profil: Wer erntet die Gurken?


Hraby:
Um einen Gurkenflieger (siehe „Assoziationen“ weiter unten) zu bedienen, braucht man 25 Leute: einen Fahrer und 24 Pflücker. In Summe muss ein Landwirt während der zwölfwöchigen Erntezeit auf einen Pool von bis zu 35 Personen zurückgreifen können, um mit der maximalen Arbeitszeit pro Pflücker kein Problem zu bekommen. Diese müssen untergebracht und verköstigt werden; man muss Wäsche waschen und die medizinische Versorgung organisieren. Für einen Landwirt ohne Management-Erfahrung ist das eine Herausforderung, mit der er erst einmal zurechtkommen muss. Ein robustes Nervenkostüm ist auch kein Nachteil.

profil: Woher stammen die Erntehelfer?

Hraby: Meistens aus Osteuropa. Gurkenpflücker aus Österreich findet man fast keine. Das erste Ziel für unsere Bauern sind EU-Bürger aus Rumänien, Bulgarien oder Polen. Unter ihnen gibt es Leute, die jedes Jahr aufs Neue kommen, weil sie bereits seit Jahrzehnten pflücken und die Landwirte gut kennen. Aber neue Pflücker dazuzugewinnen, ist inzwischen auch im EU-Inland schwierig. Deshalb schauen sich die Landwirte in Drittstaaten um, im Kosovo oder der Ukraine. Die Beschäftigung dieser Leute ist aufwendig und bürokratisch – allein über die Arbeitsbewilligungen könnte ich stundenlang erzählen. Das Personalproblem gibt es nicht nur in der Gurkerlerzeugung, sondern im gesamten personalintensiven Landbau. Genauso wie Gurkerl muss beispielsweise auch jeder Eisbergsalat händisch geschnitten werden. Bei jedem Wetter, millionenfach, und in gebückter Haltung.

profil: Wie viel verdient ein Gurkenpflücker?

Hraby: Netto bleiben ihm 1200 bis 1400 Euro pro Monat, je nach Überstunden. Das ist im Landarbeiterkollektivvertrag geregelt. Kost, Logis und anteilige Sonderzahlungen sind auch noch zu berücksichtigen. Für die schwere Arbeit und für österreichische Verhältnisse ist das ein sehr niedriger Lohn. Aber für ukrainische Standards ist es gutes Geld. Deshalb funktioniert das System.

profil: Haben Sie Sorge, dass sich der Gurkenanbau in Österreich irgendwann nicht mehr rentiert, weil die Landwirte keine Arbeiter mehr finden oder weil es sich schlicht für sie nicht mehr auszahlt?

Hraby:
Das Problem ist, dass wir als österreichisches Erzeugnis gegen ausländische Billigproduzenten antreten müssen. Im österreichischen Handel findet man beispielsweise Gurkerl aus Indien. Sie werden mit riesigem CO2-Fußabdruck um den Globus transportiert. Und sie sind spottbillig, weil Arbeitskräfte in Indien fast nichts kosten. Gegen solche Mitbewerber müssen wir uns durchsetzen, mit unserer bekannten Marke und der österreichischen Herkunft unserer Gurkerl. Wir schauen, dass für unsere Landwirte eine Umsatzrendite von zwei bis fünf Prozent herauskommt. Das ist nicht wahnsinnig hoch, aber auch nicht nichts. Irgendwann könnte trotzdem die Gefahr drohen, dass die Bauern vom Gurkenanbau nicht mehr leben können. Gurkerl österreichischer Herkunft würden es dann nicht mehr geben. Aber so weit sind wir glücklicherweise noch lange nicht. Trotzdem: Wenn wir erfahren, dass ein Gemüsebauer unter unseren Lieferanten nicht aufhört, sondern der Betrieb von seinem Sohn weitergeführt wird, dann machen wir hier schon ein Fass Bier auf. Interview: Joseph Gepp

Fünf Assoziationen zum Thema Essiggurkerl:

„Sauregurkenzeit“
nennt man in Deutschland das Sommerloch, also jene Hitzewochen, in denen politisch, geschäftlich und medial wenig los ist. Woher der Begriff stammt, ist unklar. Möglicherweise hat er gar nichts mit Gurken zu tun, sondern ist eine Verballhornung des jiddischen „Zores“, was Ärger oder Wirrwarr bedeutet.

Der Gurkenflieger
ist jenes Gefährt, das zur Erntezeit langsam über die Gurkenfelder rollt. Auf seinen Flügeln liegen bäuchlings zwei Dutzend Pflücker, um die Gurken in mühevoller Handarbeit zu brocken. Das Gerät ähnelt entfernt einem großen Segelflugzeug.

Die Extrawurstsemmel mit Gurkerl ist eine Art österreichisches National-Fast-Food und Lieblingsspeise von Kommissar Rex. Ein Klecks Senf darf sein, Butter nicht.

Dass Schwangere gern Heißhunger auf Essiggurkerl haben, dürfte ein Mythos sein. Eine Befragung von 1000 Schwangeren in den Niederlanden im Jahr 2006 ergab, dass sie diese nicht häufiger essen als vor Beginn der Schwangerschaft.

