Entschuldigung, dass es uns gibt

Wie jedes Jahr: die Heeresleistungsschau am Heldenplatz

Unterschwellig tendiert das österreichische Bundesheer stets dazu, sich für seine Existenz zu entschuldigen. Ob das angebracht ist oder nicht, sei dahingestellt. Unvergessen ist jedenfalls die praktische schwarz-braune Sporttasche, die jeder Wehrpflichtige zu seiner Uniform bekommt und nach Ablauf seines Militärdienstes behalten darf. Einer der Sprüche darauf: „Der Zweck fordert Mittel“. Jemand, dessen Zweck zweifelsfrei feststeht, würde das wohl nicht betonen müssen.

Also gilt es am Nationalfeiertag, die „Vielseitigkeit und hochmoderne Ausrüstung“ des Heers vorzuführen.

Die jährliche Leistungsschau der Truppen am 26. Oktober am Heldenplatz fühlt sich ein wenig an wie der Spruch auf den Taschen. Offizielles Motto: „Schutz und Hilfe, Mensch und Technik“. Inoffizielles Motto: „Ihr wollt uns zwar nicht, aber auch wir haben einen Sinn, und das zeigen wir euch heute mal“. Dieser Grundton lässt das Spektakel nicht unbedingt patriotisch oder gar kriegerisch-martialisch erscheinen. Eher wirkt es kurios und dadurch sogar ein bisschen sympathisch. Sozusagen als Ausdruck des Dilemmas von Streitkräften in demokratischen Gesellschaften.

Es gibt das übliche Einmal-im-Leben-in-einen-Panzer-Steigen oder Einmal-einen-Eurofighter-Betatschen. Dazu Würstchen, Langos, von Menschenmassen umringte Hubschrauber und junge Abkommandierte, die auf Heurigenbänken zu Schauzwecken undefinierbares Gestänge aus der „hochmodernen Ausrüstung“ zusammenschrauben. Dazu kommt ein Showexerzieren der Garde für das US-Marines-Feeling. Die Edlseer sorgen für gediegene musikalische Untermalung. Und als Höhepunkt des Ganzen fungiert wie üblich die Angelobung der jungen Rekruten, standesgemäß mit Zapfenstreich der Gardemusik und in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer.

Nicht lange danach dürfen die Rekruten ihre Sporttasche verdientermaßen nach Hause mitnehmen.

Heldenplatz, Di 9.00

JOSEPH GEPP

Erschienen in der Falter-Woche 42/2010

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