Erwin Wurm hat Essiggurkerl zum Kunstwerk erhoben. 2008 verfertigte er „36 Selbstporträts als Essiggurkerl“, eine Installation aus Gurken, die in Akryl gegossen und hyperrealistisch bemalt waren.

Weitere Gespräche aus der Reden-wir-über-Reihe:

Reden wir über … Ziegel
Reden wir über … Klammermaschinen

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Darf Krems Las Vegas werden?

Aus dem profil 05/2019 vom 27.01.2019

Dass Universitäten und Fachhochschulen mitunter recht ausgefallene Studienrichtungen anbieten, um spezifischen Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden, ist nichts Neues. Die Donau-Universität Krems in Niederösterreich (DUK) jedoch hat nun mit einer Neugründung über das Ziel hinausgeschossen, monieren Kritiker. „Leisure, Entertainment and Gaming Business Management“ heißt ein neuer Lehrgang an der DUK. Im Klartext: Glücksspiel-Management. Das Programm zwischen zwei und vier Semestern, das berufsbegleitend angeboten wird, richtet sich laut DUK- Website ausschließlich an bereits tätige „Manager im Leisure, Entertainment and Gaming Business mit mehrjähriger Berufserfahrung, die sich auf eine zukünftige Führungsposition vorbereiten“. Heißt: Im Wesentlichen dürfte es sich um Weiterbildungsseminare für Führungskräfte aus der Glücksspielbranche handeln.

Die Universität wird mit Steuergeld gefördert. Mit 5,43 Millionen Euro sponsert Sankt Pölten die DUK, Niederösterreichs einzige Universität, aus dem laufenden Landesbudget. Dazu kommen Fördergelder des Bundes. Helga Krismer, Landessprecherin der niederösterreichischen Grünen, spricht von einer „Grenzüberschreitung“:“Ein derartiger Lehrgang ist nicht im Sinne der Steuerzahler. Wenn Konzerne wie beispielsweise die Novomatic AG Schulungen ihrer Mitarbeiter benötigten, dann mögen sie dies ohne Steuergeld selbst organisieren.“

Dass Glücksspiel häufig Leid und Gewalt hervorbringt, ist jedenfalls hinreichend dokumentiert. In Österreich dürften laut Spielsuchthilfe rund ein Prozent der Erwachsenen spielsüchtig sein. An zahlreichen Kriminalfällen -von Beziehungsgewalttaten bis zu Trafiküberfällen -hat die Spielsucht ihren Anteil. Zuletzt etwa war auch jener Mazedonier spielsüchtig, der in Tulln seine Frau erstach. In den vergangenen Jahren hat sich das Problem laut Experten von Automaten eher in die Online-Sphäre verlagert. Der Trend in Europa geht klar in Richtung mehr gesetzlicher Einschränkung: In Deutschland wurden beispielsweise kürzlich die Gewinn-und Verlustchancen an Automaten stark beschränkt. Italien verbietet gerade die Werbung für Online-Wetten.

Braucht es angesichts all dessen wirklich ein steuergeldfinanziertes Glücksspiel-Studium? Der Lehrgang sei durchaus von gesellschaftlicher Relevanz, sagt Alexander Pfeiffer, Leiter des Zentrums für Angewandte Spieleforschung an der DUK. „Digitale Spiele verschwimmen immer mehr mit Elementen des Glücksspiels. Diese Sphäre wollen wir als eine der führenden Institutionen in Sachen Spieleforschung akademisch abbilden und erforschen. Da geht es auch um Themen wie Spielerschutz, Suchtprävention und Aufklärungsarbeit.“ Überdies sei der Lehrgang nicht nur für Manager gedacht, sondern auch für andere Leute, die mit dem Bereich zu tun haben, etwa Beamte und Journalisten. Zudem wird laut DUK kein Steuergeld für den Lehrgang aufgewendet. Er finde nur statt, wenn er -durch Teilnahmegebühren -kostendeckend zu finanzieren sei.

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Glosse: Das war meine Woche

Aus dem profil 05/2019 vom 27.01.2019

Ich verfolge interessiert die Nachrichten aus Luxemburg. Dort wird die Benutzung von Zügen, Bussen und Straßenbahnen ab 2020 gratis sein. Der Autoverkehr ist ein Hauptverursacher des Klimawandels. Im Gegensatz zu Sektoren wie der Industrie steigen die CO2 Emissionen aus dem Verkehr rasant. Wäre also ein Schritt wie in Luxemburg auch für Österreich zu empfehlen? Zum Beispiel in Wien? Laut Wiener Linien kostet der Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel die Hauptstadt jährlich rund 800 Millionen Euro. Ungefähr 40 Prozent davon, mehr als 300 Millionen, kommen aus den Steuermitteln der Stadt. Den größeren Rest, rund 500 Millionen, bringen die Wiener Linien selbst auf, großteils aus Ticketverkäufen. Besagte 500 Millionen müsste also das Rathaus stemmen, wollte es die Öffis gratis anbieten. Das entspräche rund einem Dreißigstel der jährlichen Gesamtausgaben der Stadt Wien. Es ist also prinzipiell leistbar. Aber ist es auch vernünftig? Würden Öffis gänzlich aus Steuermitteln finanziert, gäbe es wohl Jahr für Jahr eine hitzige Debatte. Wie viel Steuergeld für Gratis-Öffis darf sein? Wo liegen Sparpotenziale? Für Politiker wären die Gratis-Öffis ein vielversprechender Reibebaum. Egal ob es ihnen um ausgeglichene Budgetzahlen oder doch eher um die Stimmen der Autofahrer geht: Hier ließe sich viel gewinnen. Das Budget der Gratis-Öffis wäre also für etwaige Senkungsgelüste anfälliger als momentan, wo sich die Verkehrsbetriebe zu mehr als der Hälfte selbst finanzieren. Es zu senken hieße aber: weniger Qualität, mangelnder Ausbau -und am Ende kehren die Wiener trotz Gratis-Öffis zum Auto zurück. Aktionen wie in Luxemburg klingen gut, aber Wiens rot-grüne Stadtregierung hat sich wohl zur besseren Strategie entschlossen. Die Öffis dürfen ruhig ein bisschen etwas kosten, nur besonders viel sollte es nicht sein.

Joseph Gepp

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Kaltwarm

Aus dem profil 05/2019 vom 27.01.2019

Obwohl die kalte Progression wahrlich keinen guten Ruf genießt, haben die Arbeitnehmer über Umwege von ihr profitiert, zeigen Berechnungen der WU.

Joseph Gepp

Es gibt Forderungen, bei denen sind sich alle maßgeblichen politischen Kräfte einig. Zum Beispiel bei der Abschaffung der sogenannten kalten Progression. Dafür votiert die schwarz-blaue Regierungskoalition ebenso wie die oppositionelle SPÖ, die NEOS ebenso wie Gewerkschaftsbund und Industriellenvereinigung.

DER HINTERGRUND

Je mehr unselbstständig Erwerbstätige verdienen, desto mehr Lohnsteuer zahlen sie ans Finanzamt. Wenn die Löhne um die jährliche Inflationsabgeltung steigen, rücken immer mehr Steuerpflichtige in höhere Tarifstufen vor. Die Beschäftigten müssen also auf ihr Gehalt höhere Steuern zahlen, obwohl dieses de facto gar nicht gestiegen ist.

Die Regierung hat kürzlich die Abschaffung der kalten Progression angekündigt, wenn auch erst im Jahr 2023, also in der nächsten Legislaturperiode. Von dann an soll laut FPÖ-Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs eine Art Automatismus zum Einsatz kommen (der sogenannte Tarif auf Rädern). Grundgedanke der geplanten Reform: Die Inflation wird bei der Berechnung der Lohnsteuer mitberücksichtigt. Steigt sie, zahlt der Arbeitnehmer automatisch im selben Ausmaß weniger Lohnsteuer. Was gut klingt, hat einen Haken, wie Berechnungen zweier Ökonomen von der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) zeigen. Sie wecken Zweifel, ob die Beschäftigten letztlich wirklich die Gewinner einer solchen Reform wären.

WORUM GEHT ES?

In schöner Regelmäßigkeit finden in Österreich Steuerreformen statt. In deren Rahmen wird meist auch die Lohnsteuer ein Stück gesenkt, sonstige Entlastungen für Arbeitnehmer werden beschlossen. Die diesbezüglich letzten Reformen gab es im Jahr 2005 (unter ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel) sowie 2009 und 2016 (beide unter SPÖ-Kanzler Werner Faymann).

Vanessa Lechinger und Mathias Moser vom WU-Forschungsinstitut „Economics of Inequality“ haben berechnet, was gewesen wäre, hätten die damaligen Entlastungen nicht stattgefunden – weil stattdessen der automatische Ausgleich der kalten Progression zum Einsatz gekommen wäre. Ergebnis: Die Mehrheit der Arbeitnehmer profitierte von den Reformen deutlich mehr als von einem etwaigen Ausgleich. „Das Entlastungsvolumen der Steuerreformen ist im Aggregat größer als die Verluste durch die kalte Progression“, sagt Vanessa Lechinger. Vor allem infolge der Reform 2016 fiel die Entlastung ordentlich aus – laut den WU-Berechnungen fast doppelt so hoch wie die kalte Progression.

In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten hätte es sich also für die Arbeitnehmer als Verlustgeschäft entpuppt, hätte es keine Lohnsteuerreformen gegeben, sondern einen automatischen Ausgleich der kalten Progression. Freilich: Das muss nicht auf ewig so sein. „Eine Steuerreform könnte auch weniger Entlastung für die Lohnsteuerpflichtigen ergeben, als ein Tarif auf Rädern bringen würde“, sagt der Steuerexperte Peter Brandner vom Thinktank Weis[s]e Wirtschaft in Wien. „Das hängt ganz vom jeweiligen budgetären Spielraum und politischen Willen ab.“ Heißt: Beim Ausgleich der kalten Progression bekommt man möglicherweise zwar weniger als durch etwaige Steuerreformen -ist aber eher auf der sicheren Seite.

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